HEUTE
Kapitel eins
Meine Klienten sitzen mir auf dem Sofa gegenüber. Ihre Arme sind vor ihrer Brust verschränkt; der Mann neigt sich vor, die Hände zwischen den breit gespreizten Beinen gefaltet. In den Spalt zwischen diesem Paar würde ich locker passen, und mit jeder unserer Sitzungen bewegen sie sich weiter auseinander.
Ihre Gesichtszüge sind so angespannt, dass ich beinahe den Puls am Hals der Frau sehe, wenn sie mich anstarrt. Mich wundert, dass sie heute noch nicht geweint hat – das hat sie bisher immer getan. Ihr Mann sieht oft zu ihr hin, sie indes nie zu ihm. Jedes Mal, wenn er sie anschaut, zucken seine Augenbrauen, als würde er sich fragen, warum alles so schiefging und was er tun könnte.
»Ich weiß wirklich nicht, was ich noch sagen soll«, murmelt er, und sie lacht geringschätzig, bevor sie irgendwas so leise von sich gibt, dass ich sie nicht verstehe. »Es tut mir leid«, fügt er hinzu.
»O Gott!«, ruft sie aus und sieht zur Decke. Es ist offensichtlich, dass sie ihre Tränen um jeden Preis zurückhalten will.
Ich hasse diesen Moment der Sitzungen, und es ist bereits nach sechs. Tanya wird warten, dass ich gehe, damit sie zuschließen kann. Zuständig für den Empfang, ist sie regelmäßig die Letzte, die aus der Tür geht.
»Ich fürchte …«, beginne ich, aber meine Klientin unterbricht mich, indem sie von der Couch aufsteht und nach der Strickjacke greift, die schlaff über ihrem Arm hängt.
»Ich weiß, unsere Zeit ist um«, sagt sie.
»Tut mir leid.« Ich würde beide ja mit in den Pub nehmen und weiterreden lassen, wäre das nicht total unprofessionell. Deshalb schiebe ich noch eine Frage nach: »Bevor Sie gehen, wollten Sie noch irgendwas anderes erwähnen?«
»Ich denke, er hat heute genug gesagt, meinen Sie nicht?«
Ihr Mann nagt an seinem Mundwinkel und sieht nicht auf, als er sich erhebt und nach seinem Jackett greift.
»Wünschen Sie sich jemals, gar nicht erst danach gefragt zu haben?«, sagt seine Frau leise, als sie mir nach draußen folgt.
»Tun Sie es?«, erwidere ich.
Sie bewegt den Kopf kaum, sodass ich nicht erkenne, ob es ein Nicken ist. »Das kann ich wohl kaum mehr sagen, oder?«
Ich schüttle den Kopf. Nein, sie muss mit der Tatsache leben, dass ihr Mann mit einer anderen geschlafen hat. Gerne hätte ich ihr gesagt, dass sie mal allein zu mir kommen soll, aber sie unterhält sich gerade mit Tanya und macht einen Termin für die nächste Woche aus.
Sobald sie weg sind, schließe ich mein Zimmer ab und gehe hinüber zum Empfang, wo Tanya ihre Brille mit den dicken Gläsern höher auf ihren Nasenrücken schiebt und wild auf ihre Tastatur einhackt. Sie sieht nicht mal auf, bis ich mich fast über sie beuge. »Ich gehe dann mal«, sage ich. »Tut mir leid, dass es wieder ein bisschen länger gedauert hat.«
Das Telefon klingelt, und sie sieht erst nach der Anruferkennung, bevor sie abnimmt. »Praxis von Stella Harvey.«
Nach wie vor beschert es mir ein wohliges Kribbeln, das