: Corrie ten Boom
: Kleines Haus mit offenen Türen Die Jugendjahre vor der 'Zuflucht'
: SCM Hänssler im SCM-Verlag
: 9783775174770
: 1
: CHF 10.80
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: Religion/Theologie
: German
: 208
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Für viele ist Corrie ten Boom ein Glaubensvorbild. Ihr packendes Buch 'Die Zuflucht' hat schon unzählige Menschen tief berührt. Doch wie wurde sie zu der Frau, die selbst im KZ an ihrem Gott festhielt und später ihren Peinigern vergeben konnte? In 'Kleines Haus mit offenen Türen' erzählt Corrie ten Boom von ihrer Kindheit und Jugend, von der prägenden Bedeutung ihres Vaters und dem geistlichen Erbe ihrer Familie, die schon zu Napoleons Zeiten den Mächtigen der Welt die Wahrheit sagte.

Corrie ten Boom (1892 bis 1983) hielt trotz schwerer Schicksalsschläge ihr Leben lang an ihrem christlichen Glauben fest und trug Gottes Botschaft von Liebe und Vergebung in die Welt hinaus. Während der Nazi-Besatzung versteckte Corrie ten Boom zusammen mit ihrer Schwester Betsie viele Juden in ihrem Haus und bewahrte sie so vor dem Holocaust. Doch die Gestapo kam ihnen durch einen Spitzel auf die Spur. Nach ihrer Verhaftung kamen Sie ins Konzentrationslager Ravensbrück und veranstalteten dort heimlich Bibelstunden und Andachten. Corrie überlebte als einzige ihrer Familie das KZ und gründete nach dem Krieg ein Haus für Kriegsgeschädigte und reiste als 'Vagabund für den Herrn', wie sie sich selbst nannte, durch die Welt. Sie predigte das Evangelium und gab mit ihrem eigenen Leben ein beeindruckendes Beispiel für die befreiende Kraft der Vergebung.

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2. Fünf Jahre ist nicht zu jung


Im Jahre 1892, dem Jahr, als ich geboren wurde, traten die Niederlande in eine interessante und wichtige Epoche ein. Einige Jahre später sollte Wilhelmina als Königin gekrönt werden. Sie war damals erst 18 Jahre alt. Manches wies darauf hin, dass die Stabilität dieser letzten Jahre des 19. Jahrhunderts durch das Säbelrasseln der Deutschen schon bald ins Wanken kommen würde. Anfänge ausländischer Machtpolitik zeigten sich bereits, als der junge Kaiser Wilhelm II. das Land regierte, das später eine so große Rolle in meinem Leben spielen sollte.

Geschichte bedeutet einem Kinde nichts. Es war aber ein gewaltiges Ereignis, wenn es Mutter oder Tante Anna gelang, so viel Zucker und Butter aus einem Gulden zu holen, dass das herrliche Buttergebäck hergestellt werden konnte, das ich so gern mochte. Der Duft dieses Gebäcks drang wahrscheinlich bis in den Laden, und den Kunden lief dann wohl das Wasser im Munde zusammen, während wir in fröhliche Aufregung gerieten.

Als ich fünf Jahre alt war, lernte ich lesen; ich liebte besonders die Geschichten vom Herrn Jesus. Er gehörte für mein Gefühl zur Familie ten Boom – man konnte ebenso mit Ihm reden wie mit den Eltern, den Tanten oder Geschwistern. Er war da.

Eines Tages beobachtete Mutter mich, als ich in meiner kindlichen Fantasiewelt tat, als ob ich eine Nachbarin besuchen wolle. Ich klopfte an eine Tür und wartete … es kam niemand.

»Corrie, ich kenne jemand, der an deiner Tür steht und in diesem Augenblick anklopft.«

Spielte sie mit mir? Jetzt weiß ich, dass mein Herz schon für diesen Augenblick zubereitet war; der Heilige Geist macht uns bereit, Jesus Christus anzunehmen und unser Leben ihm zu übergeben.

Betsie, Willem, Nollie und Corrie

»Jesus hat gesagt, dass er vor der Türe steht und anklopft, und wenn du ihn darum bittest, wird er in dein Herz kommen«, sagte Mutter weiter. »Möchtest du Jesus nicht bitten hereinzukommen?«

»Ja, Mama, ich möchte Jesus gern in meinem Herzen haben.«

Sie nahm meine Hand in ihre Hände, und wir beteten zusammen. Es war so einfach, und doch sagt Jesus Christus, dass wir alle wie Kinder kommen sollen, gleichgültig, wie alt wir sind und welches gesellschaftliche oder geistige Niveau wir haben.

Als mir Mutter später von diesem Erlebnis erzählte, konnte ich mich deutlich daran erinnern.

Aber du bist noch so klein


Weiß ein fünfjähriges Kind wirklich, was es tut? Manche Leute sagen, dass ein Kind geistliche Dinge nicht verstehen kann – dass man warten soll, bis es »selbst entscheiden kann«. Aber ich bin sicher, dass ein Kind Hilfe braucht und geführt werden muss.

Von jenem Augenblick an wurde Jesus eine größere Realität für mich. Mutter erzählte mir später, dass ich, so jung ich war, für andere zu beten begann.

Die Straße hinter unserem Haus war die Smedestraat. Es gab dort viele Lokale, und manches von dem, was dort geschah, machte mir Angst. Wenn ich draußen spielte, Seil sprang oder mit Nollie, meiner Schwester, knöchelte, sah ich oft, dass die Polizei die herumlungernden, betrunkenen Männer mitnahm.

Ich stand manchmal vor dem Polizeiamt hinter der Beje und sah, wie die betrunkenen Männer hineingeschoben wurden. Dann zitterte ich. Das Gebäude war aus dunkelrotem Backstein gebaut, und im Dachgeschoss waren Mansardenfenster mit kleinen Scheiben. Ob das wohl die Zellen waren?

Viele Jahre später wurden mein Vater, alle seine Kinder und ein