: Karoline Toso
: Esmeraldas Blick Roman
: Bookspot Verlag
: 9783956691362
: 1
: CHF 7.10
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Brand der Kathedrale Notre-Dame hat Victor Hugos 'Der Glöckner von Notre-Dame' wieder ins Bewusstsein gerückt und die Frage nach dem Schicksal der Protagonisten gestellt, die nun endlich äußerst spannend und unterhaltsam beantwortet wurde. Denn die schöne Esmeralda geht in diesem bewegenden Roman einen besonders schweren Weg. Schreckliches muss sie erdulden ehe Rettung naht. Doch wie findet sie sich in ihrer neuen Rolle zurecht? Wird es auch Rettung für den buckeligen Quasimodo geben? Und wie ergeht es Dom Frollo, der fromm und gut sein wollte, sich jedoch schuldig und verdammt fühlt? Eine völlig neue Perspektive entsteht, Zeiten verrinnen ineinander, Schicksale nehmen ihren eigenen Lauf. Flucht, Gewalt und Sehnsucht fragen nicht nach Zeit; sie suchen nach Glück und einemÜberleben im Ankommen. Als Esmeralda jedoch der Hexerei bezichtigt wird, scheint ihr grausames Ende im Kerker gewiss ... 'Der Glöckner von Notre-Dame' aus einem spannenden neuen Blickwinkel betrachtet - eine Verneigung vor Victor Hugo, bewegend, härter, spannender und zugleich historisch unterhaltsam. Für Leser von spannenden Historischen Romanen ein Leckerbissen!

Die österreichische Schriftstellerin Karoline Toso lebt als Religionspädagogin in Wien. Nach mehreren Publikationen legt sie mit 'Esmeraldas Blick' ihren ersten historischen Roman vor, den Auftakt einer Trilogie rund um die Figuren aus 'Der Glöckner von Notre-Dame'. Unterhaltsam und spannend erzählt, bieten Tosos Werke eine neue spannende Perspektive auf Victor Hugos Roman. Mit ihnen verneigt sich die Autorin vor dem Weltliteraten, der sie schon seit langem inspiriert.

Kapitel 1


Reise nach Paris


Nach all den Jahren lag eine Erstausgabe auf seinem Schoß. Liebevoll öffnete er das Buch, roch an den Seiten, befühlte es, dachte daran, wie viele Menschen es seit 1831 wohl schon in den Händen gehalten und gelesen hatten. Kaum wagte er zu beginnen. Dann aber tauchte Albert Alden in den Trubel des Narrenfestes am sechsten Jänner 1482 ein. Das Französisch des neunzehnten Jahrhunderts las sich zwar sperrig, aber er war zu gespannt, um sich davon abhalten zu lassen. Fast hörte er den Lärm der aufgeheizten Menge, die in den Justizpalast strömte, um dem Mysterienspiel beizuwohnen und die Gesandten aus Flandern zu bestaunen. Albert befand sich selbst inmitten des ausgelassenen Treibens vor den Türmen der Notre-Dame.

Der zehnjährige Claude Frollo stand gehorsam hinter seiner Mutter und der Magd, die den Einkauf trug. Selten durfte er das bunte Treiben des Marktes miterleben, doch diesmal galt es, auch für ihn einiges einzukaufen: Stoffe für neue Kleidung, ein zweites Paar Schuhe, Papier, Federn und Tinte. In wenigen Tagen begann für ihn ein neues Leben als Aspirant bei den Benediktinern in Paris. Das Neue zog ihn an, aber der Gedanke, für immer von zu Hause weg zu müssen, ängstigte ihn auch. Im Augenblick aber faszinierte ihn die Vielfalt am Markt. Eine Gruppe Zigeuner zeigte allerlei erstaunliche Kunststücke und spielte Musik, die Claude noch nie zuvor so nah gehört hatte. Am liebsten wäre er zum Takt herumgesprungen.

Dann sah er sie. Zwischen Kisten musterten ihn zwei kecke schwarze Augen, Kinderaugen. Er konnte nicht anders als zu dem Gewürzstand zu gehen, hinter dem sich das Kind verbarg. Sein süßes Gebäck, das er in der Hand hielt, vergaß er fast, obwohl er selten solche Geschenke von der Mutter bekam. Auch sie sah dem neuen Lebensabschnitt ihres Ältesten mit gemischten Gefühlen entgegen. Dass er ein gebildeter Priester werden sollte, erfüllte sie zwar mit Stolz, doch er wurde ihrer Obhut entzogen. Es stand ein großer Abschied bevor. Das stimmte sie mild, sie erlaubte ihm, ein wenig zwischen den Ständen herumzuschlendern, kaufte Nüsse und getrocknete Früchte für die Reise nach Paris.

Als Claude bei den Kisten ganz im Bann dieser Augen stand, die nur so sprühten vor Lebenslust, lachte das Kind laut auf, sauste hervor, entriss ihm das Gebäck und rannte damit davon. Er wusste nicht, wie ihm geschah, starrte dem Mädchen hinterher. Die kleine Zigeunerin lachte noch immer in ihrem bunten Gewand, mit den offenen, langen, dunklen Haaren und mit Schellen an ihrem Fußgelenk, das jeden ihrer Schritte zu Musik werden ließ. Ihr roter Rock reichte nur bis knapp unters Knie, an den Füßen trug sie Stoffsandalen. Sie war kleiner als er und schöner als ein Engel, jedenfalls empfand Claude es so. Am schönsten fand er ihre fröhliche Lebendigkeit. Nie hätte er gewagt, zwischen den Ständen so wild herumzulaufen. Für diesen kurzen Moment des Staunens opferte er gern das seltene Geschenk des Süßgebäcks. Doch das kecke Kind verschwand nicht mit seiner Beute. Hinter den Ständen blieb es stehen und wartete auf den Verfolger, der wie angewurzelt mit weit aufgerissenen Augen dastand. Das Mädchen winkte ihn zu sich heran. Claude konnte sein Glück kaum fassen.

Nach der Mutter blickte er sich nicht ei