In dem kleineren Briefumschlag, der neben dem Trikot und dem Einladungsschreiben in dem Pappumschlag gelegen hatte, befanden sich zwei Fahrkarten von Hamburg nach München. Für Niklas und eine Begleitperson. Bereits am Samstag sollte es losgehen zum Sichtungstraining, zu dem vermutlich die gesamte U12-Auswahl eingeladen war, die damals die Mini-WM in Bologna gespielt hatte.
Niklas’ Kopf glühte vor Aufregung. Doch nicht nur er war nervös, sondern alle um ihn herum mit.
Seine Mutter machte sich natürlich als Erstes sofort wieder Sorgen darüber, dass er nach München fahren sollte. Mit einer Begleitperson, gut und schön, aber mit wem?
„Jetzt am Samstag schon?“, fragte sie mit klagender Stimme. „Das heißt, am Freitag fährst du und bleibst bis Sonntagabend?“
„Ja!“, bestätigte Niklas. „Am Sonntag ist noch bis 16 Uhr Training. Dann bekomme ich den ICE um 16:56 Uhr und komme um 23:31 Uhr in Hamburg an. Steht jedenfalls im Brief.“
„Um halb zwölf?“, quiekte seine Mutter. Ihre Stimme überschlug sich. „Das ist fast Mitternacht! Du bist erst dreizehn!“
„Mit einer Begleitperson“, erinnerte Niklas sie.
„Ja, aber wer denn? Ich muss Samstag arbeiten!“ Hilfe suchend schaute sie zu ihrem Mann.
Der grübelte kurz, zog die Schultern hoch und sagte:
„Wir haben Sonntag eigentlich Fußballturnier mit der Betriebsmannschaft. Aber dann sage ich das ab und komme mit.“
Niklas’ Mutter seufzte erleichtert.
Doch Niklas widersprach: „Nein! Du kannst deine Mannschaft nicht im Stich lassen.“
„Aber du kannst nicht allein fahren“, bekräftigte seine Mutter nochmals.
„Opa kommt mit“, schlug Niklas vor.
Sein Großvater war für Niklas ohnehin der größte Förderer und Helfer in allen Fußballfragen. Bei jedem Heimspiel war er dabei. Und wenn Niklas ein Problem hatte – im Verein, auf dem Spielfeld, beim Training –, dann war sein Opa für ihn der erste Ansprechpartner. Das war schon immer so gewesen, seit Niklas das erste Mal mit einem Fußball gespielt hatte.
Niklas’ Eltern blickten sich kurz in die Augen. Dann sagte sein Vater: „Gut, ich frage ihn, ob er Zeit hat.“
Niklas grinste bis über beide Ohren. Denn er wusste: Opa hatte immer Zeit. Zumindest hatte Niklas noch nie erlebt, dass er seinen Großvater brauchte und der nicht für ihn da gewesen wäre.
So auch dieses Mal. Sein Vater telefonierte und nach fünf Minuten stand fest: Niklas fährt mit Opa.
Währe