: Thea C. Grefe
: Eine Prise Marrakesch Roman
: Blanvalet Verlag
: 9783641241674
: 1
: CHF 2.70
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 448
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In Marrakesch, der Stadt der tausend Farben, verwandeln sich Träume in Möglichkeiten ...

In einem alten Hotel in Marrakesch treffen vier Menschen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Klara, eine temperamentvolle Hobbyköchin, die für ihr Leben gern Horoskope liest, Karim, ein marokkanischer Geschäftsmann mit großen Träumen und schwer lastenden Sorgen, Charlotte, eine Fotografin, in der ungeahnte Talente schlummern und schließlich Alain, ein begnadeter Koch, der vor seinen Geldproblemen flieht. Sie alle haben guten Grund, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Gemeinsam beschließen sie, das Hotel aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Dabei kommen sie nicht nur einem lang gehüteten Geheimnis auf die Spur, sondern sie merken auch, dass es nie zu spät ist für die Liebe ...

Eine herzerwärmende Liebes- und Freundschaftsgeschichte mit Originalrezepten aus dem Herzen von Marrakesch!

Thea C. Grefe hat ihre Zeit schon immer am liebsten auf Reisen verbracht, entweder im Kopf, wenn sie sich von Büchern in eine fremde Welt entführen lässt, oder ganz real, auf einem ihrer vielen Trips nach Nordafrika und darüber hinaus, von Norwegen über Uganda bis nach Syrien. Dabei hat sie gelernt, dass es nie zu spät ist, das Leben noch einmal neu zu entdecken und die eigenen Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Für ihren aktuellen Marrakesch-Roman befasste sie sich intensiv mit Marokkos jüngerer Geschichte, aber auch mit Rezepten orientalischer Köstlichkeiten, die sie vor Ort gesammelt und alltagstauglich umgesetzt hat. Sie ist Mutter zweier erwachsenen Töchter und lebt als freie Autorin mit ihrem Mann am Stadtrand von Nürnberg.

Der Halaiqi

Ein guter Erzähler lässt seine Zuhörer mit den Ohren sehen, hatte Großvater gesagt, wenn er sein Publikum mit Saladin und Sindbad dem Seefahrer unterhielt, mit Liebesabenteuern, die zu Tränen rührten, und mit wahren Geschichten, durch die Vergangenes ebenso vorstellbar wurde wie Neues oder Fremdes. Was für ein Glück, dass er das Erzählen einst von ihm erlernt hatte! Einem begnadeten Fabulierer wie Großvater, Allah schenke seiner Seele Frieden, und auch ihm, seinem Schüler, folgte und vertraute man. Und so sollte es sein. Menschen brauchten Geschichten, und er, Abderrahim El Moukouri, einer der letzten Geschichtenerzähler Marrakeschs, würde nicht aufhören, sie zu erzählen.

Wie sonst sollte man eine Welt ertragen, in der Denken und Fühlen von Hetze und Technik zurückgedrängt wurden und Worte zu bloßen Mitteilungen schrumpften, begraben unter Fakten? Wenn man dann noch die Flut an Ablenkungen heutzutage bedachte wie diese kitschig buntenTV-Serien, in Ägypten produziert und in allen arabischen Ländern ausgestrahlt … Erkannte denn niemand die Säulen aus Styropor, die bemalten Pappen, aus denen die angeblichen Villen bestanden, oder die künstliche Üppigkeit der Gärten? Und erst die falschen Tränen, das vorgetäuschte Glück – störte sich niemand an solch verlogenem Schein?

La illah illalah1, so lange er konnte, würde er dagegenhalten! Schon Großvater war davon überzeugt gewesen, dass Erzählungen wie Tinte in Löschpapier tief in die menschliche Seele eindrangen.

1Für Erläuterungen zu den einzelnen Fremdwörtern und Redewendungen siehe Glossar am Ende des Romans.

Er strich seinedjellabah glatt und richtete denchêche, dann begab er sich zu seinem angestammten Platz. Die Schatten der Koutoubia-Moschee dehnten sich, die Trommeln der maurischen Tänzer brachten die Luft zum Pulsieren, und über den Garküchen stiegen erste Dampfschwaden in das sanft violette Glühen des Sonnenuntergangs. Es war die richtige Zeit. Und wie an vielen Abenden, wenn sich die Sonne zur Ruhe begab, wenn an den Ständen Lampen aufflammten und Familien und Müßiggänger auf der Suche nach Unterhaltung und Gesellschaft über denDjema el Fnaa schlenderten, entzündete er auch heute seine Laterne, stellte sie vor sich auf den Boden und erwartete sein Publikum.

Allah sei Dank kamen immer noch genügend Leute zusammen, um sich von seinen Geschichten verzaubern zu lassen. Manche unterbrachen ihren Weg nur für kurze Zeit, bevor sie wieder in Geschäft und Alltag eintauchten, andere aber blieben. Sie lauschten, folgten seinen Worten und Gedanken und kamen zur Ruhe. Ihm waren sie alle willkommen, besonders natürlich diejenigen, die seine Erzählkunst mit klingender Münze entlohnten.

Und Allah sei Dank fanden sich nicht nur die Alten ein, die bereits alle Facetten des Lebens kannten, die gern innehielten, über das Gehörte nachsannen und sich mit dem Nachbarn austauschten. Auch Junge, von denen die meisten ziellos herumgeschlendert waren, traten wie zufällig näher. Sie stießen sich mit den Ellenbogen an, grinsten halb verlegen, halb gönnerhaft und alberten herum. Doch auch ihre Stimmen wurden leiser, sie schalteten ihre Smartphones auf stumm und wandten sich ihm zu.

»Bismillah, meine lieben Freunde. Die Rosen beginnen zu blühen, und wie immer zu dieser Zeit treffen Menschen aus aller Herren Länder bei uns ein«, begann Abderrahim. »Aus der ganzen Welt strömen sie herbei und bestaunen die Schönheiten unser