Prolog
Vaal River, Kapkolonie, Südafrika
September 1871
Die Luft war schwer unter der Hitze des Tages, und die afrikanische Sonne kam ihr so unbarmherzig vor wie der Blick ihrer Mutter bei der ersten Begegnung mit dem Mann, den Louisa geheiratet hatte.
Louisa Knight wusste jetzt, dass der Tod sie im Visier hatte. Sie betrachtete es als persönlichen Triumph, dass weder Zorn noch Verzweiflung ihre Gedanken beherrschten, als ihr klar wurde, dass sie sich von diesem letzten Fieberanfall nicht mehr erholen würde. Das Fieber hatte so viele getötet, warum sollte gerade sie verschont bleiben?
Was Louisa jedoch empfand, als sie an ihr eigenes Ende dachte, war Trauer um alles, was sie zurücklassen musste. Es würde nicht lange dauern, denn sie wusste, dass ihr Körper nicht mehr lange durchhalten würde, auch wenn ihre Gedanken nach jedem Fieberanfall, bei dem ihre Zähne klapperten wie Würfel in einer Faust, wieder völlig klar waren.
Louisa würde ihren letzten Atemzug tun, und die beiden Menschen, die ihr am nächsten standen, würden nicht wissen, dass sie gegangen war. Irgendwie war es so leichter für sie. Sie wollte nicht mehr das Schuldgefühl in den Augen ihres Mannes sehen, und schon gar nicht die Angst in den Augen ihres Kindes. Stattdessen ließ sie all ihren Kummer vor sich antreten. Der gewichtigste starrte sie mit wehmütigem Lächeln an; sie wünschte so sehr, sie könnte erleben, wie ihre Tochter erwachsen wurde und all ihre vielversprechenden Anlagen entfaltete. Clementine hatte einen großen Wortschatz, ihre Instinkte – besonders ihre Empathie – waren bereits so ausgeprägt, und ihre Gedankengänge manchmal so komplex, dass Louisa sich um sie sorgte.Ich hoffe, meine Tochter erwartet mehr vom Leben, als nur eine pflichtbewusste Ehefrau zu werden, dachte sie.
Welche Ironie! Sie hatte sich nicht nur mit der Ehe als der einzigen Errungenschaft in ihrem Leben begnügt, sondern hatte auch noch den Zorn ihrer Familie auf sich gezogen, weil sie sich in jemanden verliebte, der weder über Bildung noch über Vermögen verfügte. Trotz ihrer spöttischen Gedanken kam kein Lächeln über ihre Lippen; sie hatte bereits die Kontrolle über ihren Körper verloren.Nur noch ein bisschen länger, flehte sie, damit sie ihre Gedanken vollends ordnen und dieses Leben angemessen aufgeräumt verlassen konnte.
Ja, sie hatte einen armen Mann geheiratet. Ihn zurücklassen zu müssen war ihr zweiter Kummer. In ihren sieben gemeinsamen Jahren hatte sie bei James nur Liebe erlebt. Ihre Leidenschaft füreinander hatte so hell gelodert wie Magnesiumflammen. Sie war so stark, dass sie beide wie geblendet waren und alles um sie herum in Dunkelheit versank.
Sie hatte ihn instinktiv gewählt und von Anfang an gewusst, dass sie irgendwann dafür würde bezahlen müssen. Und tatsächlich musste sie die Schuld früher begleichen, als sie gedacht hatte. Wie schade. Aber wenn sie auf ihre siebenundzwanzig Jahre zurückblickte, war sie nie ohne Liebe gewesen. Ihre Eltern überschütteten sie mit Zuneigung, ihr Halbbruder vergötterte sie – und sie ihn –, und dann James, ihre Liebe – nun, er betete sie einfach nur an. Oberflächlich betrachtet passten sie nicht gut zusammen – das konnte sie kaum leugnen –, aber in Wahrheit waren sie das perfekte Paar, süchtig nacheinander.
Armer, geliebter James. Sein grenzenloses Verlangen, ihrer Familie zu beweisen, dass Armut nicht sein Leben bestimmen sollte, war maßgeblich fü