: Linus Geschke
: Engelsgrund Thriller
: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
: 9783423437578
: Born-Trilogie
: 2
: CHF 8.90
:
: Spannung
: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine unheilvolle Allianz zwischen Jäger und Gejagtem Höchst alarmiert wendet sich Carla Diaz, Borns frühere Kollegin bei der Sitte, an den Ex-Polizisten. Zwei junge Frauen, Mitglieder der Sekte »Cernunnos«, der auch Carlas Tochter Malin angehört, wurden ermordet aufgefunden. Nun fürchtet Carla um Malins Leben, dringt aber nicht zu ihr durch. Auch Borns Rückholmission scheitert - an Sektenführer Lampert und an Malin selbst. Da schaltet Born seinen alten Gegenspieler Andrej Wolkow ein, der ihm noch einen Gefallen schuldet. Tatsächlich schickt der Russe einen jungen Killer, der sich als entwurzelter Russlanddeutscher bei »Cernunnos« einschleicht. Doch Wolkow treibt ein doppeltes Spiel ...

Linus Geschke, Jahrgang 1970, arbeitet als freier Autor und Journalist. Für seine Reisereportagen hat er mehrere Preise gewonnen. Sein Thriller>Tannenstein< wurde auf Anhieb ein Bestseller.

BERLIN
VIER TAGE SPÄTER


In der Nacht hatte es in der Hauptstadt geschneit, aber dann waren die Streufahrzeuge gekommen, der morgendliche Berufsverkehr hatte eingesetzt, und kurz danach sahen die eben noch so sauber wirkenden Straßen wie ein vollgepisstes Katzenklo aus.

Sie rochen auch so ähnlich.

Trotzdem liebte Alexander Born diese Stadt. Sie war seine Stadt, der Beginn seiner Existenz und gleichzeitig auch sein Verhängnis. Er liebte jeden schmutzigen, schäbigen Quadratmeter und lehnte Modernisierungsmaßnahmen ab. Er liebte Berlin gerade wegen, nicht trotz seiner Fehler, und diese Liebe war auch das Einzige, was in seinem Leben von Bestand war.

Der Rest?

Ein ewiges Auf und Ab, welches immer häufiger in Trostlosigkeit mündete. So wie jetzt, als er am Wohnzimmerfenster seiner Eigentumswohnung in Charlottenburg stand und überlegte, was er mit dem Rest des Tages anfangen sollte.

Er wusste es nicht.

Wenn er nicht auf die Uhr schaute, wusste er nicht einmal, wie spät es gerade war, und es spielte auch keine Rolle. Die Stunden glichen sich immer mehr an; sie gingen so ereignislos ineinander über wie die verwaschenen Farben eines Batik-T-Shirts.

Es hatte eine Zeit gegeben, in der das noch anders gewesen war. Eine Zeit, in der Born ein Polizist gewesen war, fast so etwas wie der Star der Truppe. Er hatte bei der Sitte gearbeitet, oft undercover, und war dann zur Mordkommission gewechselt. In beiden Dezernaten hatte er für viele spektakuläre Festnahmen gesorgt. Unzählige Schulterklopfer hatten ihm eine große Karriere prophezeit, und eine Berliner Zeitung hatte ihn einen Helden genannt, als er mit seinem Team siebzehn rumänische Zwangsprostituierte aus einem Zehlendorfer Hinterhaus befreit hatte.

Als der damalige Berliner Oberbürgermeister (also jener Mann, der der Polizei ansonsten nur in den Rücken fiel) ihm während eines Besuches des Polizeipräsidiums vor laufenden Kameras die Hand schütteln wollte, hätte er dem Typen am liebsten öffentlichkeitswirksam eins auf die Fresse gehauen.

Born hatte früh erkannt, dass er mit seinem Tun nur die Symptome bekämpfte, nie die Ursachen. Ihm war mit den Jahren immer klarer geworden, dass sich kein Krimineller – zumindest nicht die wirklich harten Jungs – durch die Androhung einer Haftstrafe von irgendwelchen Straftaten abhalten ließ, niemals.

Diese Sprache verstanden sie einfach nicht. Sie taten, was sie taten, weil sie waren, was sie waren.

Abschaum.

Damit solche Leute verstanden, musste man sie an den Eiern packen, ihnen wehtun und ihnen das nehmen, was sie begehrten. Also begann er, mit schöner Regelmäßigkeit jenen zu schaden, die er sowieso für den Boden