: Hanni Münzer
: Als die Sehnsucht uns Flügel verlieh Roman
: Piper Verlag
: 9783492997171
: Heimat-Saga
: 1
: CHF 7.10
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: German
: 600
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
»Kathi und Franzi werden Ihr Herz brechen. Und es wieder reparieren.« Hanni Münzer über »Als die Sehnsucht uns Flügel verlieh«   Wenn das Kriegsende zum aufwühlenden Anfang wird: ein großer historischer Roman über die Suche nach einem Ort zum Wurzelnschlagen  Hanni Münzer begibt sich in der Fortsetzung ihrer Heimat-Saga erneut auf eine Zeitreise und erzählt eine mitreißende Geschichte über Heimatverlust, Frauenemanzipation und den Wettlauf ins All.  Im Mai 1945 werden das junge Mathematikgenie Kathi Sadler und ihre Schwester Franzi nach Moskau verschleppt. Kathi soll den sowjetischen Machthabern bei der Entwicklung ihres Raumfahrtprogramms helfen, Franzi dient dabei als Druckmittel. Über Jahrzehnte kämpft Kathi gegen den Schmerz der Entwurzelung, für eine Gefühl von Heimat und um einen Funken Hoffnung in dunklen Zeiten.   Münzers schillerndes Erzähltalent verleiht ihrem historischen Epos einen mitreißenden Sog, der Geschichte und Gefühl zu einem wunderbaren Schmöker vereint.  Hanni Münzers Heimat-Saga - der fesselnde Generationenroman der Bestsellerautorin von »Honigtot« Familie, Heimat und Gefühl sind Hanni Münzers Herzensthemen. Schon über eine halbe Million Exemplare ihrer packenden Romanserien haben ihren Weg auf die Bücherstapel begeisterter Leser gefunden, die sich mit Haut und Haar auf ergreifende Schicksale einlassen wollen.  Die aufwühlende Fortsetzung des SPIEGEL-Bestsellers »Heimat ist ein Sehnsuchtsort« »Es geht um Liebe und Leidenschaft, um Historie, um Menschen, Geheimnisse, Hoffnung, Leid und Glück. Es ist wohl genau diese Mixtur, die Münzers Werke zu Bestsellern macht.« Fürther Nachrichten  

Hanni Münzer ist eine der erfolgreichsten Autorinnen Deutschlands. Mit den Romanen ihrer »Honigtot-Saga«, der »Seelenfischer«- und »Schmetterlinge«- Reihe sowie der »Heimat-Saga« erreichte sie ein Millionenpublikum und eroberte die Bestsellerlisten. Mit den Romanen »Honigland« und »Honigstaat« (Am Ende der Nacht 1 und 2), setzt sie ihre erfolgreiche »Honigtot-Saga« ebenso spannend wie bewegend fort. Nach Stationen in Seattle, Stuttgart und Rom lebt Hanni Münzer heute mit ihrem Mann in Oberbayern. 

2


Alles Böse kommt vom Menschen.

Das Gute bestimmt der Mächtige.

Annemarie Sadler

 

Die kleine Tupolew hatte die zugewiesene Halteposition noch nicht völlig erreicht, als ein offener Jeep auf sie zuraste. Im buchstäblich letzten Moment bremste der Fahrer ab, riss das Lenkrad herum, und der Wagen schlitterte in eine Halbkurve. Eine Frau in Uniform sprang heraus. Kurz fiel die Sonne auf einen ihrer zahlreichen Brustorden. Die Auszeichnungen erinnerten Kathi an ihren kriegsversehrten Großvater. Auch ihm waren einst Orden verliehen worden, ein lächerliches Pfand für die zeitlebens ruinierte Gesundheit.

Doch diese Frau sah mehr als gesund aus; sie verströmte eine geradezu aggressive Vitalität, als müsste jedes Hindernis ihr ausweichen und nicht umgekehrt. Durch das winzige Bullauge beobachtete Kathi, wie die Offizierin mit energischem Schritt auf das Flugzeug zueilte, um gleich darauf aus ihrem Blickfeld zu entschwinden.

Niklas überließ die abschließenden Handgriffe seinem Co-Piloten, nahm die Kopfhörer ab und öffnete den Gurt. In gebückter Haltung kam er auf Kathi zu und half ihr und Franzi, die eigenen Gurte zu lösen. »Alles in Ordnung mit euch beiden?«

Kathi nickte. Sie war von einem unwirklichen Gefühl beseelt, kam sich leicht und schwebend vor, beinahe benommen. »Es war wie im Traum«, sagte sie und wunderte sich, wie körperlos sich ihre Stimme anhörte.

»Achtet auf euer Gleichgewicht, wenn ihr aussteigt. Ihr seid mehrere Stunden gründlich durchgerüttelt worden. Der Boden dürfte euch zunächst ziemlich wackelig vorkommen.«

Niklas öffnete die Luke und hängte die Ausstiegsleiter ein. »Wir machen es wie beim Einsteigen. Ich zuerst, dann folgt Franzi und dann du, Katja.« Kathi mochte es, wenn er sie Katja nannte. Er selbst hatte sich ihr als Niklas vorgestellt, aber alle anderen sagten Nikolaj zu ihm. Das wollte sie von nun an auch tun.

Wie von Nikolaj angekündigt, fühlten sich die ersten Schritte höchst unsicher an, als wäre der Boden unter ihren Füßen zum Leben erwacht. Kathi griff nach Franzis Hand. Der Eindruck verflüchtigte sich jedoch schnell, die Erde rückte wieder an ihren angestammten Platz.

Zwischenzeitlich hatte die Offizierin Nikolaj beiseitegezogen. Kathi hätte ihr Gespräch gerne belauscht, aber der Lärm der unablässig startenden und landenden Maschinen verhinderte das. Kurz streifte der Blick der Fremden Kathi, zeigte jedoch kein besonderes Interesse an ihr.

Für Kathi galt das genaue Gegenteil. Ungeniert unterzog sie die fremde Frau einer Musterung. Die vielen Abzeichen an der Uniform deuteten auf einen höheren Offiziersrang hin. Als Kathi sie auf das Flugzeug hatte zueilen sehen, erfasste sie ein vertrautes Gefühl, ähnlich jenem, wenn die Lösung eines Mathematikrätsels zum Greifen nahe schien, um sich ihr im letzten Moment doch noch zu entziehen. Kathi ahnte, dass diese Frau eine Rolle in ihrem Leben spielen würde. Wer war sie? Was hatte sie mit Nikolaj zu tun?

Die Russin hatte ihre Kappe abgenommen und unter den Arm geklemmt. Während Nikolaj angespannt wirkte, verharrte die Frau in lässiger Pose. Ein Bein leicht angewinkelt, den Kopf ihm zugeneigt, sprach sie weiter auf ihn ein.

Schönheit, wusste Kathi, wurzelte in der Geometrie. Dennoch blieb sie eine subjektive Angelegenheit. Für ihren Vater Laurenz war ihre Mutter Annemarie die schönste Frau der Welt. Bei dieser Unbekannten hatte die Geometrie Gesicht und Körper in perfekter Harmonie zusammengefügt: eine schlanke Gestalt, fein gemeißelte Züge, hell schimmernde Haut und volles rotes Haar, das in der frühen Abendsonne wie geschmolzenes Kupfer leuchtete.

Zwei weitere Wagen kamen in Sicht und rollten auf das Vorfeld. Eine Limousine mit verdunkelten Scheiben und Standarte, gefolgt von einem offenen Militärjeep, bemannt mit vier Rotarmisten.

Die Limousine stoppte unmittelbar neben Nikolaj und der Unbekannten. Die hintere Tür schwang auf. Anstatt auszusteigen, begnügte sich der Insasse damit, den Arm herauszustrecken und die beiden mit herrischer Geste heranzuwinken. Es entwickelte sich eine kurze Diskussion zu dritt.

Kathi bemerkte den Unwillen auf Nikolajs Gesicht. Neugierig tat sie einen Schritt auf den Wagen zu. Weiter kam sie nicht, eine Hand senkte sich bleischwer auf ihre Schulter. Von ihr unbemerkt waren zwei Rotarmisten aus dem Jeep gestiegen. Während der eine sie hinderte w