: Ursula Forstner, Harald Lesch
: Wie Bildung gelingt Ein Gespräch
: Theiss in der Verlag Herder GmbH
: 9783806241006
: 1
: CHF 8.00
:
: Gesellschaft
: German
: 144
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wie gelingt Bildung? Neue Impulse in einer wichtigen Gesellschaftsdebatte 'Wir müssen uns bilden und nicht ausbilden lassen!' - 'Wir sollten Menschen und nicht Fächer unterrichten!' An diesen provokanten Forderungen erkennt man sofort: Harald Lesch brennt für das Thema Bildung. Der Physiker, Wissenschaftsjournalist und Fernsehmoderator deckt in seinem Diskussionsbuch 'Wie Bildung gelingt. Ein Gespräch' die Ursachen der seit fast zwei Jahrzehnten bestehenden Bildungskrise auf. Zusammen mit den Philosophen Ursula Forstner und Wilhelm Vossenkuhl entwickelt Lesch neue Ideen und überraschende Impulse für ein Umdenken in Schulen und Universitäten. - Naturphilosoph und exzellenter Erklärer: Lesch vermittelt zentrale Thesen der Bildungsdebatte unterhaltsam und pointiert. - Bildung statt Ausbildung: Warum die Persönlichkeitsentwicklung Vorrang vor reiner Informationsweitergabe haben sollte - Wege aus der Bildungskrise: Wie können wir Fehlentwicklungen, wie etwa aus der Bologna-Reform, rückgängig machen? - Ungewöhnliche Erzählform: Dialog zwischen Lesch und dem britischen Philosophen Alfred North Whitehead - ganz in sokratischer Tradition! - Reform-Forderungen an die Bildungspolitik: konkrete Vorschläge für eine zukunftsfähige Schulpolitik Streitschrift für einen Perspektivwechsel in der Bildungsdebatte Intensiv, kurzweilig und anregend diskutieren Lesch, Forstner und Vossenkuhl Whiteheads Thesen zur Erziehung und Bildung des Menschen und erörtern didaktische Zusammenhänge. Sie fordern ihre Leser dazu auf, das Schul- und Bildungssystem grundsätzlich in Frage zu stellen und neu zu denken.Die Autoren sehen großes Potential in der Förderung von Neugier, Originalität, Fantasie und Risikobereitschaft. Daher sind nicht nur MINT-Fächer, sondern auch Kunst, Musik und Sport mit ihren kreativ-sozialen Eigenschaften zentrale Bestandteile von Bildung. Dieses Buch richtet sich nicht nur an Pädagogen und Wissenschaftler. Es liefert wichtiges Hintergrundwissen und überzeugende Argumente zur aktuellen Bildungsdebatte für alle bildungspolitisch interessierten Leser!

Ursula Forstner studierte an der Hochschule für Philosophie in München. Dort lernte sie den Philosophen Alfred N. Whitehead (1861-1947) kennen und bringt nun seine »modern« anmutenden Überlegungen zur Bildung ins Gespräch mit Harald Lesch ein. Harald Lesch, der eigenen Angaben zufolge das Reden in der väterlichen Gastwirtschaft lernte, ist nicht nur Professor für Astronomie und Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universitä München und Dozent für Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München. Durch seine Präsenz in Funk und Fernsehen ist er darüber hinaus als hervorragender 'Erklärer' bekannt: In Sendungen wie 'alpha Centauri', 'Leschs Kosmos' oder dem Youtube-Kanal 'Terra X Lesch& Co' vermittelt er komplizierte Phänomene und Fakten leicht verständlich an ein großes Publikum. Denn Wissensvermittlung und Bildung sind zwei seiner Herzensthemen. Daher ist es nur folgerichtig, dass er seit 2018 als Schirmherr der Kinderuniversität Weimar fungiert und vielfache Auszeichnungen für die verständliche Vermittlung von Wissenschaft erhielt.

Gespräche über Bildung


Gott oder Bildung?


Whitehead: Sehen Sie, Sie haben es geschafft!

Forstner: Ja, auch wenn ich zwischendurch fast nicht mehr daran geglaubt habe.

Whitehead: Aber Sie haben es trotzdem weiter versucht, und Sie haben es geschafft.

Forstner: Ja, und ich habe Ihnen wieder ein Gespräch mitgebracht.7

Whitehead: Wunderbar, ich sehe schon, Sie haben auch wieder dieses erstaunliche Gerät dabei. Und damit haben Sie mir ein Gespräch aus Ihrer Zeit aufgezeichnet? – Wir wollten über Gott reden, nicht?8

Forstner: Ja, wollten wir – und ja, ich habe Ihnen ein Gespräch mitgebracht, aber leider nicht über Gott.

Whitehead: Ah, da drückt der Schuh. Sollte er aber nicht! Es gibt so viele Themen, so viele Interessen, so viele Möglichkeiten, wie sollte man sich da schon Monate vorher auf irgendeine einzelne Frage festlegen?

Forstner: Na ja, die Gottesfrage ist ja nun nicht irgendeine Frage.

Whitehead: Das sicherlich nicht, aber ich nehme mal an, dass es da ein anderes Thema gibt, das Ihnen gerade wichtiger ist?

Forstner: Ja …

Whitehead: … dann sollten Sie auch dazu stehen! Vielleicht habe ich es bisher noch nicht deutlich genug gesagt: Ich freue mich wirklich über Ihre Besuche, und jeder neue Impuls ist mir willkommen. Also, worüber wollen wir reden?

Forstner: Was mich derzeit umtreibt, ist der Schulwechsel meiner Tochter von der zweiten Klasse einer Montessorischule in die dritte Klasse einer Regelschule.

Whitehead: Sie wollen mit mir über Schule reden?

Forstner: Über Bildung.

Whitehead: Bildung? Ich muss zugeben, das verblüfft mich jetzt doch etwas, dass Sie darüber ausgerechnet mit mir reden wollen. »Zeit«, »Gott« – das sind ewige Themen, zu denen auch ein Vorgestriger wie ich immer noch etwas zu sagen hat. Aber Bildung?

Forstner: Sie haben einiges zu Erziehung und Bildung gesagt und geschrieben.

Whitehead: Das schon, aber das ist für jemanden, der nahezu sein gesamtes Leben an englischen und amerikanischen Universitäten verbracht hat, keine besondere Leistung. Außerdem ist alles, was ich dazu gesagt und geschrieben habe, auf das englische Bildungswesen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts gemünzt. Ich glaube wirklich nicht, dass das noch irgendeine Bedeutung für Ihre Gesellschaft hat.

Forstner: Ich schon! Und nicht nur ich: Ihre Aufsatzsammlung »The Aims of Education« ist erst vor wenigen Jahren in meine Sprache übersetzt worden und hat durchaus Beachtung gefunden.

Whitehead: Wirklich? Nun, Evelyn war ohnehin der Meinung, dass das mit das Beste war, was ich je geschrieben habe.9

Forstner: Eine kluge Frau!

Whitehead: Ja, das war sie – auch wenn sie in den akademischen Kreisen meiner Generation nicht als gebildet galt, zumindest nicht im klassischen Sinne.10 Darunter hat sie sehr gelitten …

Forstner: … und da sind wir doch schon mitten im Thema!

Whitehead: Also gut, überredet. Versuchen wir’s!

Forstner: Dann darf ich die Aufnahme starten?

Whitehead: Ich bitte Sie darum.

Whitehead weiß gar nicht, was Bildung