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Paris, Anfang März 1953
Mabelle von Haynbach trug ihre schönsten Schuhe, schwarze Pumps mit weißen Absätzen und einer weißen Spange über dem Spann. Leider waren sie der Mode entsprechend spitz und drückten ihre Zehen unangenehm zusammen. Wahrscheinlich hätte sie sie doch eine Nummer größer kaufen sollen, aber wer wollte schon ein Mannequin mit riesigen Füßen?
Es war Frühling in Paris, und Mabelle war so aufgeregt und glücklich, dass sie es ziemlich lange schaffte, ihre schmerzenden Füße zu ignorieren. Als sie urplötzlich das Gefühl hatte, keinen einzigen Schritt mehr tun zu können, war sie schon eine ganze Weile über die weite Grünfläche des Champ de Mars spaziert, um den Eiffelturm aus jedem nur möglichen Blickwinkel zu bewundern. Eigentlich war das berühmte Wahrzeichen von Paris nur ein riesiges Stahlgerüst, aus irgendeinem Grund fand sie es trotzdem wunderschön.
Zudem hatte Mabelle noch nie einen Himmel gesehen wie den über Paris. Der Frühlingswind hatte jedes noch so kleine Wölkchen weggeblasen, und wenn sie nach oben sah, kam sie sich vor, als befände sie sich im Inneren einer blauen Murmel.
Auch die Menschen hier erschienen ihr anders als zu Hause. Die französischen Frauen waren unbeschreiblich elegant. Sie schritten mit hoch erhobenen Köpfen und ohne jede Eile dahin. Und die Männer, die ohne Begleitung unterwegs waren, lächelten Mabelle im Vorbeigehen auf eine Weise an, die gleichzeitig herausfordernd und bewundernd wirkte. Vielleicht war das der besondere Charme, den man den Franzosen nachsagte.
Als Mabelle auf die Uhr sa