: Klaus Püschel, Annette Marquardt, Martin Erftenbeck
: Wahrheit Tote haben Recht(e)
: Ellert& Richter Verlag
: 9783831910427
: 1
: CHF 15.30
:
: Gesellschaft
: German
: 296
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Was macht erfolgreiche Ermittlungsarbeit aus? Anhand von realen Fallgeschichten wird erstmals gezeigt, wie Staatsanwaltschaft, Kriminalpolizei und Rechtsmedizin zusammenarbeiten, um Kapitaldelikte zu lösen. Wenn ein Mensch getötet wurde, braucht es den Sachverstand aller drei Professionen, um die Wahrheit herauszufinden. Der Täter, der sich wahnhaft verfolgt fühlt, ein zynisch kalkulierender Mörder, die Polizistin, die selbst zur Täterin wird, oder der belastende Fall des Serienmörders, der zwanzig Jahre lang sein Unwesen treibt -diese und weitere Fälle wurden von dem Autorenteam in gemeinsamer Arbeit gelöst. Ihrer Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass auch Täter von sogenannten Cold Cases endlich ihrer Strafe zugeführt werden konnten. Das Buch vermittelt uns ein neues Verständnis von professioneller Ermittlungsstrategie. Ein so tiefer Einblick in die Puzzlearbeit der Aufklärung von Mordfällen hat bislang gefehlt.

Prof. Dr. Klaus Püschel ist seit 1985 Professor der Rechtsmedizin. Seit 1991 leitet er das Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg- Eppendorf. Er verfügt über einen herausragenden Erfahrungsschatz im Bereich der Kapitaldelikte. Als Kapazität auf dem Gebiet der Forensik ist er deutschlandweit und international gefragt. Martin Erftenbeck war 44 Jahre Polizeibeamter, seit 1995 als Leiter des Fachkommissariats 1 und der Mordkommission der Polizeiinspektion Verden/Osterholz. Zuletzt leitete er seit 2016 den Zentralen Kriminaldienst der Polizeiinspektion. Seit Oktober 2017 ist er pensioniert. Dr. Annette Marquardt ist seit März 1999 als Staats-anwältin tätig. In den ersten Jahren hat sie als Dezernentin in einem allgemeinen Erwachsenendezernat eine Vielzahl von Tötungsdelikten bearbeitet. Seit der Gründung des Sonderdezernats 'Kapitaldelikte' bei der Staatsanwalt-schaft Verden im Mai 2011 bearbeitet sie die versuchten und vollendeten Tötungsdelikte im Landgerichtsbezirk und widmet sich besonders den sogenannten Cold Cases.

„Das viele Blut! Wer tut so was?“


Marie hat keine Kraft mehr, sich zu wehren, keine Kraft mehr zu schreien, den Kopf zu heben. Marie ist zusammengesackt, sie liegt am Boden, als der Täter ihr mit einem Käsemesser weitere Stiche in den Rücken zufügt, immer wieder. Schließlich wird es dunkel um Marie, die Schmerzen lassen sie bewusstlos werden.

Etwa eine halbe Stunde später und einige hundert Meter entfernt klingelt an einem Septemberabend in einem kleinen, unscheinbaren Ort der 18-jährige, kurz vor dem Abitur stehende Gymnasiast Georg an der Haustür einer Arztfamilie. Er schreit laut um Hilfe, ist weinerlich und zittert am ganzen Körper. „Wir sind überfallen worden!“

Er berichtet dem Arzt von einem Überfall auf den Getränkemarkt, in dem er als Schüler-Aushilfskraft zusammen mit Marie arbeitet. Ein unbekannter und maskierter Mann sei nach Ladenschluss in das kleine Büro getreten. „Er hat die Tageseinnahmen verlangt.“ Während Georg sich aus Angst kooperativ zeigte, habe Marie angefangen, sich zu wehren. „Der Räuber hat Marie angegriffen und immer wieder und mit unterschiedlichen Messern auf sie eingestochen. Danach ist er mit dem Geld geflüchtet.“

Georg berichtet, wie er sich bemüht habe, den Räuber zurückzudrängen, was ihm nicht gelungen sei. „Ich habe mich um Marie gekümmert, habe eine Herzdruckmassage versucht.“ Weinend stößt er immer wieder hervor: „Alles stinkt nach Blut.“

Der Arzt versorgt Georgs Schnittwunden an seiner rechten Hand, und seine Frau setzt eilig einen Notruf ab.

Die Polizei und die Rettungskräfte treffen auf ein grauenhaftes Szenario, das alle lange beschäftigen wird: Das Blut ist unter der Bürotür hindurch in den Flur geflossen. Ein metallischer Geruch hängt wie ein schwerer Vorhang in den Räumen. Die Rettungskräfte brechen die Tür auf und finden Marie in einer riesigen Blutlache direkt im Eingangsbereich liegen. Zahllose Blutspritzer überziehen Wände und Einrichtungsgegenstände des kleinen Raums, in dem sich neben zwei Schreibtischen eine Küchenzeile und ein Tresor befinden, dessen Tür offen steht.

Der erste Eindruck: Hier wurde nach Ladenschluss gerade die Abrechnung durchgeführt, das allabendliche Ritual in einem Geschäft. Neben dem Leichnam liegt in Schulterhöhe eine abgebrochene Messerklinge.

Kriminalbeamter: Nachdem wir von den Kollegen zu Hause angerufen wurden, begeben wir uns sofort zur Dienststelle. Es erfolgt eine kurze Einweisung. Noch ist der Sachverhalt für uns sehr vage. Und doch ist scho