: Werner Plumpe, Alexander Nützenadel, Catherine R. Schenk
: Deutsche Bank Die globale Hausbank 1870 - 2020
: Ullstein
: 9783843722025
: 1
: CHF 31.70
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: Volkswirtschaft
: German
: 800
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Deutsche Bank im Wandel der Zeit Seit ihrer Gründung im März 1870 sieht die Deutsche Bank ihren Auftrag darin, Investitionsströme und Handelsbeziehungen Deutschlands mit der übrigen Welt auch in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Umbrüche auszubauen. Genau diese Rolle eines der größten Finanzinstitute Europas beleuchten drei renommierte Historiker. Spannend erzählen sie von den ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen anderthalb Jahrhunderte - und was sie für die Deutsche Bank bedeuteten. In den verschiedenen Epochen ihrer 150-jährigen Geschichte sah sich die Deutsche Bank vor zahlreiche Herausforderungen gestellt. Kenntnisreich und lebendig erzählen die Autoren von den Wegen, die das Geldinstitut finden musste, um mit den tiefen Zäsuren der Zeit und unterschiedlichen Anforderungen umzugehen. Mit dem Ersten Weltkrieg endete schlagartig die Phase der ersten Globalisierung.Der überwiegend nationale Rahmen, in den sich die Bank zwischen 1914 und 1989 einordnen musste, endete mit dem Fall der Mauer. Anschließend standen wieder europäische und sogar globale Aspekte im Vordergrund. Die Deutsche Bank wandte sich dem angloamerikanischen Kapitalmarktgeschäft zu - was ein weiteres außergewöhnliches Kapitel in der bewegten Geschichte der Bank bedeutete.

Werner Plumpe studierte Geschichte und Wirtschaftswissenschaften. Nach Gastprofessuren unter anderem in Tokio ist er seit 1999 Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt die Allgemeine Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Neuzeit sowie die Unternehmens- und Industriegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Zuletzt veröffentlichte er 'Das kalte Herz. Kapitalismus: Geschichte einer andauernden Revolution'.

Einleitung


Die Deutsche Bank, die 2020 ihr 150. Gründungsjubiläum begeht, kann auf eine Geschichte zurückblicken, die stark von internationalen politischen und wirtschaftlichen Ereignissen sowie von der wechselhaften Entwicklung Deutschlands geprägt wurde. Sie hat zwei Epochen der Globalisierung – im 19. wie im späten 20. Jahrhundert – erlebt. Sie hat aber auch den wirtschaftlichen Protektionismus der Zwischenkriegszeit, die NS-Diktatur, zwei Weltkriege und zahlreiche Auf- und Abschwünge in den weltwirtschaftlichen Be­­ziehungen erfahren und sich ihnen angepasst. Schließlich haben das rasche Wachstum der deutschen Wirtschaft nach 1945 und Deutschlands Platz in Europa die Bank ebenso geformt, wie sie auch selbst diese Entwicklungen beeinflusst hat.

1870 in Berlin während des Gründerbooms entstanden, wurde die Deutsche Bank groß in der ersten Phase der Globalisierung vor dem Ersten Weltkrieg. In dieser Zeit folgte sie dem deutschen Handel und der innovativen und erfolgreichen Industrie auf die ausländischen Märkte. Da in Deutschland das Modell der Unternehmensfinanzierung durch Banken verbreiteter war als die direkte Kapitalmarktfinanzierung, ergaben sich für die Deutsche Bank Möglichkeiten, am industriellen Wachstum der deutschen Wirtschaft unmittelbar teilzuhaben. Auf dem Höhepunkt der Globalisierung zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Deutsche Bank in die Rolle einer globalen Hausbank der deutschen Industrie und des deutschen Handels hineingewachsen. Die Bezeichnung »Hausbank« beschreibt eine enge und vorrangige, wenn nicht sogar ausschließliche Beziehung zwischen einem Unternehmen und dessen Bank, die ihm die gesamte Palette an Finanzdienstleistungen bereitstellt. Im deutschen Fall wurde diese enge Verbundenheit dadurch verstärkt, dass Banken an Industrieunternehmen beteiligt und in deren Aufsichtsräten vertreten waren.

Der Erste Weltkrieg und die drei ihm folgenden Jahrzehnte voller Unruhe und Gewalt zerstörten weitgehend das von Anfang an internationale Geschäftsmodell der Deutschen Bank. Die Folgen der deutschen Niederlage von 1918 wurden nun rasch für die Bank deutlich: Plötzlich hatte sie einen Großteil des internationalen Geschäfts sowie der internationalen Filialen und Beteiligungen verloren, aber es kam auch im heimischen Kapitalmarktgeschäft zu einem erheblichen Substanzverlust. Der Aufstieg des Nationalsozialismus sowie die erneuten Spannungen zwischen Deutschland und seinen europäischen Nachbarn führten dazu, dass diese Verluste nicht nur kurzfristig auf den Krieg und dessen unmittelbare Folgen beschränkt blieben. Vereinzelte Versuche während der Zwischenkriegszeit, im internationalen Geschäft erneut Fuß zu fassen, konnten nicht kontinuierlich weiterverfolgt werden, und so blieben die Aktivitäten der Bank unter der nationalsozialistischen Diktatur und im Zweiten Weltkrieg weitgehend auf den deutschen Herrschaftsraum beschränkt.

Aus der globalen Hausbank der Jahre vor 1914 wurde eine vornehmlich auf den Inlandsmarkt zurückgeworfene deutsche Universalbank. Politik spielte nun für das Geschäft der Bank zunehmend eine größere Rolle und wurde während der NS-Zeit für ihre Strategie zur Bestimmungsgröße schlechthin. Als das führende Finanzinstitut Deutschlands war die Deutsche Bank in die nationalsozialistische Kriegswirtschaft eingebunden. Sie kollaborierte mit dem Regime und kam mit dessen Verbrechen in Berührung.

Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnte an die älteren Traditionen aus der Zeit vor 1914 nicht nahtlos angeknüpft werden. Die politische und wirtschaftliche Teilung Deutschlands durch die Besatzungsmächte schnitt die Bank von ihrem Ursprungsort Berlin ab. In den Westzonen zerschlug die amerikanische Besatzungsmacht die Konzernstrukturen der großen Banken, da diese aus ihrer Sicht mit der Rüstungs- und Kriegspolitik des »Dritten Reichs« zu eng in Verbindung gestanden hatten. Zugleich ging es den Amerikanern aber auch um eine Belebung des Wettbewerbs im Bankensektor. Die drei Berliner Großbanken – neben der Deutschen Bank waren