20. Oktober 2000
FLUSSAUFWÄRTS
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Molly nahm eine schwarze Seidentasche mit, die sie sich über den Kopf ziehen konnte, denn sie wollte so lange nichts sehen, bis sie zurück nach Galesburg kam.
Der Stoff war weich und schön, aber zugleich dicht und dunkel, wodurch er sie besser abschirmen würde als der Leinensack oder der weiße Kissenbezug, die sie in Erwägung gezogen hatte. Und er würde sich angenehmer anfühlen als der schwarze Müllsack.
Sie legte die Seidentasche zu den Spulen mit starker Hochseeangelschnur und den langen Edelstahlhaken in ihrer Handtasche. Die Eisenketten und das Vorhängeschloss hatte sie bereits auf dem Felsvorsprung über dem See versteckt.
Obwohl sich ihr Puls beim Anblick der Haken beschleunigte, klappte sie, ohne zu zögern, die Handtasche zu. Sie war eine Stoikerin, und das machte sie stolz.Unerschütterlich hatte ihr Vater sie als Mädchen genannt, und darauf war sie ebenfalls stolz gewesen. Zu jener Zeit hatten immer mehr Familien das Dorf verlassen, während ihr Vater jede Nacht mit der Schrotflinte im Schoß auf seinem Stuhl auf der Veranda saß und auf Plünderer wartete. Er war wachsam, aber nicht wütend auf sie. Er beharrte darauf, dass die echten Plünderer vom Staat kämen und der Damm am Cresap Creek der wahre Diebstahl sei. Der ganze Rest, sagte er, sei durch dieses erste Verbrechen ausgelöst worden. Was erwartete man denn, wenn man einen Ort enteignete? Die Sünde würde wie das Wasser bergab fließen, und Gesetzlosigkeit und Anarchie würden herrschen, sobald die Einweihungszeremonie vorbei war.
Sie wusste nicht, ob er in diesen Nächten überhaupt schlief. Morgens, wenn er Molly zur Schule brachte, behielt er sein Gewehr in der Hand. Sie kamen immer an dem uralten Holzgebäude vorbei, in dem er selbst unterrichtet worden war, und er nickte dann in die Richtung oder zeigte mit dem Lauf der Kaliber .12 darauf und erzählte ihr, wie viel besser es damals gewesen sei. Weniger Gier, sagte er immer. Weniger Gier und mehr Prinzipien. Damals. Galesburg war nicht nur ein Dorf, sondern eine Gemeinschaft.
Dann brachte er sie die Betonstufen vor dem neuen, aber schon dem Untergang geweihten Schulhaus aus Backsteinen hinauf, sah zu, wie sie die Tür öffnete, lächelte und winkte, während er die Schrotflinte in der anderen Hand hielt.
Sie erwiderte sein Lächeln, ohne sich ihre Angst anmerken zu lassen, selbst an den letzten Tagen, als sie die einzige Schülerin war und allein an ihrem Pult in dem zweigeschossigen Gebäude mit all seinen seltsamen Geräuschen saß. Oder, noch seltsamer, seiner völligen Stille.
Sie war Molly Mathers, und sie war unerschütterlich. S