Die Hüterin Rylee funktionierte nur noch. Äußerlich würde ihr niemand, der sie nicht näher kannte, etwas anmerken. Sie empfing und bediente ihre Gäste wie immer perfekt und lächelte sogar, wenn es angebracht war. Ihr Innerstes war jedoch erstarrt.
Einzig ihre Freundin Emily und ihre Haushälterin Maj wussten, dass etwas nicht stimmte, wenn sie auch nur ahnten, um was es ging.
Vlad war die Ursache all ihrer Probleme, dachte Rylee leidenschaftslos, während sie sich um die Buchhaltung kümmerte und Listen für Einkäufe erstellte. Sie würde ihn einfach aus ihrem Leben streichen, und alles wäre gut.
Der charismatische Vampir war kurz, nachdem sie das neutrale Haus Securus Refugium übernommen hatte, in ihr Leben getreten. Schon bevor sie verstand, dass es sich bei ihm um den Original Dracula aus den Büchern ihrer Kindheit handelte, hatte er eine seltsame Faszination auf sie ausgeübt. Von Anfang an hatte er Interesse an ihr bekundet, obwohl sie unterschiedlicher nicht hätten sein können.
Auf der einen Seite sie, die junge Frau, die bisher kaum etwas erlebt hatte. Erst an ihrem achtzehnten Geburtstag war ihr eröffnet worden, dass sie eine Hüterin war und ein geheimnisvolles Haus geerbt hatte. Auf der anderen Seite er, der Fürst der Dunkelheit, der bereits seit hunderten von Jahren auf der Erde weilte und noch viele weitere Jahrhunderte weilen würde. Mit der Tatsache, dass auch sie kaum altern würde, solange sie sich in einem der neutralen Häuser aufhielt, hatte sie sich noch nicht wirklich beschäftigt. Sie war zu beängstigend, als dass sie sich damit auseinandersetzen wollte.
Rylee wischte den Gedanken an Vlad beiseite. Alle Hoffnungen, die sie sich auf eine gemeinsame Zukunft gemacht hatte, waren von ihm mit wenigen Worten hinfällig gemacht worden. Ausgesprochen am Morgen nach der ersten gemeinsamen Liebesnacht.
Der Satz „Ich heirate heute“ war wie ein Dolch in ihr Innerstes gedrungen und hatte Schmerzen verursacht, die stärker waren als alle, die sie je zuvor erlitten hatte.
Er hatte ihr noch etwas erklären wollen, doch Rylee hatte ihn zunächst nur entsetzt angestarrt, dann die Hände auf die Ohren gedrückt, die Aug