Sorgfältig verteilte Elena Reis auf den Algenblättern und legte anschließend die rohen Lachs-Streifen darauf. Den Fisch hatte sie heute ganz frisch gekauft, dann schmeckte er am besten.
Sie krempelte ihre Ärmel hoch, straffte die Schultern und begann dann konzentriert, das Algenblatt und seine Füllung mithilfe einer kleinen Bambusmatte einzurollen. Die so entstandene lange Rolle schnitt sie mit einem scharfen Messer gekonnt in gleich große Stücke.
Stolz blickte sie auf die Maki-Röllchen hinab. Ihr erstes selbstgemachtes Sushi! Elenas Chefin hatte sie extra zu einem Kurs geschickt, damit sie sich die erforderlichen Techniken aneignete, doch heute war es das erste Mal, dass sie selbstständig und ohne professionelle Hilfe Sushi zubereitet hatte – und das Ergebnis konnte sich wirklich sehen lassen.
Aber jetzt konnte sie sich freilich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, denn es gab noch viel zu tun. Auf dem Herd köchelte eine asiatische Suppe mit Austernpilzen vor sich hin, die Elena nun abschmeckte. Und dann wartete noch das feine Rinderfilet in Sojasoßen-Marinade darauf, angebraten zu werden.
Emsig wirbelte die junge Frau durch die geräumige Küche. Sie arbeitete sorgfältig und hatte alles im Griff. Das Kochen bereitete ihr viel Freude – da konnte sie beinahe vergessen, dass die schöne große Küche mit den Hochglanzfronten, der Kochinsel und dem modernen Induktionsherd gar nicht ihr gehörte.
Sie befand sich in der Luxuswohnung von Margarete Steinfeld, ihrer Arbeitgeberin, und auch das fernöstliche Menü, das sie gerade zauberte, war nicht für sie selbst bestimmt. Margarete und ihr Verlobter würden es sich schmecken lassen.
Elena hörte, wie der Schlüssel im Schloss der Wohnungstür herumgedreht wurde, dann klackerten auch schon Margaretes hohe Absätze über den Parkettboden.
Wie eine Naturgewalt wirbelte Margarete in die Küche und warf dabei das glänzende, in Wellen gelegte Haar über die Schulter zurück.
»Elena!«, rief sie theatralisch aus. »Ich sag’s dir, das war ein Tag. Ich bin fix und fertig.« Dass sie einen stressigen Tag hinter sich hatte, sah man ihr allerdings keineswegs an.
Wie immer sah Elenas Chefin aus, wie aus dem Ei gepellt. Das enge Etuikleid, das ihre schmale Taille vorteilhaft betonte, saß perfekt und knitterfrei. Die nudefarbenen Lack-Pumps waren schwindelerregend hoch, doch es bereitete Margarete offensichtlich keinerlei Probleme, darin zu laufen. Mit dem hellblonden Haar und dem hübschen Make-up sah sie fast ein wenig aus wie eine Barbiepuppe.
»Was war denn so anstrengend?«, erkundigte sich Elena pflichtschuldig.
Margarete seufzte, setzte sich auf einen der hohen Hocker vor der Kochinsel und drapierte elegant die langen Beine übereinander.
»Also, am Vormittag wurde ich für eine Zeitschrift interviewt. Die machen eine Sonderserie über Fashion-Vorbilder in Wien, und da bin ich natürlich ganz vorn mit dabei. ›Die bestgekleideten Wienerinnen und ihre Mode-Geheimnisse‹ ist der Titel. Blöderweise hatte dieser Redakteur nur vormittags Zeit, weshalb ich meinen Pilates-Kurs verpasst habe.«
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