: Amanda Jennings
: Ich will dein Leben Roman
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732586325
: 1
: CHF 8.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 447
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Cornwall im Sommer 1986. Fasziniert beobachtet die sechzehnjährige Tamsyn ihre neuen Nachbarn: den attraktiven Mr. Davenport, seine wunderschöne Ehefrau und ihre schillernde Tochter Edie, die etwa in Tamsyns Alter ist. Als sich die ungleichen Mädchen schließlich kennenlernen, hat dies ungeahnte Folgen. Denn hinter dem scheinbar perfekten Familienidyll der Davenports verbergen sich dunkle Abgründe,und Tamsyns neidvoller Blick auf ihre Nachbarn wird immer mehr zur unheilvollen Obsession ...



Amanda Jennings unterrichtete Kunstgeschichte an der Cambridge University und arbeitete bei der BBC. Sie hat mehrere psychologische Spannungsromane geschrieben, von denen einige international veröffentlicht wurden. Ihr neuester Roman Ich will dein Leben spielt in Cornwall, wo Jennings viel Zeit während ihrer Kindheit verbrachte. Heute lebt sie in Henley mit ihrem Mann und ihren drei Töchtern.

ZWEI


Tamsyn – Juli 1986


Als ich wach wurde, sprang ich sofort aus dem Bett. Es war der erste Tag der Ferien, und ich konnte es kaum erwarten, von hier zu verschwinden.

Ruhig lag das Haus da, die Stille, die mich umgab, war dick wie Erbsensuppe. Mum war schon bei der Arbeit, und mein Bruder befand sich in seinem Zimmer, hinter fest verschlossenen Türen. Ich wusste, er schlief noch, dazu musste ich nicht mal nachsehen. Schlafen war so ziemlich alles, was er tat, seit die Zinnmine geschlossen worden war. Auch Grandpa war auf seinem Zimmer. Obwohl es eigentlich nicht sein Zimmer war, sondern das von Mum und Dad. Aber nachdem mein Großvater bei uns eingezogen war, hatte Mum sich ein Klappbett ins Wohnzimmer gestellt. Sie wollte, dass er es gemütlich bei uns hatte. Wegen seiner Lungenkrankheit, erklärte sie. Ich weiß noch, wie der Mann von der Halde kam, um das Bett meiner Eltern abzuholen. Jago hatte es auf die Straße geschleppt, dann sahen wir drei zu, wie der Mann und sein Kumpel es auf den Laster wuchteten. Im Austausch gegen ein Sixpack Bier. Auch wenn Mum das Ganze nicht kommentierte, war ihr doch anzusehen, dass sie traurig darüber war. Aber, wie sie sagte, Grandpa brauchte den Platz, und ein Sessel nützte ihm mehr als ein Doppelbett.

Seine Tür stand einen Spalt weit offen, und da saß er in seinem Sessel, nachdenklich über ein Puzzle gebeugt, dessen Teile auf dem kleinen Tisch vor ihm verstreut waren. Ich beobachtete ihn ein paar Minuten, bereit zu lächeln, falls er mich bemerkte, aber er rührte sich kein bisschen, starrte nur unverwandt auf den Tisch.

Ich wandte mich ab und ging hinüber zu dem Wäscheschrank auf dem Treppenabsatz. Den benutzte Mum nun für ihre Sachen. Die früher darin aufbewahrten Laken und Handtücher hatte sie in einem Karton verstaut, der nun in einer Ecke von Grandpas Zimmer stand. Dann hatte sie die unteren Regalbretter herausgenommen und eine Kleiderstange in den Schrank eingebaut. Die bestand aus einer langen Kiefernstange aus dem Baumarkt, die sie mit unserer rostigen Säge auf die richtige Länge gebracht hatte. Damals dachte ich, dass sie das wirklich gut hingekriegt hat, wo sie doch nicht Dad ist.

Ich öffnete den Schrank und starrte auf die Kleider und die Schuhe, die sorgsam darunter aufgereiht standen. Auf dem obersten Brett lagen einige Schachteln, in denen Mum Gürtel und Ohrringe, ihre Wintermütze und einen Schal aufbewahrte. Ich fuhr mit den Fingern über die Kleider auf den Bügeln, genoss es, die unterschiedlichen Stoffe zu fühlen, während ich nach etwas Hübschem Ausschau hielt. Etwas Passendem.

Mein Blick blieb an ihrem Regenbogenkleid hängen, und ich lächelte. »Perfekt.«

Ein Schauer der Erregung erfasste mich, als ich das gute Stück mit ins Badezimmer nahm und hinter mir die Tür schloss. Ich ließ meinen Morgenmantel zu Boden fallen und schlüpfte in das Kleid. Zog es an den Hüften und der Taille glatt. Spürte, wie der Kreppstoff dabei rau über meine Haut strich. Mum bewahrte ihre Kosmetika in einer geblümten Kulturtasche auf. Diese stand auf einem metallenen Rollwa