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»Eistanzen? Willst du mich verarschen?« – Ty Randall, MMA-Kämpfer, alias »Ty der MMA-Beißer«, zu seinem Manager
Ich hasse Familientreffen. Obwohl sie sich eigentlich nicht ausstehen können, sind alle nett zueinander, und das bloß, weil sie verwandt miteinander sind. Und ich muss stundenlang dabeisitzen und zuhören, wie lang und breit über das Wetter geredet wird, obwohl ich genau weiß, dass alle nur darauf warten, endlich die Sprache auf diesen einen, furchtbar peinlichen und längst vergangenen Vorfall bringen zu können.
So ist die Eiskunstlauf-Community, eine große Familie: Eigentlich mag man sich nicht, kann sich aber auch nicht aus dem Weg gehen. Und dieses Sieben-Uhr-Meeting in den JNO-Studios mit einer Reihe berühmter Eiskunstläufer kam definitiv einem Familientreffen gleich. Wie aufs Stichwort rumorte es in meinem Magen. Denn in dieser Familie war ich das schwarze Schaf.
»Hier entlang, Miss Pritchard«, sagte die Assistentin an meiner Seite und führte mich zum Ende eines langen Tisches, an dem die anderen Eiskunstläufer bereits saßen. Ich war die Letzte. Pech. Mein Juju legte bereits einen schlechten Start hin. Ich trank einen Schluck von meinem mitgebrachten Iced Latte und versuchte, mich lässig zu geben, obwohl ich insgeheim die anderen taxierte. Ich ließ mich auf meinen Stuhl fallen – den letzten rechts, auch das brachte Unglück, aber ich war nicht in der Position, mich zu beschweren. Ganz bestimmt würde ich keinen anderen Platz verlangen, die Zeiten, in denen ich noch Ansprüche stellen konnte, waren vorbei. Jetzt konnte ich von Glück reden, wenn ich ein paar Krümel vom Kuchen abbekam.
Die anderen waren in Businesskleidung oder Designerklamotten erschienen. Über den Dresscode des heutigen Meetings hatte mich keiner im Vorfeld aufgeklärt. Nach dem Anruf gestern hatte ich geglaubt, es handele sich um ein schnelles Infotreffen, mehr nicht. Na toll. Ich trug einen Hoodie, ein Tanktop und Leggings, weil … na ja, weil ich das immer trug. Die Haare hatte ich mir kurzerhand zum Pferdeschwanz gebunden, und geschminkt war ich auch nicht. Alle anderen sahen aus, als wollten sie zu einer Party nach Hollywood.
Vor Unbehagen schwitzte ich, aber ich tat, als kümmerte mich das alles gar nicht, und trank aus purem Trotz den nächsten Schluck Latte laut schlürfend, während ich die Anwesenden weiter musterte. Fünf Eiskunstläufer, und sie lächelten mich alle sehr breit und sehr künstlich an.
»Zara, schön zu sehen, dass es dir wieder besser geht«, rief Emma Rawley, die mir am Tischende gegenübersaß. »Kommst du gerade vom Eis?«
In Gedanken ging ich ihre Erfolge durch. Zweimal Olympia, eine Bronzemedaille. Einmal Erste bei den