PROLOG
Fertig!
Maddie Ryan richtete sich auf. Erhitzt von der Sonne, die vom tiefblauen Himmel brannte, stützte sie die erdverschmierten Hände in die Hüften und betrachtete zufrieden ihr Werk: Jedes Blatt, jede einzelne Blüte war perfekt arrangiert, die Pflanzen in den Terrakottagefäßen strahlten in voller Blüte und säumten den von einem Säulengang umgebenen Hof. Der alte Springbrunnen in der Mitte, endlich liebevoll restauriert, funktionierte nach jahrelanger Pause wieder: Wie eine silberne Feder schoss das Wasser Richtung Himmel, um dann plätschernd zurück ins Steinbecken zu fallen.
Für die Feier am Abend war also alles fertig – und Maddies erstes wichtiges Projekt als selbstständige Landschaftsgärtnerin erfolgreich abgeschlossen. Diesen Auftrag hatte Amanda ihr verschafft, ihre beste Freundin seit der Schulzeit. Sie und Maddie waren so verschieden wie Tag und Nacht: Maddie ein natürlicher Wildfang, Amanda eine zarte und elegante blonde Schönheit. Doch obwohl sie so unterschiedlich waren, hatten sie sich immer gut verstanden. Nach dem Schulabschluss hatte Amanda Karriere als Model gemacht und ein Leben voller Luxus und Glamour begonnen. Darum hatte Maddie, die Gartenbau studiert hatte, sie nicht beneidet, sondern sich für ihre Freundin gefreut. Erst recht, als Amanda sich in einen unglaublich reichen griechischen Geschäftsmann verliebt und diesen schließlich geheiratet hatte.
Drei Monate nach der Hochzeit hatte Amanda sie an einem kühlen Frühlingstag angerufen.
„Hättest du Lust auf einen gut bezahlten Arbeitsurlaub?“, hatte sie gefragt. „Cristos hat eine tolle Villa in der Nähe von Athen gekauft. Das Haus ist großartig, aber das Grundstück ziemlich vernachlässigt und verwildert, besonders der Hof. Ich stelle mir etwas im maurischen Stil vor. Kannst du den Auftrag annehmen? Cristos sagt, Geld spiele keine Rolle.“ Sie lachte glücklich. „Er tut einfach alles, um mir eine Freude zu machen. Im Gegensatz zu den meisten griechischen Männern behandelt er Frauen nämlich durchaus als eigenständige Wesen.“
Morgen würde Maddie sonnengebräunt, mit einem dicken Scheck und vielen schönen Erinnerungen nach England zurückkehren – und hoffen, dass bei ihrer Mutter in der Zwischenzeit zumindest einige Anfragen auf die in der Lokalzeitung geschaltete Werbeanzeige eingegangen waren.
Als sie sich umwandte, um einen letzten prüfenden Blick auf das geschickt versteckte Bewässerungssystem für die Topfpflanzen zu werfen, ging das Holztor auf, durch das man vom Hof in den kleinen Zitronenhain gelangte. Maddie schob sich die goldblonden Locken aus der Stirn, die sich in ihren dichten Wimpern verfangen hatten, um den Traummann besser betrachten zu können, der auf den Hof geschlendert kam.
Der Mann war ebenso leger gekleidet wie sie: Er trug abgetragene verblichene Jeans und ein altes schwarzes Oberteil ohne Ärmel, genau wie Maddie, nur dass sie statt Jeans knappe Baumwollshorts anhatte. Bestimmt ein Einheimischer auf der Suche nach einem Gelegenheitsjob, dachte sie, als er sich näherte. Doch mit seinen etwa vierunddreißig Jahren war er älter als die jungen Männer, die sie angestellt hatte, damit sie ihr beim Tragen der schweren Gegenstände halfen.
Ein Arbeitsloser, der seine Frau und eine ganze Horde kleiner Kinder ernähren musste und sich für ein paar Tage verdingen wollte? Was für eine Verschwendung, dachte Maddie. Denn mit seinem atemberaubenden Aussehen wäre er sicher ein gefragtes Model: groß, dunkelhaarig und unglaublich attraktiv. Ein Blick auf seine markanten Gesichtszüge würde bei den meisten Frauen weiche Knie verursachen. Ein maskuliner, aber schlanker Körper und ein leicht herrischer, doch zugleich sinnlicher Mund, fuhr Maddie in Gedanken fort und fügte, als der Mann vor ihr stehen blieb, hinzu: goldbraune, warme Augen, von betörend langen dunklen Wimpern umgeben.
Mit diesen faszinierenden Augen blickte er sie fragend an. Da ihre Kehle plötzlich wie zugeschnürt war, musste sie schlucken und sagte dann mit aufrichtigem Bedauern: „Es tut mir leid, aber wir stellen niemanden mehr ein. Das Projekt ist abgeschlossen.“
„Tatsächlich?“ Der Mann wirkte nicht sonderlich enttäuscht. Er lächelte sogar, was eine geradezu elektrisierende Wirkung auf Maddie hatte.
„Und wer sind Sie?“ Er zog eine seiner dunklen Augenbrauen hoch.
„Maddie Ryan, Landschaftsgärtnerin und für dieses Projekt verantwortlich“, erwiderte sie.
Ihren Taufnamen Madeleine verdankte sie ihrer Mutter, die sich nach drei ungestümen übermütigen Söhnen darauf gefreut hatte, ihr Töchterchen mit hübschen Kleidchen herauszuputzen und zu einer kleinen Dame zu machen. Doch Madeleine hatte darauf bestanden, „Maddie“ genannt z