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Die Nacht war warm und still. Eine sanfte Brise wehte durch die geöffneten Fenster in meine Wohnung und roch schwach nach Asphalt, verbranntem Gummi und Barbecue. Das anhaltende Rauschen des Verkehrs drang von der Straße herauf, Stimmen übertönten kurz die Hintergrundgeräusche, bevor sie wieder damit verschmolzen, und das rhythmische Hämmern von Musik aus einem Club dröhnte von zwei Blocks weiter herüber. Ein Helikopter schwebte am Himmel, folgte dem Heulen der Polizeisirenen; von Zeit zu Zeit flog er mit ratternden Rotorblättern über das Haus.
In meiner Wohnung war es friedlich. Unter der Lampe zogen Mücken träge ihre Bahnen, Vögel und andere Tiere blickten von den Bildern an den Wänden herab. Der Kaffeetisch stand in der Mitte des Raums, er war mit Hexplatten aus Karton und Holzspielfiguren übersät. Vier von uns fünfen hatten darum herum Platz genommen. Sonder und ich saßen auf Stühlen, Luna im Schneidersitz auf einem Sitzsack und Variam am Ende des Sofas, wo er finster auf seine Karten blickte. Am anderen Ende des Sofas und ein wenig vom Spiel abgerückt, hatte Anne sich mit angezogenen Beinen zusammengerollt.
»Äh, Variam?«, sagte Sonder. Sonder hat wuscheliges schwarzes Haar und trägt eine Brille. Er wirkt immer etwas schmuddelig, als hätte er in seinen Kleidern geschlafen. »Du bist dran.«
Variam nahm die Würfel und warf sie, ohne hinzusehen. »Sieben.«
Luna sah nach. »Das ist eine Acht, du Idiot.«
Sonder strahlte. »Hervorragend! Fünf Erz, zwei Getreide.«
Variam ignorierte sie beide. »Wir sollten trainieren«, sagte er an mich gewandt.
»Du trainierst seit Wochen«, erwiderte ich und wartete, dass Sonder seine Karten aufnahm, bevor ich nach meinen griff.
»Das ist besser, als nur hier herumzusitzen.«
»Bist du fertig?«, fragte Sonder Variam.
Variam nickte, und Sonder nahm die Würfel. »Wir könnten mehr Kampftraining machen«, meinte Variam, als Sonder würfelte.
»Du brauchst kein weiteres Kampftraining.«
»Sie schon«, sagte Variam und deutete auf Anne.
Luna sah Variam verärgert an.
»Du gehst morgen zu einer Beratung, nicht zu einem Kampf«, sagte ich, bevor Luna Streit anfangen konnte. »Sie will bloß ein wenig über dich erfahren. Mich würde es überraschen, wenn sie dich auch nur darum bitten würde, einen Zauber zu wirken.«
Sonder sah zwischen uns hin und her.
»Vielleicht sollten wir ihr zeigen, was wir können«, sagte Variam.
»Variam, sie ist eine kleine alte Dame«, erwiderte ich. »Sie lebt in einem Reihenhaus in Brondesbury. Sie wird wohl keine Vorführung verlangen, um zu sehen, wie gut ihr Dinge einäschern könnt.«
Variam lehnte sich mit gereiztem Blick zurück.
»Äh«, sagte Sonder. »Ich bekomm eine Stadt und eine Entwicklungskarte.« Er schob die Würfel zu Luna. »Du bist dran.«
Luna wartete, bis Sonder die Hand zurückgezogen hatte, bevor sie die Würfel nahm und warf. Meiner Magiersicht zufolge erschien Lunas Fluch als silbrige Aura, die sich um ihre Gliedmaßen und ihren Körper wand wie lebendiger Nebel. Silberne Ranken tasteten über die Würfel, während diese hüpften, und verschwanden, sobald sie still dalagen.
»Sieben«, sagte Luna zufrieden. »Lass mal sehen, der Räuber kann « sie nahm die schwarze Figur und zog damit einen Kreis über dem Brett » dorthin.« Sie platzierte den Räuber auf Variams Siedlungen und