Eine aufregende Nacht
Da die Gruppe bei ihrer Wanderung nicht weit gekommen war, diskutierten Matti, Elly, Mike und Gabriel kurz, ob sie diese Nacht nicht doch noch in dem Hüttendorf hätten verbringen sollen. Doch am Ende waren sie sich einig, richtig entschieden zu haben. Obwohl sie immer zuversichtlicher wurden, dass sie sich vielleicht doch nicht in unmittelbarer Nähe eines illegalen Drogencamps befanden, bestand zumindest noch die Möglichkeit und damit die Gefahr, plötzlich auf Banditen zu treffen.
Doch Mike dachte in diesem Moment nicht mehr darüber nach. Ihm gefiel es, am Lagerfeuer zu sitzen, das Gabriel soeben angezündet hatte. Und Elly hatte sich als geschickte Schlangenjägerin erwiesen.
»Schlangen können ihre Körpertemperatur nicht regeln«, hatte sie am Nachmittag aus Mikes Survival-Buch vorgelesen. »Das heißt, von Zeit zu Zeit müssen sie sich in die Sonne legen, um sich aufzuwärmen. Und: Manche Arten legen ihre Jungen in Höhlenverstecke. Dort ist es für den Nachwuchs aber zu kalt. Wisst ihr, was die Mutterschlange dann macht?«
Natürlich hatte es niemand gewusst. Und Elly hatte weiter doziert: »Dann legt sie sich sehr lange in die heiße Sonne, lädt sich richtig mit Hitze auf, kriecht zu ihren Jungen in die Höhle, umschlingt sie ganz fest und gibt die aufgestaute Körperwärme an die Kinder ab. Irre, oder? Die Mutterschlange fungiert mit ihrem eigenen Körper als Heizung!«
Das fanden auch die anderen faszinierend.
»Aber damit nicht genug«, berichtete Elly weiter. »Heizt die Mutterschlange sich selbst auf mehr als 40 Grad auf, stirbt sie. Sie lässt sich bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit erhitzen, ehe sie zu ihren Kindern kriecht.«
»Und was hat das damit zu tun, dass du eine Schlange fangen willst?«, hatte Gabriel nachgefragt.
»Ganz einfach!«, hatte Elly geantwortet. »Ich muss ein sonniges Plätzchen finden, eine Minilichtung. Einen kleinen Platz, wo die Sonne durch die Baumkronen hindurch direkt auf den Boden scheint. Dort ist die Wahrscheinlichkeit am größten, auf eine Schlange zu treffen.«
Elly hatte recht behalten, eine solche Stelle und nach einigem Suchen dort auch eine Schlange gefunden. Allerdings hatte sie es kaum übers Herz gebracht, diese zu töten. Aber es half nichts: Sie brauchten das Leder für die Schuhe und das Fleisch zum Essen. So war die Natur eben, tröstete sie sich. Das gesamte Ökosystem der Erde basierte darauf, dass ein Tier das andere fraß. In diesem Zusammenhang war der Mensch nichts anderes als ein Säugetier, das sich in dieses Ökosystem einfügte.
Weder Elly noch die anderen wussten genau, welche Schlangenart sie da aufgespürt hatte. Aber sie waren einer solchen Schlange schon bei Davis Stamm begegnet und wussten daher, dass sie genießbar und ungiftig war. Dennoch hatten sie sich sehr schwer getan, sie zu erlegen. Gabriel hatte es am Nachmittag zwar tatsächlich geschafft, zwei Bogen und einige Pfeile herzustellen, aber als Elly die Schlange entdeckte, wussten sie nicht,