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JAMES
Der Aufstand wird bald beginnen.
Ich spüre die Anspannung in der Luft.
Überall, wo ich hinkomme, werden Blicke getauscht, Nachrichten weitergegeben, Geheimnisse geflüstert.
Die Welt friert ein. Das Eis rückt auf uns vor, und wir sitzen alle in der Falle. Wenn wir nicht rauskommen, sterben wir hier.
Was sich da zusammenbraut, ist ein Plan zur Flucht. Das ist das Gute daran. Das Schlechte ist, dass ich nicht Teil dieses Plans bin. Niemand hat mir etwas erzählt, und ich bezweifle, dass sie es noch vorhaben.
Mir bleibt nichts anderes übrig, als es hinzunehmen. Also mache ich meine Arbeit, ziehe den Kopf ein und schaue Nachrichten.
Auf dem ramponierten Fernseher läuft ein Beitrag von CNN. Durch das Donnern der Maschinen hinter mir ist der Sprecher kaum zu hören.
Am dritten Tag in Folge ist in Miami Schnee gefallen. Das ist ein neuer Rekord, und die Regierung von Florida hat um die Hilfe des Bundes gebeten.
Diese Forderung löste Proteste bei Bewohnern und Regierungen im ganzen Nordwesten aus, die den Bund ihrerseits dazu drängen, die Evakuierungen zu beschleunigen. Je länger sich der Lange Winter hinzieht …
Ich habe keine Ahnung, wer den Begriff Langer Winter geprägt hat. Vielleicht die Medien. Oder die Regierung. Jedenfalls hat er sich durchgesetzt. Die Menschen mögen ihn lieber als Vergletscherung (zu technisch) oder Eiszeit (zu beständig). Langer Winter klingt, als wäre das Ende gleich um die Ecke, als ginge es nur um eine Jahreszeit von ungewöhnlicher Dauer. Ich kann nur hoffen, dass das zutrifft. Sicher weiß man bei der National Oceanic and Atmospheric Administration und anderen Wetterbehörden auf der ganzen Welt inzwischen Bescheid. Uns haben sie jedenfalls nichts gesagt (daher die höchsten Einschaltquoten des Jahrhunderts bei Nachrichtensendungen).
Ein Signalton summt.
Ich ignoriere ihn.
Der nächste Nachrichtenbeitrag beginnt. Ich unterbreche meine Arbeit kurz und lasse die Bilder auf mich wirken.
Der Text am unteren Rand nennt Rosyth am Stadtrand von Edinburgh als Örtlichkeit. Ein Reporter mit kurzem grauen Haar steht auf einem Dock im Schatten eines riesigen weißen Kreuzfahrtschiffs. Die Gangway ist ausgefahren, und ein gleichmäßiger Strom von Menschen schlurft auf das Schiff zu. Die Bäume in der Ferne sind völlig weiß, als wären sie durch und durch gefroren. Der Schnee fällt in dicken Schwaden.
Das Bild hinter mir mag wirken, als würden Erholungssuchende zu einer Urlaubskreuzfahrt aufbrechen, doch nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Das Schiff, das Sie hier sehen, war bis vor drei Wochen als Emerald Princessunterwegs, ehe es von der Regierung Seiner Majestät aufgekauft und in Summer Sunumbenannt wurde. Es gehört zu einer Flot