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Er war ein attraktiver Mann. Einen hübschen Jungen hatte seine Mutter ihn immer genannt, denn sie hatte schon angefangen, ihn für sein Aussehen zu loben, als er fünf war. Davor hatte er die üblichen Kinderkomplimente bekommen: »Niedliches Baby.« und »Ist er nicht süß?« Sein Vater war nie da. Mit vierzehn ging er dann von der Schule ab – was damals noch möglich war – und arbeitete in einer Gärtnerei, einem Schlachthof und schließlich in einer Kosmetikfabrik. Die Tochter des Chefs verliebte sich in ihn. Da er damals schon zwanzig war, heirateten sie. Anitas Vater drohte zunächst, ihr das Erbe ihrer Großmutter vorzuenthalten, war jedoch schließlich zu weichherzig dafür. Die Summe war zwar nicht hoch, reichte aber, um ein Haus auf dem Hill in Loughton zu kaufen, etwa zwanzig Kilometer von London entfernt und beinahe ländlich. Woody, wie seine Mutter und seine Frau ihn nannten, weil ihm jemand in der Schule einmal diesen Spitznamen verpasst hatte, war arbeitsscheu und beschloss, für den Rest seines Lebens die Finger von jeglicher Berufstätigkeit zu lassen. Es war ja genug Geld da. Ob es bis an sein Lebensende genügen würde, wusste er nicht. Schließlich war er erst dreiundzwanzig.
Damals führte um die Ehe kein Weg herum. Da biss die Maus keinen Faden ab. Einfach zusammenzuwohnen kam beinahe einer Straftat gleich. Einige Jahre lang waren sie mehr oder weniger glücklich. Seine Mutter starb, und sie erbten auch ihr Haus und einen kleinen Geldbetrag. Als Nächstes starb ihr Vater. In den Dreißigerjahren wurden die Leute noch nicht so alt. Da sie Einzelkind war, trat sie das elterliche Erbe an, und sie erhielt erheblich mehr, als Woody bekommen hatte. Weil er nicht arbeitete, war Woody immer zu Hause. Er empfand es als seine Pflicht, ein Auge auf seine Frau zu haben. Ständig fuhr sie nach London, um Kleider zu kaufen, und ging dauernd zum Friseur. Außerdem verschwand sie übers Wochenende, wie sie sagte, um ihre ehemaligen Mitschülerinnen zu besuchen, die inzwischen verheiratet waren. Woody war nicht eingeladen.
Eine Frau erledigte das Putzen. Woody war der Ansicht, dass seine Gattin das hätte übernehmen können, und sagte das auch. Doch er war machtlos dagegen. Sie bezahlte. Sie kümmerte sich nicht einmal um das Kind und nahm es, soweit er feststellen konnte, kaum zur Kenntnis. Irgendwo hatte er gelesen, das Parlament habe vor sechzig oder siebzig Jahren ein Gesetz erlassen, das es verheirateten Frauen gestattete, selbst über ihr Geld zu verfügen. Davor hatten sie es ihren Ehemännern aushändigen müssen. Er hasste dieses Gesetz. Als die Männer noch alles Geld besessen hatten, musste die Welt ein Paradies gewesen sein.
Als der Krieg ausbrach, war er dreißig. Die schreckliche Möglichkeit, eingezogen zu werden, hing wie ein Damoklesschwert über ihm. Doch er hatte Glück. Dem Arzt erzählte er, er brauche eine Bestätigung, dass er kerngesund sei, damit er sich melden könne, und zwar zur Marine. Wie immer ging es ihm gut, ihm fehlte nichts – sehr bedauerlich. Aber der Arzt stellte ein Geräusch im Herzen fest, offenbar Folge der Lungenentzündung, die er als Kind durchlitten hatte. Woody erinnerte sich an diese Lungenentzündung, und zwar hauptsächlich wegen der Todesangst seiner Mutter. Doch er war zu überglücklich und erleichtert, um sich große Sorgen um sein Herz zu machen. Dem Arzt spielte er Bestürzung vor und meinte bedauernd, er fühle sich ausgezeichnet und würde sicherlich hundert werden.
Im Haus wimmelte es ständig von Freunden seiner Frau. Einer trug Uniform. Er sah zwar nicht so gut aus wie Woody, aber die Uniform wirkte zweifellos äußerst anzieh