: Martin Clauss, Frank-Lothar Kroll
: Chemnitz Kleine Stadtgeschichte
: Verlag Friedrich Pustet
: 9783791761497
: Kleine Stadtgeschichten
: 1
: CHF 12.60
:
: Regional- und Ländergeschichte
: German
: 176
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im Jahr 2018 feierte Chemnitz 875 Jahre Ersterwähnung: Von 1143 datiert eine Urkunde König Konrads III. für das örtliche Benediktinerkloster. Dieser Band entfaltet die bewegte Geschichte der Stadt von den ersten Anfängen im 12. Jahrhundert bis heute. Vor allem durch die Industrialisierung hat Chemnitz einen großen Aufschwung genommen und sich bis in die 1930er-Jahre zur bedeutendsten Industriestadt in Sachsen entwickelt. Heute ist das Stadtbild durch die stadtplanerischen Entscheidungen in und nach der DDR geprägt; an zahlreichen Stellen sind aber auch Zeugnisse früherer Epochen vorhanden. Wer die Stadt verstehen will, muss sich ihrer Geschichte zuwenden. Diese wird hier fachkundig und verständlich vorgestellt.

Dr. phil. Martin Clauss, geb. 1973, ist Professor für die Geschichte Europas im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit an der Technischen Universität Chemnitz. Dr. phil. Frank-Lothar Kroll, geb. 1959, ist Professor für Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Technischen Universität Chemnitz und Vorsitzender der Preußischen Historischen Kommission.

Chemnitz im 14. und 15. Jahrhundert


Landstadt der Wettiner


Was bedeutete es für Chemnitz, eine Landstadt der Wettiner zu sein? Helmut Bräuer spricht von der Bürgerschaft, »deren partielle Autonomie sich im wettinischen Rahmen bewegen konnte« (Bräuer, 2005, S. 21). Dies umschreibt treffend das Nebeneinander verschiedener Akteure: Wir sehen die Bürger von Chemnitz, die Teile ihrer Geschicke eigenständig regeln, unter und neben den Markgrafen von Meißen aus dem Haus der Wettiner, die immer wieder in die Regierung der Stadt eingreifen. Sie sind die Herren des umgebenden Landes und zugleich die Stadtherren. Sie waren die höchste und letzte rechtssetzende Instanz für alle innerstädtischen Belange und die Beziehungen der Stadt zu ihrem Umland. Das Verhältnis der Stadt zu ihrem Herrn wurde in Huldigungszeremonien und den Anreden in städtischen Schreiben symbolträchtig sichtbar gemacht. Die Stadt adressiert die Markgrafen durchweg als »unser herren« oder »unser gnedigen herren«.

Die Stadt war ein Teil des Herrschaftsraumes der Wettiner und somit von deren politischen Ambitionen betroffen. Wir sehen die Stadt hier als Befehlsempfängerin, die ihr Schicksal nicht eigenständig bestimmen konnte. Dies wird etwa bei den Landesteilungen deutlich, in denen sie ganz selbstverständlich zur Verfügungsmasse gehörte. So fiel Chemnitz bei der Teilung von 1410 an Friedrich IV. und seinen Bruder Wilhelm II., denen die Stadt daraufhin in einer Urkunde vom 6. September die Erbhuldigung gelobte. Immer wieder finden sich auch Hinweise auf die militärische Bedeutung der Stadt für die Landesherren: 14