2. Kapitel
Jennifer
Jennifer schloss die gelbe Tür auf, und da draußen strahlender Sonnenschein herrschte und kein Regenwölkchen in Sicht war, beschloss sie, dass sie die Faltsegmente bis an die gegenüberliegende Wand zurückschieben würde. Im Zuge der Renovierung dieser Nebengebäude – einst hatte eine Reihe von vier ungenutzten Garagen den Parkplatz hinter der Ladenzeile mit der Bücherei gesäumt – waren rundherum große Fenster eingebaut worden, durch die nun das Sonnenlicht hereinfiel.
Mit Verve hatte Jennifer sich in das Projekt gestürzt, in Cloverdale eine Verleihbörse zu etablieren. Nach dem Unheil, das sie vor acht Jahren über ihre Familie gebracht hatte, war sie ohne großes Aufheben wieder in die Rolle der Hausfrau und Mutter dreier Kinder zurückgekehrt. Doch in letzter Zeit hatte sie sich immer stärker nach einer Aufgabe mit Perspektive gesehnt, und als sie vergangenes Jahr bei einer Freundin in Crystal Palace gewesen war, hatte sie eine gefunden. Ihre Freundin hatte Wein auf den Teppich verschüttet und Jennifer unverständlicherweise eine Straße weiter in eine Bücherei geschleift, und dort war Jennifer zum ersten Mal dem Konzept der Verleihbörse begegnet. Rebecca, die Gründerin, hatte gerade eine Präsentation für Interessierte beendet, die die Idee in ihren eigenen Gemeinden umsetzen wollten, und während ihre Freundin sich einen Teppichreiniger auslieh, meldete Jennifer sich für die nächste Präsentation an.
Als sie wenig später die Bücherei verließen, war Jennifer nicht nur von einem weiteren Glas Wein etwas angeheitert, sondern auch wie elektrisiert von der Idee, etwas Ähnliches in Cloverdale einzurichten. Zwei Wochen später besaß sie weitere Informationen und war wild entschlossen, dieses Projekt zu realisieren. Denn der vielgepriesene Gemeinschaftssinn Cloverdales, von dem ihre Mutter immer geschwärmt hatte, musste dringend wiederbelebt werden. Irgendwie war er dem Ort in der Hektik des modernen Lebens abhandengekommen, und Jennifer sehnte sich danach, ihn wieder zurückzuholen. Sie liebte das Dorf mit dem vielen Grün, dem Ententeich, der von einem weißen Lattenzaun umgeben war, dem Pub im Fachwerkhaus und den hübschen alten Häuschen in allen Größen und Farben. Es gab eine kleine Bäckerei, ein Postamt, dessen Verschwinden sehr traurig gewesen wäre, und einen Spielplatz auf der Wiese. Und es war ihr Zuhause.
Nach einem zweiten Treffen mit Rebecca hatte Jennifer die Besitzer der Buddleia-Farm angesprochen – einem wunderschönen Anwesen mit einem ummauerten Garten, einem Springbrunnen, üppigem Baumbestand und einem See, der von Eichen umgeben war. Der Hof wurde seit Generationen von einer Familie bewirtschaftet, deren Angehörige als großzügige Philanthropen bekannt waren und verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen unterstützten. Jennifer hatte ihre Chance gesehen, sie ins Boot geholt, mit dem Stadtrat Verbindung aufgenommen, und dann hatte sie loslegen können.
Und nun würde der Glücksverleih, wie sie ihn getauft hatten, hinter den gelben Türen endlich Realität werden, auf dass die Bürger Cloverdales sich bei der feierlichen Eröffnung unter freiem Himmel selbst ein Bild machen konnten, was diese neue Einrichtung zu bieten hatte.
Die unterschiedlichsten Gegenstände befanden sich in den Regalen an der Wand – vom Rasenmäher und Heckentrimmer bis zu einem Tapetenablöser und einer Nagelpistole. Die meisten Sachen waren brandneu; viele Händler hatten ihr satte Rabatte gewährt oder ihr die Stücke