: Alison Hammer
: DU und ICH und WIR Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641261870
: 1
: CHF 2.70
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: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 496
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine Familie, ein letzter gemeinsamer Sommer und ein hoffnungsvoller Neuanfang …

Alexis Gold ist beruflich erfolgreich, Mutter der pubertierenden Cece und glücklich wie am ersten Tag mit ihrer großen Liebe Tommy. Während Cece ihren Vater vergöttert, ist das Verhältnis zu ihrer Mutter angespannt. Als Tommy an Krebs erkrankt, bricht für die Familie eine Welt zusammen. Ihm bleiben nur noch wenige Monate, und Alexis erkennt, was all die Jahre zu kurz gekommen ist. Also ändert sie ihre Prioritäten, von jetzt an geht es nur um sie drei, um ihre Familie. Sie beschließen, einen letzten gemeinsamen Sommer in Florida im Strandhaus von Alexis' Großmutter zu verbringen. Dort haben Tommy und sie schon ihre Kindheit verbracht. Was folgt ist eine Zeit voller Emotionen: Trauer, Angst, Freude, Liebe und Glück. Doch je schlechter es Tommy geht, um so unnahbarer wird Cece. Und das einzige, was für Alexis noch schwerer ist, als Tommy zu verlieren, ist es, Cece davon zu überzeugen, ihr als Mutter eine zweite Chance zu geben.

Alison Hammer hat die Gruppe der Every Damn Day Writers gegründet, in der sich Autorinnen gegenseitig unterstützen und untereinander austauschen können. Sie selbst erfindet schon Geschichten, seit sie sprechen kann. Alison ist Absolventin der University of Florida und der Creative Circus Hochschule in Atlanta. Zurzeit lebt sie in Chicago und arbeitet als Vice President Creative Director bei einer Werbeagentur. »DU und ICH und WIR« ist ihr Debütroman.

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Alexis


Als ich endlich von meinem Computer aufblicke, ist es draußen dunkel – so viel dazu, dass ich früher nach Hause kommen wollte. Ich schaue auf mein Telefon, nur um kurz zu sehen, wie spät es geworden ist: 11:10. Also kann ich die Datei in meiner Glücksminute schließen, in der ich mir etwas wünsche, seit ich alt genug bin, um die Uhr zu lesen. Ich warte darauf und starre, ohne zu blinzeln, auf den Bildschirm, bis die Zeit auf 11:11 umspringt.

Obwohl es albern ist, einen Wunsch für etwas zu vergeuden, das ich jeden Abend tun kann, wünsche ich mir, ich sei zu Hause und mit Tommy im Bett und säße nicht auf diesem ergonomischen Stuhl, eigens dazu gedacht, es mir bequem zu machen, damit ich vergesse, dass ich vierzehn Stunden pro Tag am Schreibtisch verbringe. Ich liebe meinen Beruf, halte ich mir vor Augen.

Mein Blick fällt auf Tommys lächelndes Gesicht im Silberrahmen auf meinem zugestapelten Schreibtisch. Er hat bei der Abschlussfeier unserer Tochter für die achte Klasse in diesem Sommer die Arme um sie gelegt. Ich betrachte CeCes Gesicht, eine jüngere Version meines eigenen, zum Teil verdeckt von der dicken schwarzen Brille, von der sie beteuert, dass sie absolut »angesagt« ist. Dank einer Präsentation, die länger gedauert hat, habe ich um ein paar Minuten verpasst, wie sie mit Robe und Kappe über die Bühne schritt. Wenigstens war ich rechtzeitig da, um das Foto zu machen.

Mit einem »Pling« geht eine E-Mail ein, und ich wende mich wie der pawlowsche Hund wieder meinem Computer zu. Noch eine Meldung von Google, die in demselben Tempo zunehmen wie Monicas Ruhm. Leider hat der im letzten Jahr an Fahrt zugelegt.

Ein Google-Alert für Tommys Ex-Frau einzurichten war nicht unbedingt ein Geniestreich, doch ich konnte es nicht ertragen, dass sie irgendwo da draußen ist, ohne zu wissen, was sie im Schilde führt. CeCe ist besessen vom Schauspielerberuf. Deshalb grenzt es an ein kleines Wunder, dass sie noch nicht dahintergekommen ist: Sie trägt nämlich zufällig denselben Namen wie diese zweitklassige Darstellerin.

Die Information ist verfügbar, wenn sie sie googeln würde. Oder nachfragen. Aber CeCe würde sich nicht im Traum danach erkundigen, ob einer von uns beiden schon einmal verheiratet war. Gespräche über die Ehe drehen sich bei uns einzig und allein um das Thema, warum ihr Dad und ich niemals die Worte »ich will« gesagt haben.

Ich bin diejenige, die sich all die Jahre lang gesträubt hat. Wenn es nach Tommy ginge, wären wir heute ein altes Ehepaar. Allerdings ist er nicht in einer Familie aufgewachsen wie meiner, mit Eltern, die nur auf dem Papier verheiratet waren. Zwischen ihnen gab es weder Liebe noch eine Beziehung, die ich mir für meine eigene zum Beispiel nehmen wollte.

Ich betrachte die Mail und überlege, ob ich sie ungelesen löschen soll, doch die Neugier siegt. In letzter Zeit geht es in den Alerts um Auftritte in der Gegend von L. A. und Bilder von Monica am Arm Dutzender verschiedener prominenter Singles. Ich hoffe, dass ihr einer davon erhalten bleibt, damit sie einen anderen Namen annehmen kann, aber bis jetzt Fehlanzeige. Ich öffne die Mail, um zu sehen, was zum Teufel jetzt schon wieder los ist.

The Seasiders auf Netflix jetzt mit Monica Whistler.

»Das soll wohl ein Witz sein«, rutscht es mir heraus.