2.
Ein Doppelzimmer, sagen Sie? Für welchen Zeitraum bitte? Ah, ich verstehe. Es tut mir leid, aber da sind wir ausgebucht. Lassen Sie mal sehen … nächste Woche wäre es eventuell möglich … Nein? Ab September … Ja, gut. Natürlich, melden Sie sich dann. Auf Wiedersehen imWild at Heart.«
Theo legte den Hörer des altmodischen Telefons zurück auf die Gabel und schob das in Leder gebundene Terminbuch ein Stück von sich weg. Er streckte sich. Inzwischen war es beinahe halb neun, und das Telefon mochte an diesem Morgen nicht stillstehen. Theo fragte sich, ob es wieder einmal einen Artikel über Port Magdalen gegeben hatte, von dem sie nichts wussten. Einen Bericht, in dem die Insel als »schwimmendes Schmuckstück vor der Küste Cornwalls« beschrieben wurde oder ihr Haus als »beliebtes Ziel für Romantikliebhaber«. Als hätte Port Magdalen noch mehr Publicity nötig. Das kleine Eiland, keine hundertfünfzig Meter hoch und nur 0,36 Quadratkilometer groß, wurde von Touristen überschwemmt, sobald es die Gezeiten erlaubten. Mit der Flut schwappten sie über die Hafenmauer, ließen sich den steilen Weg zur Kapelle hinauf- und wieder hinunterspülen, krallten sich unterwegs anLori’s Tearoom fest oder anGraham’s Pub, griffen wahllos nach ein paar Postkarten, bevor sie zurück aufs Festland geschwemmt wurden. Tagsüber wuselte es auf Port Magdalen wie in einem Ameisenberg, doch die wenigsten blieben über Nacht, was vor allem der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass es nicht genügend Betten gab. Die beiden Bed& Breakfasts im Dorf verfügten über je zwei Zimmer, dasWild at Heart hatte gerade mal vier sowie eine Suite und durfte sich vermutlich nur deshalb Hotel nennen, weil es einfach immer schon so geheißen hatte. Gleichwohl änderte es nichts daran, dass die Wildes ein ganz wundervolles Haus hatten. Etwas größer und breiter und doch im typischen Cottage-Stil, mit weißer Fassade, Kassettenfenstern und grauem Schindeldach. Das Restaurant bot Platz in einem hübschen Wintergarten mit Meerblick, falls es zu zugig war für die Sonnenterrasse (was in typisch britischer Manier bedauernswerterweise öfter der Fall war). Es gab einen Windfang mit einem überdachten Schlafplatz für den Kater und eine zischende Schiebetür, die in die heimelige, von Kaminwärme erfüllte Lobby einlud.
Theo ließ den Blick über die dicken roten Teppiche schweifen, die braunen Chesterfield-Sofas, die bunten Kissen darauf. Fast immer knisterte ein Feuer in den beiden Kaminen, und wenn es Abend wurde, flackerten Kerzen auf Wandregalen und Tischen. Die vielen Bücher, die den Rest des Platzes füllten, waren seinem Sohn und seiner Enkelin zu verdanken. Christopher war ein begeisterter Leser gewesen, und Nettie hatte er ebenfalls infiziert.
Apropos Nettie. Eigentlich müsste sie bald hier auftauchen, um ihren alten Großvater am Rezeptionstresen abzulösen. Wie der seine Enkelin kannte, hatte sie bei ihrem Rundgang zu den Tieren die Zeit vergessen, sich mit Paolo, dem Esel, verquatscht oder jedes Huhn einzeln begrüßt.
Das Telefon klingelte erneut. Und Theo dachte, dass es sicher nicht an der Nachfrage lag, wenn es finanziell manchmal eng wurde bei ihnen, es hing vielmehr damit zusammen, dass sie nicht über die räumlichen Kapazitäten verfügten, um ihr gerecht zu werden.
Er räusperte sich. »Willkommen imWild-at-Heart-Hotel. Was kann die Liebe für Sie tun?«
»Musst du das wirklich immer dazusagen, Theo? Die Gäste, die unser Haus noch nicht kennen, werden denken, hier hausen Verrückte.«
»Man kann nicht früh genug damit anfangen, die Menschen mit der Wahrheit zu konfrontieren«, gab Theo leichthin zurück. Es war nich