: Andreas Bertram
: Fühlt sich an wie Liebe und ist echt kompliziert Roman
: Querverlag
: 9783896566669
: 1
: CHF 8.90
:
: Erzählende Literatur
: German
Man sollte vorsichtig sein mit dem, was man sich wünscht - und sei es beim Ausblasen der Kerzen auf der Geburtstagstorte. Andy ist gerade 40 geworden und seit neun Jahren mit Robert zusammen, die Leidenschaft ist verflogen und hat der grauen Alltagsroutine Platz gemacht. Robert würde gerne endlich heiraten, doch Andy hält nichts von der Ehe, schon gar nicht, wenn sie nur wegen steuerlicher Vorteile geschlossen wird. Wo bleibt da die Romantik? Andys bester Freund Nils hat der Romantik bereits abgeschworen und sie durch One-Night-Stands ersetzt, bekommt aber langsam die Altersdiskriminierung der Szene zu spüren. Als er den bekannten Reality-Soap-Star Mathias Stern kennenlernt und die Chance bekommt, an seiner Seite berühmt zu werden, wirft er jedoch alle Bedenken über Bord und will ihn sogar heiraten. Andy ist enttäuscht. Will sein Freund wirklich für den Ruhm auf Liebe verzichten? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter? Schon bald verwandelt sich auch Andys Leben in die reinste Seifenoper, in der ein schwuler Scheich, ein kapriziöses Popsternchen und ein wählerischer Alligator seinen Weg kreuzen. Vielleicht hätte er doch vorsichtig sein sollen mit dem, was er sich wünscht ...

Andreas Bertram ist gebürtiger Sauerländer, absolvierte in jungen Jahren eine kaufmännische Ausbildung und startete dann eine kurze, unbefriedigende Karriere im öffentlichen Dienst, bevor er ein Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg begann. Heute lebt er in Bayern, schreibt Drehbücher, Beiträge für seinen Film-Blog sowie Romane unter verschiedenen Pseudonymen.

Prolog


Ich sah rote und blaue Lichter im Seitenspiegel flackern und, als ich mich umdrehte und einen Blick aus dem Heckfenster warf, einen breiten SUV des örtlichen Sheriffbüros, der dicht hinter uns fuhr und uns zum Halten aufforderte. Wir waren auf einer zweispurigen Landstraße in Florida unterwegs, die sich schnurgerade bis zum Horizont erstreckte. Links und rechts von uns befanden sich dichtbelaubte Wälder, zwei massive grüne Wände, die immer näher zu rücken schienen. Mein Herz raste. Ich kam mir vor wie in einem schlechten Hollywoodfilm.

„Du bist zu schnell gefahren“, sagte ich, und Panik schwang in meiner Stimme mit.

„Kann sein“, meinte Robert gelassen und kramte im Handschuhfach nach den Papieren unseres Autovermieters. „Auf dieser Straße verlierst du schnell jedes Gefühl für Geschwindigkeit.“

Er war inzwischen rechts rangefahren, und auch der Streifenwagen hatte hinter uns gestoppt. Bei einem weiteren Blick über die Schulter stellte ich fest, dass der Polizist in sein Funkgerät sprach. Wahrscheinlich überprüfte er nur unser Kennzeichen. Oder er rief Verstärkung.

„Oh, mein Gott, wir landen alle im Knast und werden von einem Dutzend tätowierter Kerle vergewaltigt“, prophezeite Nils, der direkt hinter mir saß. Obwohl er nervös klang, hatte ich das ungute Gefühl, dass dieses Szenario eine seiner Pornofantasien war.

„Wir sind vier Touristen, die einen Ausflug nach Disney World gemacht haben“, sagte Robert genervt. „VierweißeTouristen. Warum sollte man uns verhaften?“

In meinem Kopf spulte sich ein Dutzend verschiedene Szenarien ab. Was wäre, wenn Nils irgendwas Dummes oder Beleidigendes sagen würde? Oder wenn ich vor lauter Nervosität wie der Hauptverdächtige in einem Mordfall wirkte und deshalb die Aufmerksamkeit des Polizisten erregte? Meine Hände wurden schweißnass. Ich war auch in Deutschland schon in Polizeikontrollen geraten, einmal mitten in der Nacht, ohne Brieftasche und in einem geliehenen Wagen. Der Beamte hatte sich meine Geschichte angehört und dann nur müde gesagt, ich solle einfach weiterfahren. Aber wir waren in Amerika, und ich hatte genügend Videos auf Facebook gesehen, in denen Autofahrer aus dem Wagen gezerrt und erschossen worden waren.

Mein Mund fühlte sich unglaublich trocken an. Ich schaute zu meinem Cousin Walter, den alle nur Wally nennen, weil er als Kleinkind seinen Namen nicht richtig aussprechen konnte und immer nur „Wall-Wall“ sagte, woraus irgendwann Wally wurde. Er sank tiefer in die Rückbank und war kreidebleich im Gesicht. Mein Atem ging schneller, und dann fiel mir etwas ein.

„Ich hab noch den Zauberstab in der Jacke. Was, wenn er den für eine Waffe hält?“

Robert schaute mich mitleidig an: „Andy, Harry Potter ist nicht real …“

Als ich wieder nach hinten blickte, sah ich, wie der Polizist ausstieg und, die Hand auf dem Holster, langsam näherkam. Allerdings ging er nicht auf die Fahrer-, sondern auf die Beifahrerseite zu, wo er sich in etwa anderthalb Metern Entfernung aufbaute. Robert ließ die Fensterscheibe herunter und grüßte den Beamten freundlich, was aber nicht erwidert wurde. Der Polizist – ein Weißer mittleren Alters – musterte uns der Reihe nach und meinte dann, wir seien zu schnell gefahren; seine Augen blieben hinter einer verspiegelten Sonnenbrille verborgen.

Ich war viel zu aufgeregt, um alles zu v