: Marnie Riches
: Dein letzter Atemzug Thriller
: Heyne Verlag
: 9783641257897
: 1
: CHF 3.60
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 448
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Bev ist am absoluten Tiefpunkt angekommen: Nach einer schmutzigen Scheidung hat sie ihren Job, all ihren Besitz und ihren guten Ruf verloren. Doch sie will kämpfen. Also zieht sie in die feuchte Kellerwohnung von ihrer besten Freundin Sophie und deren Mann und macht sich als Privatdetektivin selbständig.

Als Bev den Fall von Sophies Freundin Angela übernehmen soll, die von ihrem Mann brutal misshandelt wird, zögert sie zunächst. Schließlich ist Angelas Ehemann Jerry Fitzwilliam ein mächtiger Politiker. Um seine perfiden Machenschaften zu entlarven, muss sie sich auf ein gefährliches Spiel einlassen. Doch jemand kennt ihre Schwächen und will sie ausschalten. Wird ihre dunkle Vergangenheit sie einholen, bevor sie Angela helfen und sich selbst retten kann?

Marnie Riches wuchs auf einem Landsitz im Norden von Manchester in der Nähe eines Gefängnisses auf. An der University of Cambridge studierte sie Germanistik und Niederlandistik. Bevor sie das Schreiben für sich entdeckte, war Marnie Riches ein Punk, ein angehender Rockstar, eine verkappte Künstlerin und professionelle Spendensammlerin. Wenn sie nicht gerade einen ihrer preisgekrönten düsteren Thriller schreibt, kommentiert sie im Radio für die BBC Social-Media-Trends und spricht über die Welt der Kriminalliteratur.Dein letzter Atemzugist ihr erster Thriller bei Heyne.

KAPITEL 1

Bev


»Zur Hölle mit Doctor Mo und seinem dämlichen Gruppentherapiegewäsch«, sagte sie und genoss den Anblick des Objekts ihrer Begierde. Endorphine schossen durch ihr Blut. Der Rausch einer Eroberung war immer eine Droge, die ihr schlechtes Gewissen betäubte, das ihr beharrlich zu verstehen gab, dass sie dabei war, ihren Schnellzug zurück in eine lebenswerte Zukunft zum Entgleisen zu bringen. Sie sah kurz auf die mit edwardianischen Reihenhäusern gesäumte Straße und fuhr über eine Bodenschwelle, sodass der Wagen schwankte und ihre Zähne aufeinanderschlugen. Okay, vielleicht war sie etwas zu schnell unterwegs. Ihr Blick wanderte zurück zu ihrer Beute. »O Mama. Ich kann es kaumerwarten, dich zu Hause auszupack …«

Als das Allradfahrzeug in sie hineinkrachte, schlingerte Beverley Saunders’ kleinerVW Polo so weit nach rechts, dass er den Audi, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite parkte, nur um wenige Zentimeter verfehlte. Ihr Airbag öffnete sich.

»Herrgof pft.« Ein erstickter Aufschrei war alles, was sie herausbringen konnte, ehe das Aufprallkissen wieder in sich zusammenfiel. Ihre zitternden Hände umklammerten das Lenkrad derart fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Fassungslos starrte sie den Airbag an, der mittlerweile wie ein übergroßes gebrauchtes Kondom aussah. »Welcher Volltrottel …?«

Adrenalin rauschte durch ihren Körper. Sie zog die Handbremse an, schaltete das Warnblinklicht ein und stieg aus dem Wagen. Aus einem Range Rover blickte eine Frau auf sie herab. Mit offenem Mund starrte sie auf Bev, als könnte sie nicht so recht glauben, was gerade geschehen war.

Bev begutachtete den Schaden, den ihr geliebter kleinerVW durch die unnachgiebige Masse des aufgemotzten Hausfrauenschlittens in dieser überteuerten Ecke von Cheshire davongetragen hatte. Wütend marschierte sie zur Fahrerseite des Allradfahrzeugs und erwartete, auf eine abgehalfterte, in Seifenopern spielende Schauspielerin oder auf die Frau eines Fußballers zu treffen.

»Steigen Sie aus Ihrer verdammten Karre aus!«, schrie Bev.

Die Hand der Fahrerin schnellte zum Mund, doch sie rührte sich sonst nicht.

Sie schien kein Promi zu sein, aber Bev kannte den Typ Frau sehr gut. Hoch angesetzter blonder Pferdeschwanz. Perlenohrringe. Eine teuer aussehende Pelzweste, die die spindeldürren Arme der Trägerin zur Geltung brachte, und ein grässlicher braungrauer Seidenschal, der perfekt mit den Farben harmonierte, in denen die Türen und Fensterrahmen der umliegenden Häuser gestrichen waren. An den knochigen Fingern steckten Ringe mit fetten Steinen, die den Haushalt eines Entwicklungslands hätten finanzieren können. So viel konnte Bev durch die Scheibe erkennen.

»Ich rede mit Ihnen, Sie blöde Kuh!«

Bev betrachtete die eingedrückte Fahrerseite ihres Autos und bemerkte, dass der Reifen in einem Winkel nach innen zeigte, der nichts Gutes verhieß. Ihr schlechtes Gewissen meldete sich, denn dieser karmische Unfall schien die Bestrafung dafür zu sein, dass sie schwach geworden war. Trotzdem entschuldigte dies nicht das Verhalten dieser dummen Ziege. Bev klopfte auf die Motorhaube des Range Rovers.

»Sie haben meinen Wagen zu Schrott gefahren!«

Zu beiden Seiten der Straße wurden Fensterläden aufgerissen. Pu