II. Sayquíca
Der Highway zwischen Portland und La Grande zog sich endlos. Sam wusste schon gar nicht mehr, wie sie noch sitzen sollte. Sie war nun schon gut zwanzig Stunden unterwegs, und die Zeitverschiebung von neun Stunden trug ihr Übriges dazu bei, dass sie sich komplett zermürbt fühlte.
Nach einem Elf-Stunden-Flug war sie in Seattle, Washington, angekommen, um nach zwei Stunden Aufenthalt weiter nach Portland, Oregon, zu fliegen. Dann setzte sich ihre Reise in den äußersten Nordosten Oregons mit diesem Überlandbus fort, in dem sie nun auch schon seit fünf Stunden saß.
Endlich bog der Bus vom Highway ab und sie musste ein letztes Mal umsteigen. Der nächste Bus würde sie an ihren Bestimmungsort bringen: das kleine Städtchen Joseph in der Berg- und Wildnisregion der Wallowa Mountains.
Sam hatte nicht die geringste Ahnung, was sie dort erwarten würde. Sie hatte noch nicht mal eine Adresse von der Farm der Redhearts. Als sie zugesagt hatte, in die USA zu fliegen, war alles auf einmal unglaublich schnell gegangen – das Visum besorgen, packen, sich von Kati verabschieden, von ihren Eltern, noch mal ausführlich von Alli.
„Zum Glück ist alles so schnell gegangen“, dachte sie, denn dadurch hatte sie keine Zeit gehabt, ihren Entschluss infrage zu stellen.
Sie blickte aus dem Fenster. Nachdem der Bus hinter La Grande durch eine fruchtbare Ebene gefahren war, in der sich Weizenfelder und Grasland wie ein Flickenteppich aneinanderreihten, kurvte die Straße nun abwechselnd durch schroffe Höhen und Waldstücke, einem breiten Flusslauf folgend.
„Hier sieht es null aus wie in meinem Traum“, fuhr es Sam durch den Kopf. Doch was erwartete sie eigentlich? Dass ihr die Silbermähne bei ihrer Ankunft fröhlich entgegengaloppiert kam? Sie hatte noch nicht mal Kati von dem letzten Traum erzählt. Es erschien ihr ja selbst total verrückt, sich wegen eines Traumes ans andere Ende der Welt zu begeben. Und deswegen