Einleitung
Die Deutsche Bank, die 2020 ihr 150. Gründungsjubiläum begeht, kann auf eine Geschichte zurückblicken, die stark von internationalen politischen und wirtschaftlichen Ereignissen sowie von der wechselhaften Entwicklung Deutschlands geprägt wurde. Sie hat zwei Epochen der Globalisierung – im 19. wie im späten 20. Jahrhundert – erlebt. Sie hat aber auch den wirtschaftlichen Protektionismus der Zwischenkriegszeit, die NS-Diktatur, zwei Weltkriege und zahlreiche Auf- und Abschwünge in den weltwirtschaftlichen Beziehungen erfahren und sich ihnen angepasst. Schließlich haben das rasche Wachstum der deutschen Wirtschaft nach 1945 und Deutschlands Platz in Europa die Bank ebenso geformt, wie sie auch selbst diese Entwicklungen beeinflusst hat.
1870 in Berlin während des Gründerbooms entstanden, wurde die Deutsche Bank groß in der ersten Phase der Globalisierung vor dem Ersten Weltkrieg. In dieser Zeit folgte sie dem deutschen Handel und der innovativen und erfolgreichen Industrie auf die ausländischen Märkte. Da in Deutschland das Modell der Unternehmensfinanzierung durch Banken verbreiteter war als die direkte Kapitalmarktfinanzierung, ergaben sich für die Deutsche Bank Möglichkeiten, am industriellen Wachstum der deutschen Wirtschaft unmittelbar teilzuhaben. Auf dem Höhepunkt der Globalisierung zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Deutsche Bank in die Rolle einer globalen Hausbank der deutschen Industrie und des deutschen Handels hineingewachsen. Die Bezeichnung »Hausbank« beschreibt eine enge und vorrangige, wenn nicht sogar ausschließliche Beziehung zwischen einem Unternehmen und dessen Bank, die ihm die gesamte Palette an Finanzdienstleistungen bereitstellt. Im deutschen Fall wurde diese enge Verbundenheit dadurch verstärkt, dass Banken an Industrieunternehmen beteiligt und in deren Aufsichtsräten vertreten waren.
Der Erste Weltkrieg und die drei ihm folgenden Jahrzehnte voller Unruhe und Gewalt zerstörten weitgehend das von Anfang an internationale Geschäftsmodell der Deutschen Bank. Die Folgen der deutschen Niederlage von 1918 wurden nun rasch für die Bank deutlich: Plötzlich hatte sie einen Großteil des internationalen Geschäfts sowie der internationalen Filialen und Beteiligungen verloren, aber es kam auch im heimischen Kapitalmarktgeschäft zu einem erheblichen Substanzverlust. Der Aufstieg des Nationalsozialismus sowie die erneuten Spannungen zwischen Deutschland und seinen europäischen Nachbarn führten dazu, dass diese Verluste nicht nur kurzfristig auf den Krieg und dessen unmittelbare Folgen beschränkt blieben. Vereinzelte Versuche während der Zwischenkriegszeit, im internationalen Geschäft erneut Fuß zu fassen, konnten nicht kontinuierlich weiterverfolgt werden, und so blieben die Aktivitäten der Bank unter der nationalsozialistischen Diktatur und im Zweiten Weltkrieg weitgehend auf den deutschen Herrschaftsraum beschränkt.
Aus der globalen Hausbank der Jahre vor 1914 wurde eine vornehmlich auf den Inlandsmarkt zurückgeworfene deutsche Universalbank. Politik spielte nun für das Geschäft der Bank zunehmend eine größere Rolle und wurde während der NS-Zeit für ihre Strategie zur Bestimmungsgröße schlechthin. Als das führende Finanzinstitut Deutschlands war die Deutsche Bank in die nationalsozialistische Kriegswirtschaft eingebunden. Sie kollaborierte mit dem Regime und kam mit dessen Verbrechen in Berührung.
Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnte an die älteren Traditionen aus der Zeit vor 1914 nicht nahtlos angeknüpft werden. Die politische und wirtschaftliche Teilung Deutschlands durch die Besatzungsmächte schnitt die Bank von ihrem Ursprungsort Berlin ab. In den Westzonen zerschlug die amerikanische Besatzungsmacht die Konzernstrukturen der großen Banken, da diese aus ihrer Sicht mit der Rüstungs- und Kriegspolitik des »Dritten Reichs« zu eng in Verbindung gestanden hatten. Zugleich ging es den Amerikanern aber auch um eine Belebung des Wettbewerbs im Bankensektor. Die drei Berliner Großbanken – neben der Deutschen Bank waren