: Stefan Berkholz
: Das ganze Ding ist ein Risiko Robert Habeck - eine Nahaufnahme
: Karl Blessing Verlag
: 9783641265144
: 1
: CHF 9.90
:
: Biographien, Autobiographien
: German
: 464
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Robert Habeck gehört zu den interessantesten Stimmen der bundesdeutschen Politik. 2019 kürt das ZDF-Politbarometer ihn zum beliebtesten Politiker, nach der Bundestagswahl 2021 steht fest, dass der Quereinstieger aus Schleswig-Holstein in den kommenden Jahren zum engsten Kreis der Entscheidungsträger*innen in der Berliner Republik zählen wird.

Wie sich dieser Aufstieg erklärt, beleuchtet der Journalist Stefan Berkholz, der Robert Habeck lang begleitet und genau beobachtet hat. Wo kommt Habeck her, was hat ihn geprägt? Ob sich die Inhalte und die Ernsthaftigkeit, die er immer wieder einfordert, in unserer Ablenkungsgegenwart überhaupt transportieren lassen? Und ob wir Aufrichtigkeit in der Politik auch dann noch ertragen, wenn sie unseren Wohlstand infrage stellt? Auch davon handelt dieses facettenreiche Buch.

  • Realpolitiker, Teamplayer, Philosoph, Provokateur - das faszinierende Porträt des Shooting-Stars der deutschen Politik.
  • Aus Gesprächen mit Robert Habeck, mit Weggefährten und politischen Gegnern, aber auch mit Rhetorikexperten und Psychologen entstand diese facettenreiche Nahaufnahme
  • Woher kommt Robert Habeck? Was hat ihn geprägt? Wer sind seine Vorbilder, wie seine Ansichten vom Menschen, woran glaubt er?


Stefan Berkholz wurde 1955 geboren und schrieb Beiträge fürDie Zeitund denTagesspiegel, Rezensionen für den ARD-Hörfunk und Hörfunkfeatures. Er veröffentlichte unter anderem »Carl von Ossietzky. 227 Tage im Gefängnis. Briefe, Dokumente, Texte« (Hg.). Der Autor lebt in Berlin.

»Das ganze Ding ist ein Risiko«

Der Waghalsige

»Es gibt, bei mir jedenfalls, eine große Bereitschaft, es zu riskieren, es drauf ankommen zu lassen«, sagt Habeck im Gespräch. Und er meint damit auch sein Engagement in der Politik.9

Ist er also ein Spieler? Einer, der blufft? Eine Risikonatur? Wie Yanis Varoufakis etwa, der kurzzeitige Finanzminister Griechenlands, der – angeblich – Vertreter der Spieltheorie ist? Nein, sagt Habeck, mit Spielerei habe das bei ihm nichts zu tun. Er sei keine Spielernatur, »im Sinne von Leichtigkeit«. Er halte sich eher an seine Erfahrung, »dass die Dinge dann gelingen können, wenn man voll auf sie setzt«. Also nicht einen alternativen Plan in der Hinterhand haben, einen Plan B als Ausweichmöglichkeit; sondern Plan A fassen, formulieren, strukturieren und diesen dann mit allen Konsequenzen durchziehen.

Was aber ist sein Plan? Hat er ein festes Ziel im Blick? Ist es sein oberstes Ziel, Bundesminister zu werden oder gar Kanzler? Aus seinen Äußerungen lassen sich bis Ende 2020 keine festen Absichten ablesen. Konkrete Fragen wiegelt er immer wieder ab.

Habecks Lebensstil ist sein Understatement. Hinter seiner Höflichkeit und Rücksichtnahme in der Öffentlichkeit, hinter seinem Herunterspielen, was die eigenen Bestrebungen anbelangt, brennt ein starker Wille, eine Kraft, die Einfluss nehmen will, anpacken, verändern, umkrempeln – oder »gestalten«, wie es bei Politikern häufig heißt. Ein Geist, der die Welt am liebsten aus den Angeln heben, eine gezähmte Ungeduld, die an den Schalthebeln dieser Republik rühren möchte.

In seiner politischen Autobiografie von 2016 spielt er seine Karriere herunter: »Mein Weg durch die Politik war eine wilde Mischung aus Zufall (…) und der Bereitschaft, sich auf neue Anforderungen einzulassen. Das Einzige, was gleich geblieben ist, ist das Suchen, die Suche nach Sinn und die Hoffnung, dass es ihn gibt und es einen Unterschied ausmacht, ob ich mich an der Suche beteilige.«10

Im Titel seiner politischen Autobiografie,Wer wagt, beginnt, klingt dieses Flirten mit dem Risiko bereits an. Im Vorwort heißt es: »Kein Eiferertum, aber Mut und Leidenschaft sind Tugenden – und sie werden jetzt gebraucht: Auszubrechen aus dem taktischen Korsett, offen und mit Risiko die politische Auseinandersetzung suchen und nicht aus Angst vor Niederlagen gar nichts mehr riskieren – das ist das, was jetzt ansteht. Wer wagt, muss jetzt beginnen.«11

Vorbild für ihn seien immer jene Menschen gewesen, die »eine gewisse Grundsätzlichkeit« hatten. Als Schriftsteller beispielsweise Albert Camus. Der habe seinen Literaturnobelpreis zurückgegeben, habe mit anderen Existenzialisten gebrochen, etwa mit Jean-Paul Sartre, weil er die ideologischen Positionen, die Verengungen und Verhärtungen nicht hinnehmen wollte. Das hat eine »hohe Konsequenz«, meint Habeck, »wenn man sagt: Ich geh meinen Weg. Ich will den erfolgreich durchführen, aber es bleibt mein Weg. Das fand ich immer besonders beeindruckend.«12

Ein Vorbild als Politiker ist auch Václav Havel, der tschechoslowakische Dissident, der für seine Überzeugungen mehrmals verhaftet wurde, ins Gefängnis ging und insgesamt rund fünf Jahre hinter Gitter