: Jacek Inglot
: Eri und das Ei des Drachen
: Woow Books
: 9783961775545
: 1
: CHF 11.70
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 304
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Als Eri in den dunklen Wald geht, um die gute Hexe Mafalda zu besuchen, ahnt sie nicht, dass an diesem Tag das größte Abenteuer ihres Lebens beginnt. Die Hexe hat einen Auftrag für Eri: Sie soll das Ei eines Drachen in Sicherheit bringen, damit der böse Zauberer Widukind es nicht in die Finger bekommt. Denn der Drache wird bald schlüpfen, und derjenige, der ihm zuerst einen Namen gibt, wird zum Guten oder Bösen Macht über den Drachen haben. Zum Glück begegnet Eri auf ihrer gefährlichen Reise vielen freundlichen Wesen, die alle zu Beschützern des Dracheneis und zu wahren Freunden werden.

Jacek Inglot ist Redakteur, Pädagoge und ein vielseitig begabter Autor. Er veröffentlichte bereits eine Reihe von Science-Fiction-Büchern, schreibt aber auch realistische Erzählungen und Geschichtsromane. Zweimal wurde er schon für den polnischen Janusz-A.-Zajdel-Preis nominiert. ?Eri und das Ei des Drachen? ist sein erstes Kinderbuch.

1. Mafaldas Hütte


Bei den meisten Dorfbewohnern hieß er einfach nur »der Wald«. Er nahm seinen Anfang hinter dem Dorf und endete weit weg am Fuß der Düsterberge. Wäre jemand mutig genug, ihn durchqueren zu wollen, hätte er viele Tage und Nächte wandern müssen, so groß war er. Aber die Leute fürchteten sich ohnehin vor der beklemmenden Dämmerung und dem seltsamen, fremden Flüstern, das einem ans Ohr drang, wenn man sich allzu tief ins Dickicht wagte. Die Alten sagten, der Wald sei schon immer so unheimlich gewesen, einige andere meinten, er sei erst so geworden, als Mafalda, die Flüsterin, in eine Waldhütte gezogen war. Mafalda war eine Wissende, und Wissenden trauten die Dörfler nie so recht über den Weg. Trotzdem nahmen sie die Dienste der guten Hexe gerne in Anspruch, denn sie konnte Nachtblindheit heilen, einen Bann brechen, lästige Krankheiten wegsprechen, ein Amulett gegen den bösen Blick machen und was sonst noch alles anfiel. Und so schickten die Dorfbewohner gerne Eri zu ihr, die kleine, mutige Tochter des Zimmermanns. Eri hatte noch nie Angst vor dem Wald gehabt. Sie fand nichts dabei, ins Halbdunkel seiner uralten, bemoosten Bäume einzutauchen. Und sie hatte überhaupt kein Problem damit, Mafalda in ihrer Hütte zu besuchen. Sie tat es sogar sehr gerne.

Das Mädchen war schon immer eher ein Sonderling gewesen, fanden die Leute. Schon allein deshalb, weil sie als Einzige im Dorf rote Haare hatte. Oft benahm sie sich auch sonderbar. Statt mit anderen Kindern zu spielen, träumte sie vor sich hin. Sie liebte Tiere über alles, und die Tiere schienen auch Eri zu lieben. Sie löcherte die Erwachsenen mit den merkwürdigsten Fragen und hörte aufmerksam zu, wenn Hanna, die alte Magd, die als junges Mädchen am Fürstenhof gedient hatte, von Gott und der Welt erzählte. Geschichten aus alten Zeiten und Legenden über Zauberer oder Drachenjäger waren Eri am liebsten. Dann saß sie da, ihre hellgrünen Augen weit aufgerissen, und saugte wissbegierig alles auf. Ganz besonders interessierte sie sich für Hexen, über die wollte sie einfach alles wissen, sodass Hanna eines Tages zu Eris Papa sagte: »Ich glaube, Eri könnte eine Wissende sein.« Stanis war darüber gar nicht begeistert. »Das kommt davon, dass sie immer zu Mafalda geht«, grummelte er. »Ich sollte es ihr einfach verbieten.« Er hatte aber keine Zeit, sich darum zu kümmern, denn es wurde schon Frühling, und er musste sich wieder auf den Weg machen, um Arbeit zu finden. Für einen Zimmermann gab es im Dorf nicht genug zu tun, also blieb Stanis im Winter zu Hause und wanderte das restliche Jahr über kreuz und quer durchs Land. Dabei kam er manchmal sogar bis in die fernen Nordlande.

Als der Vater dann wieder einmal in der Fremde unterwegs war, blieb Eri mit ihrer Mama und den beiden Brüdern zurück. Der ältere Bruder hieß Janis und der jüngere Micha, er war erst im letzten Herbst zur Welt gekommen. Ob Eris Mutter Hannas Verdach