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Ozzy Zig braucht ’nen Gig
Klopf – klopf.
Ich steckte den Kopf durch die Vorhänge am Wohnzimmerfenster und sah einen großnasigen Kerl mit langem Haar und Schnauzbart auf der Treppe stehen. Er erinnerte stark an eine Kreuzung aus Guy Fawkes und Jesus von Nazareth. Und war das etwa eine …?
Wahrhaftig, der Typ trug eineSamthose!
»JOHN! Mach die Tür auf!«
Meine Mutter hätte den halben Friedhof von Aston aufwecken können, so laut brüllte sie. Seit ich aus dem Knast raus war, saß sie mir unentwegt im Nacken. Alle zwei Sekunden hieß es: »John, tu dies. John, tu das.« Aber ich wollte die Tür nicht einfach so öffnen. Ich musste erst einmal einen klaren Kopf kriegen und meine Nerven unter Kontrolle bringen. Der Kerl wirkte, als meinte er es ernst.
Das hier war vielleicht wichtig.
Klopf–klopf.
»JOHN OSBOURNE! MACH DIE VERDAMMTE …!«
»Ich geh ja schon!«, schrie ich zurück und stapfte durch den Flur. Ich zog den Riegel zurück und öffnete die Tür. »Bist du … ›Ozzy Zig‹?«, fragte Guy Fawkes in einem schweren Birmingham-Akzent.
»Wer will das wissen?«, fragte ich zurück und verschränkte die Arme.
»Terry Butler«, sagte er. »Ich habe deine Anzeige gelesen.«
Ich hatte gehofft, dass er genau das sagen würde. Ich wartete seit langem auf diesen Augenblick. Ich hatte davon geträumt. Und auf dem Klo Selbstgespräche darüber geführt. In meiner Fantasie hatte ich mir ausgemalt, wie eines Tages Zeitungsartikel über meine Anzeige im Fenster des Musikladens Ringway Music erscheinen würden, über diesen kuriosen Wendepunkt im Leben des ehemaligen Autohupenstimmers John Michael Osbourne. »Sagen Sie, Mr. Osbourne«, fragte in meinen Tagträumen Robin Day von der BBC, »wäre es Ihnen damals in Aston je in den Sinn gekommen, dass Sie durch einen Zettel am Schaufenster eines Musikladens zum fünften Mitglied der Beatles werden und dass Ihre Schwester Iris Paul McCartney heiraten könnte?« Und ich antwortete: »Nicht in einer Million Jahren, Robin, nicht in einer Million Jahren.«
Es war eine großartige Anzeige. »Ozzy Zig needs gig« hatte ich geschrieben, und darunter: »Erfahrener Frontmann mit eigener PA-Anlage.« Ich hatte die Adresse angegeben, unter der ich zwischen sechs und neun Uhr abends an Wochentagen zu finden war. Solange ich nicht drüben im Pub herumhing und versuchte, ein Gläschen zu schnorren. Oder auf der Eislaufbahn Silver Blades. Oder sonst irgendwo.
Wir hatten damals kein Telefon.
Fragen Sie nicht, wo das »Zig« in »Ozzy Zig« herstammte. Es kam mir einfach eines Tages in den Sinn. Seit ich aus dem Knast heraus war, dachte ich ständig darüber nach, wie ich mich als Sänger vermarkten konnte. Die Chancen standen vielleicht eins zu einer Million, und selbst das war möglicherweise zu optimistisch, aber ich war zu allem bereit, was mich vor Harrys Schicksal und vor der goldenen Uhr bewahren konnte. Außerdem hatten Bands wie Move, Traffic und Moody Blues bewiesen, dass man nicht aus Liverpool sein musste, um Erfolg zu haben. Es war die Rede davon, dass der »Brumbeat« den »Merseybeat« ablösen könnte – was auch immer das bedeuten mochte.
Ich will nic