Bis an das Ende der Welt
Heinrich der Seefahrer – Ein Essay
Eine Tafel am Eingang zur geheimnisumwitterten Seefahrerakademie in Sagres im Algarve erinnert an den Prinzen Heinrich:
»Aeternum sacrum! Von dieser Stelle aus hat der große Prinz Heinrich, Sohn Johanns I., König von Portugal, es unternommen, die vorher unbekannten Regionen von Westafrika zu erforschen und um Afrika herum einen Weg zu den entlegenen Ländern des Orients zu suchen. Er hat auf eigene Kosten sein Schloss, die berühmte Schule der Kosmographie, das astronomische Observatorium und das Seearsenal errichtet und bis an sein Lebensende mit bewunderungswürdiger Ausdauer erhalten, gefördert und erweitert zum größten Segen der Wissenschaft … Als seine Expeditionen den 8. Grad nördlicher Breite erreicht hatten, als manche Insel im Ozean entdeckt und mit portugiesischen Kolonien versehen war, starb dieser große Prinz am 13. Nov. 1460 …«
Prinz Heinrich von Portugal ist eine geheimnisumwitterte Figur der Geschichte, sogar eine zwiespältige, egal von welchem Blickwinkel aus man das wenige, welches man sicher von ihm weiß, auch betrachten mag.
Sofern an Geschichte interessiert, begegnet einem Interessierten immer wieder dieser Name, es ist nie viel, meist nur Bruchstückhaftes. Heinrich ist nur eine Randfigur der Weltgeschichte. Andere Namen überstrahlen ihn ganz leicht mit ihrem Nachruhm. Doch mit dem Zusatz zu seinem Namen, vermag er sich doch im fantasiebegabten Gedächtnis verankern: »Der Seefahrer«. Wen, welchen Mann bedachten da die Chroniken mit diesem ungewöhnlichen Beinamen? Hatten nicht viele andere glorreiche Figuren der Geschichte »der Große« als Zusatz hinter ihrem Namen? »Der Seefahrer« war einmalig, ließ Abenteuer ahnen, roch er doch nach Ferne und Träumen.
Wer war dieser Heinrich?
Vor Jahren bin ich ihm, Heinrich dem Seefahrer, begegnet, nicht persönlich natürlich, nur virtuell. Ich stand dort, wo auch er einst stand. In Sagres, auf dem Kap Sao Vincente, in der äußersten Südwestecke Portugals, im Algarve, wo jeder Besucher den heute noch eindrucksvollen Ort der ehemaligen Seefahrerakademie des Prinzen auf sich wirken lassen kann. Von diesem mächtigen, tief in ein wütend brausendes Meer abfallenden Felsen aus organisierte Heinrich seine Expeditionen ins Unbekannte. Der Prinz war ohne ein damals bekanntes Vorbild an diese Aufgabe herangetreten, ohne sich auf irgendwelche Erfahrungen stützen zu können, ohne schnelle Ergebnisse vor Augen zu haben, ohne eigentlich mit Erfolgen überhaupt rechnen zu können. Zudem kämpfte er von Anfang an gegen das Unverständnis seiner Umgebung.
Wer also war dieses Phantom der Geschichte?
Ich hatte Sagres gesehen, kehrte von der Urlaubsreise heim und »der Seefahrer« ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Schnell stellte ich fest, dass die Literatur über Heinrich nicht gerade eine Bibliothek füllt, nicht mal eine kleine. Die brauchbaren Quellen sprudelten nur spärlich. Was ich fand, sichtete, verglich, war oft widersprüchlich, in manchen Angaben sogar fehlerhaft. So wurde Heinrich, um ein Beispiel zu nennen, direkt mit Kolumbus in Verbindung gebracht, der jedoch im Todesjahr des Prinzen, 1460, noch ein Kind war.
In einigen Texten wird das Wirken Heinrichs, die Existenz seiner Akademie in großen Teilen, manchmal sogar gänzlich angezweifelt. Hat es den Prinzen überhaupt gegeben?
Gerade solche Punkte reizten mich, Heinrich weiter auf der Spur zu bleiben. Meine Sammlung über den portugiesischen Königssohn und seine Zeit wuchs langsam, aber doch stetig. Werden sich vielleicht die Lücken schließen, für die noch Vermutungen oder die Fantasie herhalten müssen?
Wenn ich auf den folg