: Jürgen Schmieder
: Touchdown! Alles über American Football
: Piper Verlag
: 9783492997454
: 1
: CHF 10.80
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: Ballsport
: German
: 240
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
American Football ist mehr als ein Sport, bei dem sich Spieler mit Schulterpolstern und großen Helmen gegenseitig umrennen: Football ist Tradition, Popkultur und nicht zuletzt das Spiegelbild einer ganzen Nation. Jürgen Schmieder, der auch gerne Quarterback geworden wäre, kennt das amerikanische Heiligtum und all seine Kontroversen: Frauen im Football, härtere Regeln für ein sanfteres Spiel oder das Milliardengeschäft mit dem alljährlichen Super-Bowl-Spektakel. Schmieder erklärt nicht nur, wo die Spieler auf dem Feld stehen und wohin sie laufen müssen: Ganz nebenbei erzählt er legendäre Geschichten von großen Helden, unvergessenen Losern und millionenschweren Fantasy-Football-Stars. Ein Buch für Fans und alle, die es werden wollen!

Jürgen Schmieder, 1979 in Tirschenreuth geboren, ist Journalist, Kolumnist und Schriftsteller. Er schreibt für die Süddeutsche Zeitung und hat als Autor Bücher über Selbstversuche verfasst. Sein Buch »Du sollst nicht lügen!« wurde ein Bestseller.

Kapitel 2 – Quarter-, Half- und Fullback – die Positionen


Patrick Mannelly absolvierte 245 Partien für die Chicago Bears, er gilt noch immer als der beste Spieler der Geschichte auf seiner Position – die kaum einer kennt. Mannelly war Long Snapper. Ja, wirklich: Es gibt beim Football Typen, deren einzige Aufgabe es ist, einen Football durch die eigenen Beine zu Kollegen zu befördern, die entweder sieben (Field Goal, der Holder fängt dabei den Ball und legt ihn dann für den Kicker zurecht) oder 15 Yards (in die Arme des Punters, der den Ball dann nach vorne tritt) entfernt warten. Sie sind weder in der Offensive noch in der Defensive tätig, sondern bei den sogenannten »Special Teams«.

Mannelly wurde 1998 bei der jährlichen Talentbörse, bei der sich Proficlubs aus einem Pool an Nachwuchsspielern bedienen (siehe Kapitel 9), in der sechsten Runde gewählt, er war damit der zweite Long Snapper, der jemals bei der jährlichen Talentbörse, dem Draft, von einem Profiverein gewählt worden ist. Der erste: Todd Thomas. Die Kansas City Chiefs wählten ihn als 124. Spieler des 1981er-Jahrgangs – und setzten ihn ein Jahr später nur noch als Tight End und Tackle ein.

Experten wissen natürlich, was ein Long Snapper ist, sie kennen auch alle anderen Positionen. Wer jedoch zum ersten Mal Football guckt, weil er (oder natürlich: sie) auf eine Super-Bowl-Partie eingeladen ist, fragt womöglich: Tight End? Tackle? Long Snapper? Häh? Keine Sorge, selbst Experten tun sich oft schwer, und über den Super Bowl LII im Februar 2018 (siehe Kapitel 3) debattieren die Leute noch immer. Ob Alshon Jeffrey auch wirklich so positioniert war, dass er als legitimer Passempfänger galt, und ob der Trickspielzug regelkonform war. Also: keine Sorge.

Long Snapper sind die Exoten beim Football. Es sind die Leute, die bei Punts und Field Goals den Ball über längere Distanz zu ihren Kollegen bringen. Sie sind wie ein Blinddarm: Wenn sie auffallen, dann deshalb, weil es unangenehm wird – berühmt sind eigentlich nur jene, die ihr Team mit verunglückten Versuchen Siege gekostet haben: Trey Tunkin von den New York Giants bei der Niederlage im Play-off-Spiel gegen die San Francisco 49ers im Jahr 2003 oder Brad St. Louis von den Cincinnati Bengals während der Wildcard-Partie gegen die Pittsburgh Steelers zwei Jahre später.

Früher wurde die Aufgabe des Long Snappers von jemandem übernommen, der eigentlich woanders agierte und in diesen seltenen Momenten aushalf. Weil sich Profiteams mittlerweile spezialisiert haben wie in kaum einer anderen Sportart, gibt es nun auch Long-Snap-Experten und damit weniger ulkige Momente mit Bällen, die an Puntern oder Holdern vorbeisegeln. Interessant für alle, die glauben, dass das eine ziemlich bescheuerte Tätigkeit ist: Kein NFL-Long-Snapper bekam 2019 weniger als 510 000 Dollar, Topverdiener war Luke Rhodes von den Indianapolis Colas mit 1,57 Millionen Dollar. Ja, wirklich: 1,57 Millionen dafür, den Football durch die eigenen Beine zu Kollegen zu befördern.

 

Es ist wichtig, das zu wissen, weil es vieles erklärt, was beim Football passiert: Im Jahr 2020 darf jede NFL-Franchise 53 Spieler im Kader haben und 46 davon an Spieltagen einsetzen. Es gibt dafür eine Gehaltsobergrenze, die sich an den ligaweiten Einnahmen orientiert und 2020 bei etwa 200 Millionen Dollar liegt. Der Tarifvertrag zwischen Liga und Spielergewerkschaft legt genau fest, wer wie viel verdienen darf – es ist also nicht wie im europäischen Fußball, wo Verträge frei verhandelt werden dürfen. Wer General Manager eines NFL-Teams ist,