: Frank Herbert
: Die Ordensburg des Wüstenplaneten Roman
: Heyne Verlag
: 9783641259952
: Der Wüstenplanet - neu übersetzt
: 1
: CHF 11.70
:
: Science Fiction
: German
: 576
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Arrakis, der Wüstenplanet, wurde zerstört. Das, was vom alten Imperium noch übrig war, wurde von den Geehrten Müttern vernichtet. Ihrem endgültigen Sieg über die Galaxis steht nur noch eine Kraft im Weg: Die Schwesternschaft der Bene Gesserit, die einst hinter den Kulissen die genetischen Verflechtungen der Herrscherhäuser kontrolliert hat. Darwi Odrade, die Anführerin der Bene Gesserit, will einen neuen Planten zum Wüstenplaneten machen, um dort Sandwürmer anzusiedeln und Gewürz zu ernten. Gleichzeitig schmiedet sie einen Plan, um ihre Gegnerinnen auszuschalten. Dazu braucht sie die Hilfe eines Mannes – eines außergewöhnlichen Kämpfers, der schon Gottkaiser Paul Muad’Dib gedient hat …

Frank Herbert (1920-1986) wurde in Tacoma, Washington, geboren. Nach einem Journalismus-Studium arbeitete er unter anderem als Kameramann, Radiomoderator, Dozent und Austerntaucher, bevor 1955 sein Debütroman »The Dragon in the Sea« zur Fortsetzung in einem Science-Fiction-Magazin veröffentlicht wurde. Der Durchbruch als Schriftsteller gelang ihm schließlich Mitte der 1960er-Jahre mit seinem Roman »Der Wüstenplanet«, der sowohl mit dem Hugo Award als auch mit dem Nebula Award ausgezeichnet wurde. Bis heute gilt »Der Wüstenplanet« zusammen mit den Nachfolgeromanen als einzigartige literarische Weltenschöpfung, die jede Generation von Leserinnen und Lesern neu für sich entdeckt.

Wer die Vergangenheit wiederholen will, muss die Kontrolle darüber haben, was als Geschichte gelehrt wird.

– Bene-Gesserit-Coda

Als das Ghola-Baby aus dem ersten Axolotl-Tank der Bene Gesserit geholt wurde, berief die Mutter Oberin Darwi Odrade eine stille Feier in ihrem privaten Speisezimmer hoch oben in Central ein. Der Tag hatte noch gar nicht richtig begonnen, und die beiden anderen Mitglieder des Rats – Tamalane und Bellonda – zeigten sich ungehalten über ihre Einbestellung, obwohl Odrade das Frühstück von ihrem persönlichen Koch zubereiten ließ.

»Nicht jede Frau hat die Möglichkeit, der Geburt ihres eigenen Vaters beizuwohnen«, scherzte Odrade, als sich die beiden anderen beschwerten, dass sie für eine derlei »alberne Zeitverschwendung« zu viel zu tun hätten.

Nur die alte Tamalane zeigte eine leise Belustigung, während Bellondas fleischiges Gesicht ausdruckslos blieb, was bei ihr oft Verärgerung bedeutete. War es möglich, überlegte Odrade, dass sich Bell ihrer Ablehnung der relativen Opulenz, mit der sich die Mutter Oberin umgab, noch nicht entledigt hatte? Odrades Räume kündeten deutlich von ihrer Position, doch das verwies eher auf ihre Pflichten als darauf, dass sie innerhalb der Schwesternschaft eine herausgehobene Stellung einnahm. Das kleine Speisezimmer erlaubte es ihr, sich während der Mahlzeiten mit ihren Beraterinnen zu treffen.

Bellonda sah sich ungeduldig um, offenbar wollte sie so schnell wie möglich wieder weg. Es war schon viel Mühe auf den erfolglosen Versuch verschwendet worden, ihre harte, abweisende Schale zu durchdringen.

»Es fühlte sich wirklich seltsam an, dieses Baby in den Armen zu halten und zu denken: Das ist mein Vater«, sagte Odrade.

»Ich habe es ja verstanden!« Bellondas Stimme kam tief aus ihrem Bauch, ein Bariton-Rumpeln, das sich anhörte, als würde ihr jedes einzelne Wort Verdauungsbeschwerden bereiten.

Tatsächlich verstand sie Odrades trockenen Witz durchaus. Der alte Baschar Miles Tegwar der Vater der Mutter Oberin gewesen. Und Odrade hatte Zellen von ihm (etwa abgeschnittene Fingernägel) gesammelt, um diesen Ghola zu züchten – als Teil eines »Möglichkeitsplans«, sollte es ihnen jemals gelingen, die Tleilaxu-Tanks nachzubauen. Aber Bellonda würde sich eher mit Pauken und Trompeten davonjagen lassen, als Odrade darin zuzustimmen, dass etwas Derartiges für die Schwesternschaft überlebenswichtig war.

»Ich empfinde das zu diesem Zeitpunkt als frivol«, sagte Bellonda. »Diese besessenen Frauen sind hinter uns her, um uns zu vernichten, und du willst feiern!«

Mit einiger Mühe wahrte Odrade einen milden Tonfall. »Wenn die Geehrten Matres uns finden, bevor wir bereit sind, dann womöglich auch deshalb, weil es uns nicht gelungen ist, unsere Moral aufrechtzuerhalten.«

In Bellondas Schweigen und ihrem starren Blick lag eine düstere Anklage:DieseFrauen<