Fassungslos starrte Nike Ollmers auf die beiden eleganten Koffer am Fuße der Treppe und auf den Herrn daneben, der soeben per Handy ein Taxi bestellte.
»Das können Sie nicht tun!«, rief sie empört. »Sie können nicht einfach die Flucht ergreifen, Sven. Ihr Vater beruhigt sich schon wieder.«
»Ach, und für wie lange?« Sven de Baek klappte sein Handy zu und musterte die Privatsekretärin seines Vaters spöttisch. »Er hat doch ständig etwas an mir auszusetzen. Er hat mich ohnehin nur in die Firma geholt, weil Gregor tot ist. Trotzdem reibt er ihn mir ständig unter die Nase: Gregor hier, Gregor da. Gregor hätte nie eine solche Entscheidung gefällt, Gregor hätte sich mehr Gedanken gemacht. Gregor war einfach ein Genie. Dabei hat er sich ständig mit ihm in der Wolle gehabt. Gregor wollte die blöde Firma nicht. Ich schon. Aber das hat mein Vater ja nie zur Kenntnis genommen. Ständig tritt er mir auf die Füße, zweifelt alles an, was ich entscheide.«
Sven de Baek war ein gut aussehender, junger Mann von knapp dreißig Jahren, der sehr charmant sein konnte, wenn er wollte und sich davon Vorteile versprach. Im Augenblick jedoch funkelten seine dunklen, fast schwarzen Augen ausgesprochen wütend.
»Vielleicht sind Sie eben kein besonders guter Manager«, gab Nike Ollmers zu bedenken, was zur Folge hatte, dass Sven einen spöttischen Ruf ausstieß.
»Ich bin der einzige Sohn des Chefs, und zwangsläufig wird der Laden einmal mir gehören«, gab er hochmütig zurück. »Das sollte doch wohl reichen!«
»Sven!« Eine schöne Frau eilte die Treppe herunter.
Cora de Baek, die Witwe des so früh ums Leben gekommenen Gregor, war eine ausgesprochene Schönheit. Das musste Nike zugeben. Cora war jung, noch keine dreißig. Sie war groß und schlank und von einer sinnlichen, betörenden Schönheit. Vor knapp einem Jahr hatten sie und Sven sich offiziell verlobt. Es war offensichtlich, dass sie ihn sehr liebte. Als Witwentröster konnte Nike sich den Sohn des Hauses gut vorstellen. Davon verstand er etwas. Mehr jedenfalls als vom Geschäft einer Papierwarenfabrik.
»Du kannst doch nicht einfach abreisen und mich hier allein lassen!« Cora umarmte ihren Verlobten leidenschaftlich. Wieder einmal stellte Nike fest, dass die beiden in der Tat ein schönes Paar waren. »Wo willst du denn hin?«
Sven erwiderte die Umarmung, und ein zärtliches Lächeln glitt über sein eben noch so wütendes Gesicht.
»Tut mir leid, Liebes, aber ich muss jetzt erst mal für eine Weile hier raus. Das verstehst du sicher.«
»Natürlich verstehe ich das. Aber dein Vater wird sich schon wieder beruhigen.«
Sven stieß ein bitteres Lachen aus.
»Das sagt unsere herzensgute Nike hier auch. Fragt