: Diana Ecker
: Die 'innere lustvolle Frau' Prozessorientierte Sexualtherapie für Frauen mit sexueller Unlust
: dgvt Verlag
: 9783871594304
: 1
: CHF 20.80
:
: Psychologie
: German
: 316
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Jede Frau kann mit ihrer 'inneren lustvollen Frau' in Kontakt treten. Sie muss nur Gehör finden. Diana Ecker macht mit ihren Schilderungen individueller Therapieabläufe deutlich, dass jede Frau den Weg zu sexueller Lust und Selbstbestimmung (wieder-)entdecken kann. Und dies völlig unabhängig von Alter, Beziehungsstatus und -dauer und unabhängig von möglichen traumatischen Erfahrungen. Die im Rahmen des sexualtherapeutischen Ansatzes ablaufenden, angestoßenen Prozesse dienen allesamt der Aneignung der 'inneren lustvollen Frau'. Anschaulich zeigt dieses Buch, wie der Weg gelingen kann, die sexuelle Lustlosigkeit zu überwinden. Das Buch richtet sich sowohl an betroffene Frauen als auch an ihre Therapeut*innen.

Als Psychologische Psychotherapeutin arbeitet Diana Ecker seit über 25 Jahren in eigener Praxis mit PatientInnen mit sexuellen Problemen. Zum Schwerpunkt 'Sexuelle Probleme und ihre Behandlung' hat sie mehrere Bücher und Fachartikel verfasst und als Dozentin an verschiedenen verhaltenstherapeutischen Ausbildungsinstituten unterrichtet. Außerdem ist sie Supervisorin und Selbsterfahrungsleiterin.

Einleitung


Die Befreiung

„Da bin ich!“, rief der Prinz, als er mit seinem Schwert im Dornenhain auftauchte. „Komm mit!“

„Wohin?“, sagte die Prinzessin und richtete sich langsam von ihrem Lager aus Jutesäcken auf.

„In die Freiheit! Rasch!“, sagte der Prinz, indem er sich mit dem Ärmel das Blut aus dem Gesicht wischte. „Ich habe mir, als ich den Drachen wegfliegen sah, einen Gang durch die Dornen gehauen. Komm mit, bevor er wieder da ist!“

„Wieso?“, fragte die Prinzessin.

„Wie kannst du so etwas fragen?“, sagte der Prinz. „Draußen ist die Freiheit, das Leben, die Freude. Du kannst wieder in einem richtigen Bett schlafen, dich waschen und kämmen und schön anziehen.“

Und er blickte auf die Bettstelle der Prinzessin und auf ihr zerrissenes Kleid, unter dem überall die Haut zu sehen war, mit einem rötlichen Ausschlag, der über den ganzen Körper zu gehen schien.

„Ich liebe den Drachen“, sagte die Prinzessin.

Der Prinz war fassungslos. „Was? Dieses garstige, ruppige, schuppige Vieh?“

„Ja“, sagte die Prinzessin. „Er kann fliegen, und wir lieben uns immer in der Luft. Das Gefühl, wenn ich hoch oben schwebe, mich an ihn klammere und er mir sein feuchtes Glied zwischen die Schenkel treibt, ist unbeschreiblich.“

„Es gibt doch noch anderes“, sagte der Prinz.

„Ja“, sagte die Prinzessin, „aber es ist alles nichts gegen dieses eine Gefühl.“ Und sie sah ohne Mitleid zu, wie der Drache, der soeben zurückgekehrt war, den Prinzen zertrat.

„Komm“, sagte sie zum Drachen, „komm, wir wollen fliegen.“

Sie umarmte ihn, und zusammen erhoben sie sich in die Luft.

(Franz Hohler, Schweizer Kabarettist und Autor)

Was für eine Prinzessin, die nicht tut, was sich gehört – einen Prinzen heiraten und glücklich sein! Stattdessen erliegt sie dem Bann der Erotik, fliegt mit einem Drachen auf und davon, liebt ihn in der Luft und lässt ihr altes Leben leichtherzig unter sich zurück.

Vollkommen fasziniert von dieser Geschichte, eines Tages auch von der Kraft eines solchen Begehrens davongetragen zu werden, las mir eine Klientin während der Therapiestunde diese Geschichte vor. Wie das gehe, wollte sie wissen: Dass eine Art von sexueller Energie ihr Flügel verleihe, die zu eng gewordenen Grenzen ihrer Persönlichkeit zu sprengen und aus ihrem Lebenseinerlei zu entfliehen. Eine Verwandlung wünschte sie sich, wie im Märchen, die die besten Seiten ihrer Persönlichkeit hervorbringe. Die Schweres leicht, Schmerzliches heil mache, ja selbst dem Tod etwas Ernsthaftes entgegensetze … Auf den Weg wolle sie sich machen.

Wir nahmen uns Zeit zu träumen und mit der Prinzessin und dem Drachen auf den Schwingen der Lust durch die Lüfte zu segeln. Wir genossen den starken Wind, die ferne Welt unter uns und Frau G. begann sich zu erinnern: Als sie einmal solche Momente empfunden hatte, erotische Empfindungen, die auch sie ein bisschen verwandelt hatten.

„Seltsam“, sagte Frau G., „auch ich kenne ein solches Lebensgefühl, aber ich hatte es vergessen: Dass ich ganz bei mir sein kann, mit quasi meiner besten Seite, dabei unabhängig, ohne falsche Kompromisse, ohne mich von meinen Ängsten knebeln zu lassen, indem die Lust und Liebe mich darüber hinausheben. Und dabei noch, das ist der Gipfel der Erfüllung, ein Mann, der mich genau so will.“

Frau G. seufzte, jetzt waren wir in der Gegenwart und versuchten zu verstehen: Die Phänomene hinter der Faszination zu erhellen, weiter zu denken, i