KAPITEL
EINS
Sie zupft an ihrem Ärmel, und eine Wolke orangefarbener Flusen steigt von ihrem Pullover auf, die sie wie Zigarettenrauch umgibt. Ihre mit Sommersprossen überzogenen Wangen sind zart gerötet, und wenn sie lächelt, ist da plötzlich dieses kleine Grübchen. Es ist unmöglich, sich nicht in dieses Lächeln zu verlieben.
Allerdings habe ich es noch nicht allzu oft zu Gesicht bekommen, seit ich vor zwanzig Minuten das Restaurant betreten habe. Ich kann es an den Fingern einer Hand abzählen: Das erste Mal war, als sie an den Tisch trat, das zweite, als der Kellner ihr den Wein brachte, und das dritte, als sie mich in der Nachbarnische entdeckte und trotz meiner juckenden Perücke erkannte.
Ich spitze die Ohren und versuche, über das Gemurmel der anderen Gäste hinweg zumindest Teile ihres Gespräches mitzubekommen. Ich muss herausfinden, was hier schiefläuft. Warum sie ihrem Date mit teilnahmslosem Gesicht gegenübersitzt. Gerade so, als wäre sie lieber woanders. In dem Spiegel, den ich vor ein paar Stunden strategisch platziert habe, kann ich erkennen, wie er das Weinglas in seiner Hand schwenkt, auf der schwarze Härchen sprießen. Ich beobachte seine Körpersprache. Er hat sich nach vorne gelehnt, und ich höre immer wieder sein nervöses, kehliges Lachen. Doch sie lässt sich nicht davon anstecken.
Ein Aperol Spritz steht auf einmal vor mir auf dem Tisch, und die Eiswürfel schlagen klirrend aneinander, während Bobby zu mir in die Nische rutscht. Er riecht nach Knoblauch und Butter, allein sein Anblick lässt meinen Magen knurren.
»Ah, Amors liebste Helferin!«, dröhnt er, und ich lege mir eilig den Finger auf die Lippen, um ihn zum Schweigen zu bringen. Er wirft mir einen verlegenen Blick zu. »Tut mir leid«, flüstert er. »Ich vergesse immer wieder, dass du lieber im Verborgenen bleibst.« Er zupft an meiner Perücke, die weniger nach Uma Thurman inPulp Fiction als nachEdward mit den Scherenhänden aussieht. »Die waren auch schon mal besser«, murmelt er und schüttelt den Kopf.
»Was du nicht sagst«, erwidere ich und verstecke mich hinter einer Serviette, um unauffällig eine Hand unter das verdammte Ding zu schieben und mich zu kratzen.
»Also …« Er reibt sich die Hände. »Wen bespitzeln wir denn heute?«
Ich deute auf die Nische hinter uns.
»Ah, hübsch«, meint er über meine Klientin Elena.
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