: W. Bruce Cameron
: Ein Versprechen auf vier Pfoten Roman
: Heyne Verlag
: 9783641261252
: 1
: CHF 5.40
:
: Erzählende Literatur
: German
: 496
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein herzerwärmender Roman über die bedingungslose Liebe zwischen Mensch und Tier

Bailey ist sich sicher, dass alle Hunde, die so lieben wie er, in den Himmel kommen. Doch bevor er in Frieden ruhen kann, gibt es noch eine Familie, die auseinanderbricht und dringend seine Hilfe braucht. Denn Burke sitzt im Rollstuhl, und sein Bruder Grant gibt ihm nicht nur die Schuld an der Trennung der Eltern, sondern für alles, was in seinem Leben schief läuft. Und so kehrt Bailey auf die Erde zurück und wird als Cooper wiedergeboren. Aber diesmal ist er nicht allein: Seine Hundefreundin Lacey hilft ihm, einen wichtigen Auftrag zu erfüllen — über alle zeitlichen Grenzen hinweg.

W. Bruce Cameron, 1960 geboren, ist als Kolumnist und Autor international bekannt. Seine Kolumne zur Erziehung von Teenagern war 1995 so populär, dass sie als Buch veröffentlicht wurde, das als Vorlage für die TV-Serie »Meine wilden Töchter« diente. Mit seinem RomanIch gehöre zu dirlandete er 2010 einen Bestseller. Die Reihe um den Hund Bailey wurde erfolgreich fortgesetzt und verfilmt.

1


Am Anfang kannte ich nur die nährende Milch meiner Mutter und die heimelige Wärme ihrer Zitzen, wenn ich trank. Erst als ich meine Umgebung genauer ­wahrnahm, erkannte ich, dass ich Geschwister hatte, die mit mir um Mutters Aufmerksamkeit konkurrierten und ­ständig versuchten, sich an mir vorbeizudrängeln und mich wegzu­schieben. Aber Mutter liebte mich, das fühlte ich, wenn sie mich beschnüffelte und mit ihrer Zunge sauber schleckte. Und ich liebte meine Mutter.

Da der Boden und die Wände unserer Höhle aus Metall waren, hatte Mutter an der hinteren Wand eine weiche Decke zu einem warmen Lager drapiert. Sobald meine Geschwister und ich richtig sehen und uns gut genug bewegen konnten, um unsere Umgebung zu erforschen, entdeckten wir, dass der Boden unter unseren Pfoten nicht nur hart und rutschig war, sondern auch kalt. Auf der Decke war das Leben viel besser gewesen. Das Dach über unseren Köpfen war eine brüchige Plane, die mit lautem Knattern im Wind flatterte.

Am interessantesten fanden wir den verlockenden recht­eckigen Spalt vor der Höhle, durch den Licht und eine berauschende Mischung an Gerüchen zu uns hereinströmten. Der Boden der Höhle erstreckte sich an dieser Stelle nach draußen. Mutter ging oft zu diesem Fenster ins Unbekannte, während ihre Krallen auf dem Metallvorsprung, der in die Außenwelt hinausragte, klapperten, und dann … verschwand sie.

Wenn Mutter ins Licht hinaussprang und uns allein ließ, kuschelten wir Welpen uns aneinander, um in der eisigen Kälte von Mutters Abwesenheit etwas Wärme zu finden, sprachen uns fiepend Trost zu und schliefen irgendwann vor lauter Erschöpfung ein. Ich fühlte, dass meine Geschwister genauso verwirrt und ängstlich waren wie ich. Wir fürchteten, sie würde vielleicht nie wieder zurückkehren, aber unsere Sorge war unbegründet, denn sie tauchte jedes Mal so geschwind in dem rechteckigen Spalt erneut auf, wie sie verschwunden war.

Als unsere Sehkraft und unsere Koordination besser wurden, nahmen wir unseren ganzen Mut zusammen und folgten Mutters Geruch bis auf den Vorsprung hinaus, was allerdings sehr beängstigend war. Die Welt in ihrer schwindelerregenden Vielfalt an Möglichkeiten stand uns unter diesem Vorsprung offen, der Zugang bedeutete jedoch einen freien Fall aus unermesslicher Höhe. Wie schaffte Mutter es nur, da hinunterzuspringen und anschließend wieder herauf?

Ich hatte einen Bruder, den ich in Gedanken als Brummer bezeichnete. Meine Geschwister und ich waren die meiste Zeit damit beschäftigt, ihn aus dem Weg zu schieben. Wenn er über mich drüberkletterte, um oben auf dem Wurf zu schlafen, fühlte sich das an, als würde er meinen Kopf platt drücken. Es war allerdings schwierig, mich aus dem Gewusel herauszuwinden, weil meine Geschwister mich immer wieder zurückdrängten. Brummer hatte die gleiche weiße Schnauze und Brust und den gleichen weißen, grau-schwarz gesprenkelten Körper wie wir alle, aber seine Knochen und seine Haut waren irgendwie schwerer. Wenn Mutter eine Erholung vom Säugen brauchte und aufstand, beschwerte Brummer sich jedes Mal am längsten. Und selbst wenn alle anderen Welpen satt waren und spielen wollten, verlangte