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I.
Einleitung in die Offenbarung
Die Offenbarung des Johannes beginnt mit einer kompakten Einleitung, bei der jedes Wort beachtet sein will. Denn diese Einleitung gibt entscheidende Hinweise, um was für eine Buchgattung es sich handelt und wie es gelesen und verstanden werden soll. Man überliest sie nicht ohne erhebliche Folgen.
Der Charakter des Buches
Apokalypse
„Offenbarung(griech.: apokálypsis) Jesu Christi“ (1,1)9
Apokalypse lautet die griechische Bezeichnung für Offenbarung. Apokalypse bedeutet Enthüllung von Verborgenem; von dem, was unserem Erkennen und Verstehen sonst verborgen bliebe. Die Apokalypse stellt keine Vermutungen oder Prognosen an. Sie ergeht sich nicht in Spekulationen über die Zukunft, sondern sie enthüllt aus göttlicher Eingebung, was unserem Denken und Prognostizieren verborgen ist.
Die Apokalypse zeigt, „was geschehen muss in einer Schnelle“ (1,1). Das ist ein Unterschied zwischen Apokalypse und Prophetie: Prophetie kündigt Dinge an, um zur Umkehr zu rufen. Findet Umkehr statt, kann das Angedrohte zurückgenommen werden. Klassisch wird das im Buch Jona beschrieben. Apokalypsen zeigen dagegen Ereignisse, die unausweichlich sind. „Es muss geschehen“ (Offenbarung 1,1). So heißt es auch in der Endzeitrede Jesu (Matthäus 24,6;LUT 17): „Seht zu und erschreckt nicht. Denn es muss geschehen.“ Bei den Gerichten der Offenbarung handelt es sich also nicht um zu verhindernde, sondern um notwendige Ereignisse.
Prophetie
„Glücklich, wer liest und hört die Worte der Prophetie.“ (1,3)
Die Offenbarung wird hier mit „Worte der Prophetie“ charakterisiert. Es handelt sich also um ein prophetisches Buch. Prophetie bedeutet weit mehr als ein Blick in die Zukunft. Prophetisches Reden ist Reden aus Eingebung aus göttlicher Inspiration. Dieses Reden kann sich auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beziehen. Zum Charakter prophetischer Worte gehört, dass sie der Auslegung bedürfen.10
Wenn die Offenbarung ein prophetisches Buch ist, dürfen wir sie nicht einfach als Reportage zukünftiger Ereignisse lesen; auch nicht als vordergründige Beschreibung geschichtlicher Abläufe. Sondern wir haben es mit Prophetie zu tun, die zu deuten und auszulegen ist. Auffallend und typisch für den Stil dieses Buches sind zum Beispiel die Zahlen11: In diesem prophetischen Buch handelt es sich dabei nicht um bloße arithmetische Zahlen, sondern um Zahlen mit tieferer symbolischer Bedeutung.12
Prophetische Begriffe, Zahlen und Bilder bedürfen der Deutung. Dabei ist es zum Beispiel möglich, an die goldenen Leuchter zu denken, die Johannes in Kapitel 1 schaut. Sie sind nicht bloße Illumination, sondern stehen für die Gemeinden, deren Wesen und Berufung es ist, Licht der Welt zu sein. Die Sterne in der Hand des Erhöhten werden ebenso in Offenbarung 1,20 v