: Mara Lang
: Das Juwel der Finsternis Roman
: Bookspot Verlag
: 9783956691218
: 1
: CHF 7.10
:
: Fantasy
: German
: 368
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Drei verfeindete Völker. Ein sagenumwobener Kristall, der größte Macht verheißt. Eine mutige junge Frau, die das Schicksal des Reichs in ihren Händen hält. Die Sklavin Kea hat eine mächtige Gabe: Sie kann die Gedanken anderer beeinflussen. In den Dienst der Königsfamilie gestellt, soll sie dazu ausgebildet werden, die Feinde der Herrscherin zu manipulieren. Bald weckt sie das Interesse des Rittmeisters bei Hofe. Und obwohl sie einem anderen versprochen ist, fühlt sie sich zu dem mysteriösen Mann hingezogen. Doch der Konflikt zwischen den Völkern droht zu eskalieren, und Kea will nicht zum Spielball werden - sie plant ihre Flucht ... Band 1 des Fantasy-Zweiteilers Abenteuerlich, romantisch, mitreißend - für alle Fans von Lynn Raven und Mary E. Pearson

Mara Lang, geboren 1970 in Wien, begann in ihrer Jugend zu schreiben, als ihr der Lesestoff ausging. Sie wollte ursprünglich Filmregisseurin werden, wählte dann aber die Ausbildung zur Diplompädagogin und erschafft heute Kopfkino für ihre Leser. Sie veröffentlicht Jugend- und Spannungsromane wie den rasanten All-Age-Thriller 'RUN', erschienen im Buntstein Verlag, doch ihr Herz gehört der Fantasy. Mara Lang lebt und arbeitet in Wien.

1


Esnaikhir, 8. kal. ianuarij anno 1680

Es ist vollbracht. Bilder geistern durch meinen Kopf: die Risse im Marmor, gezeichnet durch meine Stimme. Das Bröckeln des Steins. Ihre Haut, alabastergleich, ein Gesicht von makelloser Schönheit. Haar, das im Luftzug tanzt. Augen wie Tautropfen, kristallklar. Und erst diese Macht! Das Aufwallen der Magie mag die Gestirne selbst berührt haben. Neben ihr bin ich nichts. Wie konnte ich
annehmen, ihr auch nur im Mindesten zu gleichen?

Die Morgendämmerung schlüpfte durch den Felsspalt. Ein blasses Grau. Es hing über ihrem Kopf wie der gekrümmte Zeigefinger eines Riesen. Kea seufzte und rekelte sich. Manchmal hatte sie das Gefühl, dass die Mulde, in der sie lag, ihrer Körperform entsprach. Als hätte sie über all die Jahre einen Abdruck im Stein hinterlassen. Was natürlich Unsinn war.

Sie erinnerte sich noch gut an den Tag, an dem ihre Mutter Delih ihr dieses Versteck gezeigt hatte. Während die anderen Sklaven schliefen, waren sie aus der Zelle und durch die Stollen der Mine bis zu der geheimen Höhle geschlichen, die Strafe für dieses Vergehen immer im Hinterkopf: Dreißig Stockschläge standen auf Flucht, wobei es unerheblich war, ob ein Sklave tatsächlich zu fliehen versuchte oder sich nur für eine gewisse Zeit entfernte.

Heute wusste Kea, weshalb Delih es trotzdem riskiert hatte. Es war wie ein innerer Zwang, die Höhle aufzusuchen, sich auf den kühlen Stein zu legen und darauf zu warten … zu warten …

Sonnenlicht fiel durch die Ritze und auf Keas Gesicht, streichelweich und warm. Mit jedem Atemzug gewannen die Strahlen an Intensität. Kea sog sie in sich auf, genoss es, dass sie jede Faser ihres Körpers belebten. Sie wirbelten ihre Gedanken durcheinander, bis sie so leicht waren wie Schmetterlinge, bereit, sich auf den Weg zu machen, wo immer Kea sie hinschicken wollte.

Gedankenformen. Sie hatte es nie geübt, höchstens dann und wann einen Versuch bei einem der anderen Sklaven gewagt. Mit mäßigem Erfolg. Welchen Funken konnte man schon im Kopf eines Menschen platzieren, der jede Hoffnung aufgegeben hatte? Nun, eben Hoffnung. Den Mut, weiterzumachen. Den Wunsch, sich an dieses Leben in Dunkelheit zu klammern, obwohl es nichts gab, nichts, was es lebenswert machte.

Ein einziges Mal hatte es wirklich funktioniert: Einer der Aufseher hatte sich an einer Sklavin vergreifen wollen, weil sie morgens in der Zelle geblieben war – hoch fiebernd. Bei der Kraft der Sonne, sie hätte unmöglich aufstehen können! Kea musste ihren Funken schnell anbringen.Mich plagt entsetzlicher Durst, lautete er, und er hatte phänomenale Wirkung. Der Aufseher hatte von der Sklavin abgelassen und war aus der Zelle gestürmt.

Die einfachsten Gedanken waren oft die besten.

Die Sonne war gestiegen und wärmte nun auch ihren Oberkörper. Kea kreuzte die Hände über der Brust. So musste sich eine Schlange nach einer eisigen Nacht fühlen. Es war ein Geschenk, sich jeden Morgen im flirrenden Licht aalen zu