: Stephen Chbosky
: Der unsichtbare Freund Roman
: Heyne Verlag
: 9783641247218
: 1
: CHF 3.60
:
: Erzählende Literatur
: German
: 912
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die alleinerziehende Kate muss mit ihrem siebenjährigen Sohn Christopher untertauchen. Das abgelegene Örtchen Mill Grove, Pennsylvania, scheint dafür ideal zu sein. Doch dann beginnt Christopher, eine Stimme zu hören. Und merkwürdige Zeichen zu sehen, die ihn in den Wald locken. Sechs Tage lang bleibt er verschwunden. Als er wieder auftaucht, kann er sich an nichts erinnern. Aber plötzlich hat er besondere Fähigkeiten und den Auftrag, ein Baumhaus im Wald zu errichten. Wenn er es nicht schafft, so die Stimme, wird der ganze Ort untergehen. Auf einmal befinden sich Christopher, seine Mutter und alle Einwohner von Mill Grove mitten im Kampf zwischen Gut und Böse.

Stephen Chbosky wuchs in Pittsburgh auf und studierte Filmwissenschaft an der University of Southern California. Sein erster FilmThe Four Corners of Nowherewurde 1995 auf dem Sundance Film Festival gezeigt, für das Drehbuch zuEverything Dividedgewann er zahlreiche Preise. Chbosky lebt in New York.Das also ist mein Lebenist sein erster Roman.

2

Nach einer Woche in Pennsylvania passierte es.

Christophers Mutter entschied sich für Mill Grove und begründete ihre Wahl damit, dass der Ort klein und heimelig war und eine gute Grundschule hatte. Doch tief in seinem Innersten führte Christopher es eher darauf zurück, dass er abgelegen vom Rest der Welt war. Nur ein Highway hinein, ein Highway hinaus. Umgeben von Bäumen. Sie kannten keinen Menschen dort. Und wenn sie niemanden kannten, konnte Jerry sie auch nicht aufspüren.

Mill Grove war ein hervorragendes Versteck.

Jetzt brauchte sie nur noch eine Arbeit. Jeden Morgen beobachtete Christopher, wie seine Mom Lippenstift auftrug und sich das Haar schön frisierte. Sie setzte ihre schicke Sonnenbrille auf und fummelte an dem Loch unter der rechten Achsel ihres einzigen Blazers für Vorstellungsgespräche herum. Der Riss war im Stoff, nicht an der Naht. Daher konnte sie ihn nur mit einer Sicherheitsnadel feststecken und beten.

Nachdem er seine Froot Loops gegessen hatte, fuhr sie mit ihm zur Leihbibliothek. Dort suchte sie ihm sein Buch für den Tag aus und machte sich selbst über die Stellenangebote in der Zeitung her. Das Buch des Tages war seine Gegenleistung für die Froot Loops. Wenn er damit fleißig Lesen übte, bekam er sie. Wenn nicht, gab es Müsli (oder, fast genauso schlimm, Haferschleim). Also las er mit Feuereifer in dem Buch.

Wenn sich seine Mutter mehrere vielversprechende Anzeigen aufgeschrieben hatte, stiegen sie wieder ins Auto und klapperten die Adressen für die einzelnen Vorstellungsgespräche ab. Sie erklärte Christopher, dass sie ihn dabeihaben wollte, damit sie gemeinsam ein Abenteuer erleben konnten. Nur sie beide. Sie nannte den alten Ford einen Landhai, in dem sie nach Beute suchten. In Wahrheit war bloß kein Geld mehr für einen Babysitter da. Ihm war das ganz recht, weil er dann bei seiner Mom sein konnte.

Also brachen sie auf zum »Landhaien«, und beim Fahren fragte sie ihn die Hauptstädte der Bundesstaaten ab. Und Matheaufgaben. Und Wortschatz.

»Die Grundschule von Mill Grove ist wirklich schön. Sie haben einen Computerraum und alles. Es wird dir gefallen in der zweiten Klasse.«

Egal wo sie wohnten, Christophers Mutter war immer auf der Jagd nach ausgezeichneten staatlichen Schulen, so wie andere Mütter nach Sonderangeboten für Limonade (die hier in Mill Grove aus irgendwelchen Gründen »Pop« hieß). Und diesmal hatten sie es besonders gut getroffen. Das Motel lag ganz in der Nähe eines Bezirks mit einer hervorragenden Schule. Sie versprach ihm, ihn jeden Tag hinzufahren, damit er nicht als »Motel-Kid« gehänselt wurde, bis sie genug Geld für ein Apartment zusammenhatte. Sie wollte die Ausbildung für ihn, die sie nie bekommen hatte. Und es machte nichts, dass er sich schwertat. In dieser Klasse würde er sich