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Montag, 16. Dezember: Morgen, Kinder, wird’s was geben!
»Liebe Kolleginnen und Kollegen, darf ich kurz um Ihre Aufmerksamkeit bitten?« Andreas Sonnenberg schlug mit einem Löffel an seine Kaffeetasse.
Augenblicklich ebbte das lebhafte Stimmengewirr, das im Blauen Salon des SeebäderschiffesJan Petersen geherrscht hatte, ab. Hier und da war leises Husten zu hören, ein paar Tassen wurden vorsichtig auf den adventlich geschmückten Tischen abgestellt, und die Weihnachtsmusik aus den Lautsprechern verstummte.
»Unser Kapitän hat mir gerade mitgeteilt, dass wir fünfundvierzig Minuten vor Helgoland sind. Ich hoffe, Sie haben die Überfahrt bislang genossen«, begann Andreas seine kleine Ansprache. Heute hatte er seinen Anzug gegen Jeans und eine schwarze Strickjacke getauscht und wirkte ungewohnt lässig und entspannt. »Bevor wir aber gleich alle nach draußen gehen, um die Einfahrt in den Hafen zu beobachten, möchte ich ein paar Punkte ansprechen. Als Erstes wünsche ich uns allen ein paar schöne, besinnliche Stunden auf der Insel. Die haben wir uns redlich verdient!«
Sein warmer, dankbarer Blick streifte die Runde. Viele seiner Mitarbeiter lächelten zurück oder nickten leicht. Andere blieben still und warteten neugierig auf das, was noch kommen würde.
»Sie haben sich bestimmt schon gefragt, was wir während der nächsten beiden Tage unternehmen und wo wir übernachten werden. Heute möchte ich das Geheimnis lüften: Nach unserer Ankunft beziehen wir unsere Zimmer in der Jugendherberge der Insel!«
Ein überraschtes Raunen ging durch den Blauen Salon. Damit hatte wohl keiner gerechnet.
»Wir haben uns bewusst für diese einfache Unterkunft entschieden, weil wir möglichst wenig Zeit in den Zimmern, sondern lieber miteinander verbringen wollen. Außerdem konnten wir das gesamte Haus für uns mieten. In den nächsten beiden Tagen werden wir deshalb völlig ungestört und unter uns sein. Das ist wichtig, denn – jetzt kommt die zweite Überraschung – morgen werden wir einen Teamwettkampf veranstalten …«
Wieder war erstauntes Gemurmel zu hören.
»Wir werden uns in kleinen Teams einer Reihe von Aufgaben stellen, die wir nur miteinander lösen können. Keine Angst, das tut nicht weh, sondern soll Spaß machen und gleichzeitig die Kommunikation fördern.«
»Die Gössner-Riechel sieht aus, als müsse sie sich gleich übergeben«, wisperte Cordula und deutete auf die Sekretärin, die am selben Tisch wie ihr Chef Platz genommen hatte und das Geschehen mit gequältem Gesichtsausdruck verfolgte. »Und ich wette, das liegt nicht am Wellengang!«
Miriam legte einen Zeigefinger an die Lippen. Sie saß neben Cordula an einem der riesigen Panoramafenster, die einen wunderschönen Ausblick auf das im fahlen Sonnenlicht glitzernde Meer und den eisblauen Himmel boten. »Sei still, sonst verpassen wir noch etwas Wichtiges!«
»Heute, nach dem Auspacken, kann jeder tun und lassen, was er will«, fuhr Andreas Sonnenberg fort. »Gegen sechs Uhr treffen wir uns im Speisesaal zum Abendessen. Was uns morgen erwartet, erfahren Sie beim Frühstück. Aber ich möchte Ihnen jetzt schon Herrn Steffen Altmann vorstellen, der mi