Das Problem der Arbeit
Das Büro liegt in einem Teil der Stadt, den ich »Betoninsel« nenne, weil es eine Insel ist, die aus Beton besteht. Es ist eine Welt für sich, nur per Auto oder über ein kompliziertes Netzwerk von Brücken erreichbar. Der größte Teil besteht aus unbebauten Betonflächen, die von Unkraut überwuchert sind. Und ausgerechnet dort, mittendrin, befindet sich mein altes Büro.
Die dreieckige Parzelle wird auf der einen Seite von der Autobahn begrenzt, auf der anderen von einer zweispurigen, vielbefahrenen Schnellstraße und an der längsten Seite von einer Fläche aus verrottetem Beton, dem meine Mit-Gestrandeten den Namen »das Ödland« verpasst haben.
Zuerst hatte ich totale Schwierigkeiten, überhaupt wieder dorthin zu finden. Ich dachte, ich würde mich daran erinnern, hoffte, dass meine Zombie-Füße selbstständig den Weg finden würden, aber entweder hatte sich irgendwas verändert (unwahrscheinlich, weil der Ort ziemlich vernachlässigt war), oder meine Erinnerungen an damals waren völlig verzerrt. Ich weiß, das hört sich alles erst mal völlig unglaubwürdig an, aber es war ja wirklich eine Menge passiert, seit ich das letzte Mal hierhergekommen war: Ich hattegelebt, Mann! Ich hatte im Ausland gelebt, meine Frau kennengelernt, in Florida einen Pinguin zum Haustier gehabt, Kanada in der Eisenbahn durchquert, die schwefelige Lava eines Vulkans auf Hawaii gerochen, einige meiner Helden getroffen, Bücher geschrieben, eine Voodoo-Hühnerkralle in einem Fenster des Parlamentsgebäudes von Budapest hängen sehen … Nichts von alledem war vorgesehen. Vorgesehen gewesen war, hier auf der Betoninsel zu bleiben. Meine Güte, wenn ich an die Leute denke, die aus eigenem Antrieb hiergeblieben waren und denen dabei bewusst war, dass sie etwas Bedeutenderes und Kreativeres hätten tun können, wenn sie nur zum richtigen Zeitpunkt auf die richtige Schule gegangen wären. Eines Tages würde ich für diese Leute ein Buch schreiben. Ich würde esDas gute Leben für Lohnsklaven nennen.
Glücklicherweise kam ich so idiotisch früh an, dass ich genug Zeit hatte, mir darüber Gedanken zu machen, wie ich reinkommen könnte. Dank Google Maps wusste ich wieder, wo die Insel zu finden war – ich hatte das keilförmige Stück Land auf meinem Laptop von oben erkennen können, als ich noch zu Hause war –, aber als ich dort ankam, wurde mir der Zutritt zur Insel von einem dieser Zäune verwehrt, die normalerweise Baustellen eingrenzen. Ich konnte nicht darüberschauen, um herauszufinden, wie ich das Büro erreichen konnte.
Schließlich fiel mir ein, dass Fußgängerbrücken auf Google Maps nicht verzeichnet waren. Ich musste also wieder zurückgehen und die erste Fußgängerbrücke nehmen, ihren Windungen folgen, bis ich auf der Insel angelangt war. In der Mitte der Insel stand das dreistöckige Bürogebäude.
Ich stand auf dem Beton, der Wind fuhr mir durch die Haare und versuchte, den Ort auf mich wirken zu lassen. Wie viele Nachkriegsgebäude in europäischen Städten war auch dieses Gebäude im brutalistischen Stil erbaut worden, der in den Sechzigerjahren populär gewe