: Iny Lorentz
: Glanz der Ferne Roman | Historische Roman-Trilogie im Berlin des 19. Jahrhunderts
: Verlagsgruppe Droemer Knaur
: 9783426437995
: Berlin-Trilogie
: 1
: CHF 10.00
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 624
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das dramatische Finale der großen historischen Saga um eine Berliner Fabrikanten-Familie von Bestseller-Autorin Iny Lorentz Berlin in den Jahren 1897-1900: Den Familien von Hartung und von Gentzsch stehen im Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts unruhige Zeiten bevor. Mittlerweile hat Theo von Hartung die Leitung der Tuchfabrik von seinem Vater übernommen, doch immer häufiger werden Aufträge storniert oder unter fadenscheinigen Begründungen die Preise gedrückt. Zur selben Zeit macht Vicky von Gentzsch, die Nichte von Theo und Rieke, die Bekanntschaft einer zauberhaften Dame, die sie in die mondänen Kreise der hochgeborenen Berliner Gesellschaft einführt. Hier scheint Vicky ein Leben zu erwarten, das um so vieles interessanter und freier ist, als ihr steifes Zuhause bei ihrem strengen Vater Gustav. Doch der Schein trügt: Vickys neue Freundin hat keineswegs im Sinn, dem Mädchen zu einem besseren Leben zu verhelfen ... Der historische Roman um ein dramatisches Frauenschicksal erweckt das Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts zum Leben Die historischen Romane von Iny Lorentz bieten spannende Unterhaltung auf höchstem Niveau. Mit ihrer Berlin-Trilogie um die Fabrikanten-Familie von Hartung lässt die Spiegel-Bestseller-Autorin das 19. Jahrhundert in Deutschland lebendig werden und verknüpft geschickt politische Wirrnisse mit persönlichen Schicksalen.  Die historische Familien-Saga besteht aus den Romanen - Band 1: »Tage des Sturms« (1846-1849) - Band 2: »Licht in den Wolken« (1864-1870)  - Band 3: »Glanz der Ferne« (1897-1900)

Iny Lorentz ist das Pseudonym des Autorenehepaares Iny Klocke und Elmar Wohlrath, das seit mehr als zwei Jahrzehnten erfolgreich historische Romane schreibt und regelmäßig die vorderen Plätz auf den Bestsellerlisten belegt.  Ihre 'Wanderhure' und fünf weitere ihrer Romane wurden verfilmt und drei als Theaterstücke umgesetzt. Viele ihrer Romane wurden zudem in andere Sprachen übersetzt. Das Autorenpaar wurde unter anderen mit dem 'German Audio Book Award Gold' für 'Die Wanderhure', den Goldenen Homer für unsere Verdienste für den Historischen Roman und den Wandernden Heilkräuterpreis der Stadt Königsee für 'Die Wanderapothekerin' ausgezeichnet.   Besuchen sie die beiden auf ihrer Homepage, auf Facebook und Instagram: www.inys-und-elmars-romane.de www.facebook.com/Inys.und.Elm rs.Romane www.instagram.com/iny.lorentz

2.


Victoria flegelte sich gelangweilt auf ihrem Stuhl. Sie hasste dieses düstere Schweigen bei den Mahlzeiten, wenn sich die Konversation darauf beschränkte, den Nebenmann zu bitten, einem den Salzstreuer oder das Mostrichfässchen zu reichen.

Da ihr Vater erst in diesem Jahr nach mehr als zwanzig Jahren, die er als Landrat im Westfälischen gewirkt hatte, nach Berlin berufen worden war, kannte sie die Berliner Verwandtschaft nur von gelegentlichen Besuchen. Ihre Tante Charlotte hatte sie jahrelang nicht gesehen, denn diese vertrug sich nicht gut mit ihrem Vater. Als korrektem preußischem Beamten war Gustav von Gentzsch der Lebenswandel der Schwägerin suspekt, und er mied sie daher, so gut es ging.

Mit heimlichem Vergnügen dachte Vicki daran, dass er diesmal in den sauren Apfel hatte beißen müssen, einen ganzen Nachmittag mit ihr im selben Haus zu verbringen. Am Geburtstag ihrer Großmutter hatte er dieser die Enkel nicht vorenthalten können. Jetzt hielten er, Malwine und ihre Brüder einen möglichst großen Abstand zu Charlotte und deren vierzehnjährigen Zwillingen.

Der nächste Gang wurde aufgetragen, ohne dass die Runde redseliger wurde. Vicki empfand es als Folter, so lange sitzen bleiben zu müssen, bis als letzter Gang das Dessert serviert wurde. Ein vernünftiger Mensch aß, wenn er Hunger hatte, und vergeudete nicht seine Zeit, indem er darauf wartete, bis die Diener ihm den Teller erneut füllten.

Füllten? Vicki entschlüpfte ein kurzes Lachen, das von ihrem Vater mit einem strafenden, von ihrer Stiefmutter mit einem tadelnden und von Charlotte mit einem amüsierten Blick bedacht wurde. Die Diener füllten die Teller nämlich nicht, sondern legten von jedem Gang gerade mal ein Löffelchen voll vor. Dies bedeutete, dass man von einer Speise, die man gerne aß, zu wenig bekam und andererseits das essen musste, was man nicht mochte.

Endlich kam das Dessert. Es handelte sich um eine Eisbombe nach Fürst Pückler Art. Das Stück, das Vicki erhielt, war groß genug, um sie mit dem Essen halbwegs auszusöhnen. Auch sonst hatte es besser geschmeckt als zu Hause, wie sie zugeben musste. In der Hinsicht merkte man, dass ihre Stiefmutter die Tochter eines schlichten Landedelmanns war und man sich hier in der Hauptstadt des Reiches aufhielt.

Vicki leckte sich die Lippen und lehnte sich zurück.

»Kannst du nicht gerade sitzen?«, flüsterte ihr Bruder Otto.

Laut zu werden wagte er nicht, um die Großmutter nicht zu verärgern. Auch Gustav von Gentzsch beließ es bei zornigen Blicken. Er beschloss jedoch, seiner Tochter einige deutliche Worte zu sagen, sobald sie wieder in den eigenen vier Wänden waren. Es war eine Schande, wie Vicki sich benahm. Ihr würde es weitaus besser anstehen, demütig zu sein und sich immer daran zu erinnern, dass sie ihre Mutter das Leben gekostet hatte.

»Liebste Mama, hast du etwas dagegen, wenn Gustav und ich auf eine Zigarre in den Rauchsalon gehen?«, fragte Theo, als abgetragen worden war.

Theresa sah ihn erstaunt an, denn Theo rauchte nur selten, und auch Gustav war nicht gerade als Freund des Zigarrenkonsums bekannt. Die ernsten Mienen der beiden zeigten ihr jedoch, dass es etwas gab, über das die beiden Männer unter vier Augen reden wollten.

»Gerne«, sagte sie daher. »Friederike, Charlotte, Malwine und ich werden unterdessen in meinem Salon ein Gläschen Likör trinken. Die Mädchen bekommen Limonade, und die Jungen können Billard spielen.«

Theresa wusste zwar nicht, warum Männer es liebten, mit einem Stock nach irgendwelchen Kugeln zu stochern, nahm es aber als deren Freizeitvergnügen hin.

»Danke, Mama.« Theodor schenkte ihr ein Lächeln und sah dann seinen Schwager an. »Kommen Sie, Gustav! Wir wollen die Familie nicht lange warten lassen.«

Während die beiden Männer im Rauchsalon verschwanden, führte Theresa die anderen durch das Spielzimmer, in dem ihre Enkel bis auf Vickis Bruder Otto zurückblieben, zu ihrem privaten Salon. Sie bat Tochter, Schwiegertöchter und Enkelinnen, Platz zu nehmen, und nahm die Klingel zur Hand.

»Bringen Sie uns drei Gläser Likör, den Mädchen Limonade und Otto ein kleines Glas Bier«, wies sie den Diener an.

»Sehr wohl, gnädige Frau«, antwortete Albert und wollte wieder gehen. Da hielt Theresas Stimme ihn zurück.

»Danach gehst du zu den jungen Herren ins Spielzimmer und fragst sie nach ihren Wünschen. Sorge aber dafür, dass Karl, Waldemar und Eicke Limonade bekommen. Die anderen dürfen meinetwegen etwas Bier trinken.«

»Sehr wohl, gnädige Frau«, antwortete der Bedienstete erneut und verließ gemessenen Schrittes den Raum.

Theresa wandte sich ihren Lieben zu. »Ich freue mich, dass ihr zu so einer alten Frau wie mir gekommen seid, um mir eine Freude zu machen.«

»Aber Mama, das ist doch selbstverständlich«, antwortete Charlotte, die nur selten zu Besuch kam, weil sie oft auf Reisen war.

»Auch ich finde es selbstverständlich, Frau von Hartung«, erwiderte M