: Beatriz Williams
: Unser Traum von Freiheit Roman
: Blanvalet
: 9783641266868
: Die East-Coast-Reihe
: 1
: CHF 8.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 480
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Fesselnd, emotional und wunderschön - ein Roman, so imposant wie ein Sommersturm am Meer!
Sommer 1951: Miranda Schuyler ist jung, schön und träumt von der großen Liebe. Als ihre Mutter nach dem Tod ihres Vaters einen reichen Geschäftsmann heiratet, ziehen die beiden Frauen in dessen imposantes Sommerhaus an der Küste Long Islands, und schnell wird Miranda in eine ihr bisher unbekannte Welt gezogen. Eine Welt voller Glamour, Cocktails und Prestige. Dank ihrer Stiefschwester Isobel erlebt Miranda den Sommer ihres Lebens - und lernt Joseph kennen. Dieser kann als Sohn einer Fischerfamilie mit der High Society allerdings so gar nichts anfangen. Die beiden ungleichen Teenager verlieben sich trotz aller Widerstände Hals über Kopf ineinander und ahnen nicht, dass der Sommer und ihre Liebe drohen, in einer Katastrophe zu enden ...

Die East-Coast-Reihe von Beatriz Williams bei Blanvalet:
1. Im Herzen des Sturms
2. Das geheime Leben der Violet Grant
3. Träume wie Sand und Meer
4. Die letzten Stunden des Sommers
5. Unser Traum von Freiheit

Beatriz Williams besitzt Abschlüsse der amerikanischen Universitäten Stanford und Columbia. Während sie als Beraterin in London und New York arbeitete, versteckte sie ihre Schreibversuche zunächst auf ihrem Laptop. Mit ihren Romanen eroberte sie nicht nur die Herzen ihrer LeserInnen im Sturm, sondern auch die 'New York Times'-Bestsellerliste. Heute schreibt Beatriz Williams in ihrem Haus an der Küste Connecticuts, wo sie mit ihrem Mann und ihren vier Kindern lebt.

PROLOG: 1969

Es war ein ungewöhnlich kalter Tag Anfang Mai, als ich nach Winthrop Island zurückkehrte, eine Woche nach meinem zehnten Hochzeitstag. Die letzte Fähre von New London hatte ich verpasst – der Fahrplan, wen wundert es, hatte sich in den achtzehn Jahren seit meiner letzten Überfahrt geändert –, und so heuerte ich ein Fischerboot an, das sich als alte Nussschale entpuppte, um nach Stonington überzusetzen. Ich glaube nicht, dass der Mann mich erkannte, aber wer weiß? Fischer sind bekanntlich ein stoisches Völkchen und durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Ich drückte ihm einen Zwanzigdollarschein in die Hand, und im Gegenzug stellte er keine unbequemen Fragen, wie ich hieße oder was ich auf der Insel wolle.Und wenn schon, dachte ich mir. Was sollte er schon machen? Die Presse informieren? Wahrscheinlich hatte er noch nie von mir gehört. Viele Leute hatten noch nie von mir gehört.

Anfang Mai war der Himmel nach wie vor hell, als wir die wenigen Meilen über den Long Island Sound schipperten, den Meeresarm, der die Insel von Connecticut trennt. Ich trug meine Sonnenbrille, schwarz und riesengroß, mit der ich aussah wie ein exotischer Käfer, und im Nu hatte der feine Sprühnebel die Gläser mit einem salzigen Film bedeckt. Als ich fast nichts mehr sehen konnte, nahm ich sie ab, und der starke Wind, der mein Gesicht traf, überraschte mich, ebenso wie der Geruch. Ich hatte ihn völlig vergessen, diesen Geruch am Sound, der etwas ganz Eigenes hatte und den es so auf der Welt sonst nirgendwo gab, nicht am Ärmelkanal, nicht am Mittelmeer und auch nicht am Südpazifik – oder vielleicht doch? Vielleicht bildete ich mir das alles nur ein. Egal. Jedenfalls, wie ich da stand am Bug des Fischerboots, gegen das Deckshaus gelehnt, schien es mir, als dringe die salzige frische Luft, die der Wind mir um die Nase blies, bis in die hintersten Winkel meines Gehirns, bis tief in den Hippocampus, um dort gewisse liebevolle Erinnerungen wachzukitzeln: wie ich mich über das Heck eines Hummerboots beuge, um Fangkäfige an Bojenleinen aus dem Wasser zu ziehen. Wie ich am mitternächtlichen Dock, weit hinten, mit einer Freundin zusammen bei einer Flasche Champagner sitze. Wie ich bei strömendem Regen am Strand neben einem Jungen liege und wir uns ein allerletztes Mal küssen.

Die Insel vor mir bildete einen dunklen, flachen Halbkreis, der sekündlich größer wurde, bis er den gesamten Horizont einnahm und die kleinen Punkte darauf die Form von Häusern annahmen. Ich sah die dicht stehenden Gebäude ringsum den Hafen, die verstreuten Siedlungen entlang der Küste. Greyfriars war von hier aus nicht zu erkennen – es thronte oberhalb des südöstlichen Zipfels der Insel. Aber ich wusste, es existierte noch, überblickte Fleet Rock mit seinem berühmten Leuchtturm. Ich wusste es aufgrund des Briefes in meiner Handtasche, der auf Briefpapier von Greyfriars geschrieben war, in altmodischer, gestochener Schrift, und der vorwürflich unterzeichnet war mitDeine Mutter. Kein Wort von Isobel, doch ich wusste, dass auch sie noch existierte. Greyfriars ohne Isobel, das ging doch gar nicht, oder?

Ohne zu überlegen, drehte ich mich zu dem Fischer um, der bei meinem Anblick, jetzt ohne Sonnenbrille, regelrecht in Schockstarre verfiel.

»Ein Unfall«, sagte ich und fasste an mein linkes Auge, das dick geschwollen und blutunterlaufen