: Richard Dübell
: Die Teufelsbibel-Trilogie Drei Romane in einem Band
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962153144
: 1
: CHF 13.50
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 2006
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im 13. Jahrhundert wird eines der größten und rätselhaftesten Bücher der Welt erschaffen. Es ist das Lebenswerk eines Mannes, dessen Name bis heute unbekannt ist. Es ist der Codex Gigas, das 'riesige Buch' oder auch die 'Teufelsbibel' genannt. Richard Dübell verbindet in seiner Trilogie das Schicksal der Prager Familien Khlesl und Langenfels mit der Teufelsbibel. Das Ergebnis ist eine diabolische Geschichte über eines der letzten Rätsel der Kulturgeschichte, über den Dreißigjährigen Krieg sowie über die drei größten Dinge im Leben: Glaube, Liebe und Hoffnung. Die Teufelsbibel: Böhmen 1572. In einem halb zerstörten Kloster wird der achtjährige Andrej Zeuge eines schrecklichen Blutbads. Zehn Menschen, darunter seine Eltern, werden brutal ermordet. Andrej kann fliehen und nimmt eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Kirche mit sich: das Wissen um die Existenz des Codex Gigas - der Teufelsbibel. Ein Dokument, das drei Päpste das Leben kosten soll und dem die Macht nachgesagt wird, das Ende der Welt einzuläuten. Die Wächter der Teufelsbibel: Prag 1612. Plünderer dringen in die Burg des Kaisers ein und stehlen die Teufelsbibel. Bald darauf ereignen sich unerklärliche Vorfälle im Land und in den Dörfern erzählt man sich schauerliche Legenden um eine alte Burg in den Hügeln. Besteht hier ein Zusammenhang? Andernorts riskieren Cyprian Khlesl und Andrej von Langenfels ihr Leben im Kampf gegen skrupellose Fürsten und Kleriker, um sich und ihre Kinder zu schützen. Gibt es noch Hoffnung? Die Erbin der Teufelsbibel: 1648. Dreißig Jahre Krieg haben Europa an den Rand des Untergangs gebracht. Die Menschen sind verroht und Tag für Tag brennen Unschuldige auf den Scheiterhaufen. Im Osten, wo der große Krieg begann, brechen Agnes Khlesl und ihre Tochter Alexandra auf, um ein Kind zu retten. Doch ihr Schicksal scheint besiegelt, als sie in die Falle eines Jesuitenpaters und Hexenjägers geraten, dessen Dasein nur einem Ziel dient: der Vernichtung der Teufelsbibel um jeden Preis ... Alle Teile der Trilogie sind unabhängig voneinander zu lesen und in sich abgeschlossen.

Richard Dübell ist als Autor historischer Romane bekannt. Neben seinen schriftstellerischen Aktivitäten leitet er eine Schreibwerkstatt, die er sowohl in Abendkursen als auch als Wochenendseminare und Urlaubsreisen anbietet, und arbeitet als Cartoonist und Grafiker. Dübells Roman 'Der Tuchhändler' wird derzeit in ein Drehbuch adaptiert, an dem der Autor selbst mitarbeitet. Sein Roman 'Der Jahrtausendkaiser' nimmt die These des Erfundenen Mittelalters auf. In 'Die Teufelsbibel' widmet er sich einem der rätselhaftesten Artefakte der mittelalterlichen Kirchengeschichte, dem Codex Gigas. Die gesamte Teufelsbibel-Trilogie, 'Die Teufelsbibel', 'Die Wächter der Teufelsbibel' und 'Die Erbin der Teufelsbibel' sind in 14 Sprachen weltweit übersetzt worden, es gibt Ideen für eine Umsetzung in ein Brettspiel und eine Verfilmung.

3.


PRIOR MARTIN WÄRE der Erste gewesen, der den Klosterhof erreichte, wenn er nicht bei dem toten Mönch vor dem Ausgang angehalten hätte. Während er sich nach dem schwarzen Kuttenbündel auf dem Steinboden bückte, rannten die beiden Novizen, die er aus Braunau mitgebracht hatte, an ihm vorbei und in den Hof hinaus. Martin fasste die zusammengekrümmte Gestalt bei der Schulter und drehte sie herum. Er zuckte zurück. Wo ein Gesicht gewesen war, klaffte eine Wunde, die den halben Schädel auseinandergehauen hatte. Der Prior unterdrückte ein Ächzen und fühlte, wie sich sein Magen hob. Der Kopf des Leichnams rollte herum und kam halb auf Martins Fuß zu liegen, bevor dieser ihn zurückziehen konnte, und für Momente stand er wie festgenagelt. Der mörderische Lärm von draußen war fast verstummt; es hatte eine Weile gedauert, bis sie ihn über das Prasseln des Unwetters und ihre hitzig geführte Diskussion im Kapitelsaal gehört hatten. Weitere Augenblicke waren verstrichen, in denen sie sich alle fassungslos angestarrt hatten, bis Martin sich herumgeworfen hatte und aus dem Saal geeilt war, gefolgt von den Novizen. Stöhnend zog Martin den Fuß unter dem Kopf des Toten hervor, erschauerte, als dieser weiter herumrollte und die Bewegung einen Schwall Blut, Knochensplitter und Zähne auf den Boden schwemmte. Er drückte sich an der Wand entlang um den Toten herum und bemerkte kaum, dass er die Lippen wie im Gebet bewegte. Als er an dem Leichnam vorbei war, raffte er die Kutte und rannte weiter.

Draußen prallte er auf eine Mauer aus schwarzen Mönchskutten. Hände hielten ihn fest; er kämpfte sich durch die Männer hindurch. Es waren fünf; der Tote im Gang war der sechste, und der siebte Kustode …

Der Anblick des großen, dicken Novizen, der von allen Buh genannt wurde und der jetzt auf den Knien lag und sich erbrach, während der magere Novize namens Pavel neben ihm stand, das Gesicht eine Maske des Horrors, verzerrte sich vor Martins Augen, ebenso wie das Schlachtfeld aus zerschlagenen, zerstückelten Körpern, als ihm klar wurde, dass der siebte Kustode derjenige war, der das Blutbad angerichtet hatte. Ihm war zumute, als fiele er in einen Abgrund. Der Graupelschauer peitschte in sein Gesicht. Er wischte sich das Wasser aus den Augen. Der siebte Kustode war fast am anderen Ende des Klosterhofs und riss seine Axt aus einem Körper zu seinen Füßen, hob sie über seinen Kopf und rannte brüllend in Richtung Klosterpforte. Martin war sicher, dass er versuchte ins Freie zu fliehen … und wenn er das Freie erreichte und das Dorf jenseits der Felder, dann würde das Massaker erst beginnen. Er fuhr herum.

Die übrig gebliebenen Kustoden standen eng beisammen. Wo die Kapuzen von den Köpfen geglitten waren, waren die Gesichter über den schwarzen Kutten Spiegelbilder des Schocks, der auch den jungen Pavel bannte. Derjenige der Kustoden, der für die Armbrust verantwortlich war, hatte sie gehoben und zielte, und die Spitze folgte dem dahinstürmenden Verrückten mit seiner Axt. Martin verstand innerhalb eines Herzschlags, dass die Spitze auf den Wahnsinnigen gerichtet war, seit die Kustoden bei seiner Verfolgung im Hof angekommen waren, und dass der Gedanke an die eigene Unberührbarkeit, die den Kustoden eingehämmert worden war, verhindert hatte, dass die Armbrust ausgelöst worden war und dem Schlachten ein Ende gemacht hatte. Martin stöhnte vor Entsetzen. Wie hatte das passieren können, nach all den Jahren, in denen die Kustoden ihren Wert als Wächter der Christenheit bewiesen hatten? Aber er wusste genau, wie es hatte passieren können – noch niemals in all der Zeit hatte jemand den Kustoden den Befehl gegeben, einen Menschen zu töten. Er, Prior Martin, war der Erste. Die Augen des Schützen über der Rinne der Armbrust waren weit aufgerissen. Der Hagel prasselte in sein Gesicht.

„Drück ab!“, schrie Martin.

Die Augen des Schützen zuckten, und seine Blicke klammerten sich an ihn. Ihr Ausdruck traf Martin wie ein Schlag. Er wusste, dass er eine weitere Seele zerstörte, und er wusste, dass er keine Wahl hatte. Der Rasende hatte das Tor fast erreicht und wirbelte die Axt.

„Drück ab!“

Die Armbrust löste mit einem Knall aus. Martins Kopf flog herum. Der Bolzen hatte sein Ziel schon erreicht, bevor er seinen Blick fokussieren konnte. Der Verrückte fiel zu Boden. Für einen Augenblick dachte Martin, ein Kind dort stehen zu sehen, wohin der Wahnsinnige gelaufen war, aber als er blinzelte, war es verschwunden. Es war unmöglich, in dem Flirren etwas Genaueres zu erkennen. Eine kalte Hand strich Martin über den Rücken, als der Gedanke in ihm emporstieg, einen Blick auf die Seele des Getöteten geworfen zu haben, bevor diese sich auf den Weg gemacht hatte. Er erschauerte und bekreuzigte sich. Langsam wandte er sich um.

Die Armbrust war immer noch erhoben. Die Augen des Schützen blinzelten krampfhaft. Als Martin die Hand hob und dann die Waffe langsam nach unten drückte, verstärkte sich das Blinzeln, und die Augen begannen zu schwimmen. Der Graupelschauer ließ so plötzlich nach, wie er begonnen hatte. Die Stille, die ihm folgte, schien aus dem verschmierten Boden des Klosterhofs aufzusteigen. Er spürte die Blicke Pavels und der Kustoden. In den Geruch nach Kälte und nasser Erde mischte sich der vo