Auf große Fahrt!
Sechs Monate war es jetzt her, dass Mike und Elly, Matti und Gabriel aus dem peruanischen Dschungel gerettet worden waren und zum zweiten Mal nach Hause zurückgefunden hatten.
Damit war erstmals, seit Mike und Elly mit ihren Eltern von Deutschland nach Manaus in Brasilien gezogen waren, zu Hause Ruhe eingekehrt. Im vergangenen halben Jahr hatte die ganze Familie sich nach der turbulenten Zeit endlich einleben können. Mike und Elly hatten ihre Zimmer eingerichtet, ihre Eltern sich um das neue Haus und vor allem den Garten gekümmert.
Nicht nur bei Mike hatte es einige Wochen gedauert, ehe er in der Lage war, morgens aufzuwachen, ohne sich sofort nach irgendwelchen Gefahren umzusehen, die Lage zu peilen, nachzuschauen, ob sich während der Nacht irgendetwas zu ihren Ungunsten verändert hatte oder eine böse Überraschung passiert war. Seiner Schwester Elly und seinen Freunden Gabriel und Matti war es wochenlang ähnlich ergangen.
Inzwischen hatte Mike sich daran gewöhnt, dass nichts Außergewöhnliches mehr passierte, er gefahrlos von seinem Zimmer in die Küche gehen und sich eine Schüssel Cornflakes einschütten konnte, um anschließend gemeinsam mit seiner Schwester sowie Matti und Gabriel, die im Nachbarhaus wohnten, mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren. In den vergangenen sechs Monaten hatten Mike und Elly gelernt, einigermaßen passabel portugiesisch zu sprechen, und sich in ihre jeweiligen Schulklassen gut integriert. Sehr geholfen hatte ihnen dabei nicht nur, dass sowohl Mike und Matti als auch Elly und Gabriel jeweils in dieselbe Klasse gingen, sondern vor allem auch, dass sie eine Menge spannende Erlebnisse aus ihrer Zeit im Dschungel erzählen konnten. Natürlich hatte die örtliche Presse viel über das zweimalige Verschwinden und Wiederauftauchen der Kinder berichtet, sodass die vier in der Schule schon fast einen gewissen Promi-Status innehatten und sogar einige Vortragsveranstaltungen in der Schulaula absolvierten.
Jetzt standen die Sommerferien bevor und damit die erste große Reise seit ihrer letzten Rückkehr.
Obwohl die vier trotz aller Gefahren, die sie überlebt hatten, ganz und gar nicht abgeneigt gewesen wären, wieder zurück in den Dschungel zu gehen – am liebsten natürlich zu dem kleinen indigenen Volk, bei dem sie eine ganze Zeit lang gelebt hatten –, war dieses Mal etwas völlig anderes geplant, nämlich ein reiner Urlaub. Auf einer großen, komfortablen Motorjacht!
Die Reise wurde privat über den Chef der Baustelle organisiert, auf der Mikes und Ellys Vater sowie Mattis und Gabriels Mutter arbeiteten. Eine vierzehntägige, erholsame Schifffahrt mit insgesamt nur acht Jugendlichen, betreut von vier Erwachsenen: dem Baustellenchef und Besitzer der Jacht, Felipe Ferreira, der gleichzeitig auch der Kapitän war, dem Koch Théo sowie zwei weiteren, angeheuerten Besatzungsmitgliedern: Roberto und Enzo.
Vierzehn Tage Erholung: schwimmen, tauchen, Spaß haben. So lautete der Plan.
Mike pulte seine neue Taucherbrille aus der Verpackung und legte sie zu seiner Kleidung, die er zum Einpacken fein säuberlich auf seinem Bett sortiert hatte: Schwimmzeug, Shorts, Shirts, lange Hosen.
Er überlegte und rief schließlich nach seiner Schwester. Er musste mehrfach rufen, ehe Elly ihn in ihrem Zimmer nebenan hörte. Seine Tür öffnete sich und Elly kam mit Flossen an den Füßen, Taucherbrille auf dem Kopf und Schnorchel im Mund zu ihm ins Zimmer gewatschelt. In der Hand hielt sie ihr Smartphone, frisch verpackt in einer neuen wasserdichten Handyhülle für Unterwasseraufnahmen.
Mike muss