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Das Unwetter
31 Jahre später
Die Katze kam zu schnell aus der Hecke, Kurt Karrer konnte nicht mehr bremsen. Er unternahm nicht einmal den Versuch. Ans Bremsen war jetzt nicht zu denken auf der klatschnassen Strasse, nicht bei diesem Einsatz. Er musste da einfach durch, beziehungsweise drüber. Über die weisse Katze mit dem schwarzen Fleck auf dem rechten Auge, die zur falschen Zeit aus der Hecke gekommen war. Und die jetzt mausetot war.
Dabei hatte der Tag herrlich begonnen. Kurt war früh aufgestanden und konnte den Dunst beobachten, der sich aus dem niedergemähten Sonnenblumenacker erhob und die schräg einfallenden Sonnenstrahlen sichtbar machte. Es würde noch einmal heiss werden an diesem Augusttag. Grund genug, das Schwimmbecken abzudecken. Kurt hatte keine konkreten Pläne. Gerne wäre er mit seinem Mountainbike über den Kreuzberg gefahren, aber das lag nicht drin. Würde sich der Pager melden, dann müsste er innert 15 Minuten einsatzbereit im Dienstwagen sitzen. Es machte ihn stolz, den orange-weissen Polizeiwagen mit dem Blaulicht vor seiner Garage stehen zu haben. Wenn der Nachbar ihm einen «ruhigen Dienst» wünschte, dann gab Kurt ein Seufzen von sich und fand immer einen Grund, weshalb es dieses Wochenende theoretisch einen Einsatz geben konnte. Sei es das Sommernachtsfest, die Eisglätte oder einfach das Wetter. Aber tatsächlich kam es nie zu einem Einsatz. Jedenfalls nicht zu einem richtigen. Regenbolz war zwar das Dorf mit