2. Kapitel
Am nächsten Tag kränkelte Peter.
Das war nichts Ungewöhnliches. Peter war ein sehr sensibles, für alle Umwelteinflüsse anfälliges Kind, das schnell mit leichteren Krankheiten reagierte, wenn etwas nicht so war, wie er es kannte oder er Angstzustände bekam.
Als ich zu ihm ging, sagte mir Miss Evans gleich, dass er schon die ganze Zeit nach mir gerufen habe. Auch das war nichts Neues.
Wie er da so in seinem Bett lag, mit glänzenden Augen und leicht geröteten Wangen, floss mein Herz sofort wieder über vor lauter Liebe zu diesem kleinen verletzlichen Wesen.
„Mein Liebling, was ist mit dir? Hast du wieder Bauchschmerzen?“
Er nickte nur und deutete auf seinen Bauch.
Also schob ich die Decke beiseite und legte meine Hand auf seinen Bauch, wie ich es dann immer machte. Unruhig sah er mich an, und sein Blick flackerte. Ich wusste, dass er Angst hatte.
„Hast du schlecht geträumt, Darling? Willst du es mir erzählen?“
Er nickte heftig, also lächelte ich ihn aufmunternd an. Er brauchte ein paar Ansätze, aber dann kam es doch aus ihm herausgeplatzt.
„Ich habe wieder geträumt, dass du weggehst.“ Er sah mich mit großen, ängstlichen Augen an, wie ein kleines Rehkitz.
Mir gab es einen Stich in mein Herz.
Ich konnte einfach nicht anders: Ich hob den kleinen Jungen vorsichtig aus dem Bett und hielt ihn ganz fest in meinen Armen.
Er klammerte sich an mich und flüsterte immer wieder: „Du lässt mich doch nicht allein, oder?“
Ich hielt ihn so fest wie ich konnte, weil ich wusste, dass es ihn am schnellsten wieder beruhigte.
Immer wieder beteuerte ich ihm, dass ich ihn niemals allein lassen würde. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, denn am Abend zuvor hatte ich diese Möglichkeit in Erwägung gezogen. Ob er davon irgendwas gemerkt hatte? Es gab ja Menschen, die in der Lage waren, die Gedanken anderer zu erspüren. Ich gehörte nicht dazu, aber vielleicht mein kleiner Peter. Das würde ihm sein Leben sehr erschweren, und er würde schon mit seiner Feinfühligkeit genügend Probleme mit seiner Umwelt bekommen.
In diesem Moment war ich bereit, auf mein persönliches Glück zu verzichten, nur um Peter, solange ich konnte, die größeren Schwierigkeiten zu ersparen. Alles würde ich ihm nicht abnehmen können, aber allein, dass ich da war, bedeutete für ihn schon einen ungeheuren Halt. Den würde ich ihm niemals nehmen.
Also begrub ich meine Pläne mit Miss Nightingale. Mir war offensichtlich ein anderer Weg bestimmt. Vielleicht würde ich ja niemals eigene Kinder haben, nur um mich um dieses eine Kind zu kümmern. Ein Kind, das viel meh